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Zwischen Schätzen und Kuriositäten: Thomas Jurczyk mit einem edlen Gehrock von Lorenz Ganter und einem Ledermantel vom Atelier Daniel Leder, wie er in den 1980er-Jahren modern war. Zum Teil ist die Ware noch in D-Mark ausgezeichnet. 

Insolvenzverwalter räumt Trachten Kirner

Nach dem Tod der Tölzer Trachten-Ikone: Der letzte Ausverkauf

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Jahrzehnte führte sie Trachten Kirner am Tölzer Amortplatz, Ende August starb Rita Braun. Nun macht der Insolvenzverwalter den Warenbestand zu Geld.

Bad Tölz – Thomas Jurczyk hat gezählt: 6725 Kleidungsstücke umfasst das riesige Sortiment von „Trachten Kirner“. Viel Altmodisches ist dabei, wie ein Ledermantel aus den 1980er-Jahren. „Aber auch viele tolle Sachen“, betont Jurczyk und deutet auf einen eleganten Gehrock. 798 Euro steht auf dem Preisschild. „Bezahlen muss der zukünftige Besitzer wohl maximal die Hälfte. Denn in den Geschäftsräumen am Amortplatz heißt es ab Donnerstag: Alles muss raus.

Dann nämlich startet der Insolvenzverkauf, für den Jurczyk von Insolvenzverwalter Josef Hingerl aus Wolfrathausen engagiert worden ist. „Wir sind vom Nachlass in die Insolvenz gerutscht“, sagt Jurczyk. Um die Außenstände der verstorbenen Trachtenhändlerin zumindest zum Teil begleichen zu können, muss Jurczyk den Besitz der Geschäftsfrau nun zu Geld machen. Darin besteht sein Job. In Holzkirchen besitzt er eine Firma namens „GSK“, die sich ausschließlich um die Be- und Verwertung von Insolvenzen und Nachlässen kümmert.

Rita Braun lebte für den Laden am Amortplatz.

Um möglichst viele Lederhosen, Dirndl, Joppen, Schuhe, Westen, Hüte und Strümpfe zu verkaufen, lockt Jurczyk mit Rabatten von bis zu 80 Prozent. Ein Paradies für Schnäppchen-Jäger. Denn auch wenn die Kleidungsstücke laut Jurczyk zum Teil bereits seit 30 bis 40 Jahren im Regal liegen oder am Bügel hängen, sind sie doch qualitativ sehr hochwertig. Wer Glück hat, kann eine handgestrickte Weste für 100 Euro ergattern. „Und die sind ja zeitlos, genau wie Lederhosen und viele Dirndl“, sagt Jurczyk. Was übrig bleibt, wird er in großen Mengen und zu günstigen Preisen zum Beispiel an Online-Händler verkaufen.

Bis Mitte Dezember, hofft Jurczyk, ist „Trachten Kirner“ leer. Wie es danach weitergeht, weiß er nicht. Der Vermieter der Immobilie ist derzeit im Urlaub und war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Wie berichtet, starb Rita Braun Anfang August an einem Krebsleiden im Alter von 87 Jahren. 50 Jahre lang stand sie Tag für Tag in ihrem Laden am Amortplatz, verkaufte als eine der ersten in ihrer Branche Konfektionsware. Der Erfolg gab ihr Recht: Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere zählten unter anderem Liz Taylor, die ehemalige Miss World Petra Schürmann oder auch Ulknudel Ingrid Steeger zu ihren Kunden.

In den vergangenen Jahren versuchte Rita Braun immer wieder, ihr Geschäft in jüngere Hände zu geben. Geklappt hat es nie: Ein Interessent soll abgesprungen sein, weil er den riesigen Warenbestand nicht hatte übernehmen wollen. Ein anderer potenzieller Nachfolger störte sich wohl an den renovierungsbedürftigen Räumen. Trotzdem kündigte Rita Braun immer wieder mit Werbeplakaten den Räumungsverkauf an. Am morgigen Donnerstag nun beginnt er tatsächlich.

Der Nachlass- beziehungsweise Insolvenzverkauf läuft ab Donnerstag, 19. Oktober, bis Samstag, 16. Dezember. Verkauft wird immer nur donnerstags und freitags von 10 bis 18 Uhr sowie samstags von 10 bis 16 Uhr. Bezahlt werden kann nur bar.

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