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Indem er Kreuze für die Klassenzimmer segnete und eigenhändig aufhängte, löste der damalige Leiter der Geretsrieder Realschule Armin Eder im Jahr 2013 eine große Debatte aus.

Kreuze in öffentlichen Einrichtungen

Nach Söder-Befehl: So halten es Ämter und Behörden im Landkreis mit dem Kruzifix

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Markus Söder wünscht sich ein Kreuz in jeder staatlichen Behörde. Doch wie sieht es in den Amtsstuben, Rathäusern und Klassenzimmern im Landkreis bislang aus? Höchst unterschiedlich, wie eine Umfrage zeigt.

Bad Tölz-Wolfratshausen– Im Eingangsbereich der Münchner Staatskanzlei hängt bereits eines – aufgehängt von Markus Söder (CSU) persönlich. Mit diesem Handgriff hat der Ministerpräsident den Beschluss der bayerischen Regierung in Szene gesetzt, dass künftig in jeder staatlichen Behörde ein Kruzifix hängen soll. Bei einigen öffentlichen Einrichtungen im Landkreis rennt Söder damit offene Türen ein – für andere wird es Neuland sein.

„Optimal“ findet der Tölzer Bürgermeister Josef Janker Söders Kruzifix-Entscheidung. Aus seiner Sicht steht das Kreuz generell „für die Leitplanken unserer Gesellschaft“. Die christlichen Werte beinhalten für den Bürgermeister „Toleranz, Nächstenliebe, Gleichberechtigung und Humanität“, sagt er: „Wie kann man da etwas dagegen haben? Diese Kriterien finden sich in jeder Religion wieder.“ Sollte es eine Initiative geben, im Eingangsbereich des umgebauten Tölzer Rathauses ein Kruzifix aufzuhängen, „dann würde ich das unterstützen“, sagt Janker. „Es ist für mich aber kein Dogma. Wichtiger wäre mir, dass jeder danach lebt.“

Deutlich knapper fällt die Antwort aus dem Geretsrieder Rathaus aus. Aktuell hänge im Eingangsbereich der Stadtverwaltung kein Kreuz, teilt Pressesprecher Thomas Loibl auf Anfrage mit. Im Tölzer Landratsamt hängen Kreuze in allen Sitzungssälen, so Pressesprecherin Sabine Schmid. „Das ist bei uns noch nie zur Debatte gestanden.“

Kommunen sind in ihrer Entscheidung ohnehin frei, Söders Doktrin erstreckt sich nur auf staatliche Behörden. Dort sucht man Kruzifixe bislang meist vergebens. In seinen 45 Jahren am Finanzamt sei ihm weder aus einem der drei Wolfratshauser Dienstgebäude noch aus der Tölzer Außenstelle ein Kruzifix bekannt, erklärt Geschäftsstellenleiter Erich Kühn. Auch am Wolfratshauser Vermessungsamt und seiner Tölzer Außenstelle ist bis dato kein allgemein sichtbares Kreuz installiert, sagt Behördenleiter Herbert Fuchs. Er erwartet aber, dass demnächst die entsprechende „Ausführungsverordnung“ der Staatsregierung eintreffen werde – „und dann machen wir es“. Fuchs kann sich auch nicht vorstellen, dass sich von Seiten der Bürger Protest regt.

Das Jobcenter in Bad Tölz untersteht der gemeinsamen Verantwortung von Bund und Landkreis – auch hier hat der Ministerpräsident also keine Weisungsbefugnis. Geschäftsführer Andreas Baumann zeigt sich bei dem Thema eher leidenschaftslos. „Wenn hier schon immer Kreuze hängen würden, würde ich sie auch hängen lassen.“ De facto sei dies aber nicht der Fall, und er sieht auch keinen Anlass, das zu ändern. In seinem Büro habe er ein Kreuz, restauriert von einer ehemaligen Sozialamts-Klientin – „weil es wirklich schön ist“, so Baumann.

Dass Kreuze an Schulen ein kontroverses Thema sein können, zeigte sich vor einigen Jahren an der Realschule Geretsried. Damals hängte Schulleiter Armin Eder kurz nach seinem Amtsantritt eigenhändig Kreuze in den Klassenzimmern auf, nicht ohne sie zuvor als geweihter Diakon selbst gesegnet zu haben. Seine Aktion polarisierte – und war mit ein Grund dafür, dass Eder die Schule wieder verlassen musste. Der Tölzer Kurier fragte nach, wie das Thema heute an der Realschule gehandhabt wird. Die Schulleitung war am Donnerstag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Generell gilt an bayerischen Schulen eine Widerspruchsregelung: Wenn sich Eltern an dem Kreuz stören, kann es in Einzelfällen abgehängt werden. Der Leiterin der Beruflichen Oberschule (FOS/BOS) in Bad Tölz, Maria-Anna Grimm, ist aus ihren sieben Jahren an der Schule kein solcher Fall bekannt. Und das findet die Ethik- und Sozialkundelehrerin auch gut so. Das Christentum bilde die Grundlage zum Beispiel für die Philosophie vom Immanuel Kant und somit „für all die Errungenschaften, wie sie im Grundgesetz stehen“, sagt Grimm. „Ich stehe voll und ganz hinter diesem Teil unserer Kultur und würde mich hüten, Kreuze abzuhängen.“ Das ändere nichts daran, dass sie „andere Kulturen, Mentalitäten und Religionen“ respektiere. Genauso findet sie es aber richtig, dass jeder „unsere religiösen Inhalte“ auch durch ein äußeres Zeichen wahrnimmt. „Uns ist die Erziehung zur gegenseitigen Toleranz sehr wichtig.“

Am Wolfratshauser Amtsgericht hängen laut Direktorin Andrea Titz Kreuze „seit eh und je in allen Sitzungssälen“. Wie an allen Gerichten gelte: „Wenn jemand Anstoß daran nimmt und sagt, er möchte die Verhandlung nicht im Angesicht des Kreuzes durchlaufen, dann muss es abgenommen werden.“ Ihr sei kein solcher Fall bekannt – und „in vorauseilendem gehorsam“ würde Titz das Kruzifix nicht abhängen.

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