Hanf-Pflanzen (Cannabis) wachsen in einem Garten.
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Cannabispflanzen hatte ein Mann auf dem Balkon seines Nachbarn entdeckt.

Verhandlung am Amtsgericht

Nachbar fotografiert Cannabispflanze: Tölzer (39) landet vor Gericht

  • vonRudi Stallein
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Seine Drogensucht bringt einen 39-jährigen Tölzer immer wieder vor Gericht. Nun war es wieder einmal soweit. Verantwortlich dafür war dieses Mal sein Nachbar.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Irgendwann hat auch der hartgesottenste Zeitgenosse mal die Faxen dicke. „Ich versteh‘ es einfach nicht. Ich bin kein Räuber, kein Dieb, ich tu niemandem was“, ereiferte sich der Angeklagte, der mit dem Richter aus zahlreichen Verhandlungen sozusagen gut bekannt ist. „Warum können Sie mich nicht einfach in Ruhe lassen“, klagte der Tölzer (39), und in seine Stimme mischte sich eine gute Portion Verzweiflung. Wobei nicht eindeutig klar wurde, wem diese Bitte am meisten galt. Dem Staatsanwalt und dem Richter oder dem Nachbarn, dem er sein jüngstes Treffen mit der Justiz zu verdanken hatte. Vor dem Wolfratshauser Amtsgericht musste sich der Arbeitslose wieder einmal wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln verantworten.

Mitteiler hängt Foto einer Cannabispflanze an E-Mail an

Anfang Juli dieses Jahres hatte die Tölzer Polizei einen anonymen Hinweis aus der Nachbarschaft des Angeklagten erhalten: Der Mann züchte Cannabis auf dem Balkon. Zum Beweis hatte der Mitteiler seiner E-Mail ein Foto einer frischen Cannabispflanze angehängt. Als am 4. August die Polizei zur Durchsuchung vor der Wohnung des Beschuldigten stand, befand sich in dem Blumenkübel aber nur noch trockene Erde. „Die Pflanze hat der Hund gefressen“, erklärte der Angeklagte, der den Beamten aber knapp zwei Gramm Marihuana, das er in seiner Wohnung hatte, aushändigte.

„Warum immer wieder? Sie wissen doch, dass es verboten ist“, sagt der Richter

Diese Menge war nun Gegenstand der Anklage. „Warum immer wieder? Sie wissen doch, dass es verboten ist“, äußerte Richter Helmut Berger Unverständnis. „Weil ich konsumiere seit ich 13 bin. Das wissen Sie doch“, entgegnete der Angeklagte. Seine „Kooperationsbereitschaft“ gegenüber den Polizisten beim Hausbesuch im August und die Tatsache, dass es sich „nur“ um 1,7 Gramm der weichen Droge handelte, stimmte den Richter milde.

Er regte an, das Verfahren vorläufig einzustellen. Ein weiterer Grund dafür war jedoch auch, dass der Angeklagte demnächst bereits eine achtmonatige Freiheitsstrafe antreten muss. Weitere elf Monate, zu denen ihn das Amtsgericht Miesbach verurteilte, wurden zur Bewährung ausgesetzt. Ob die aufrechterhalten wird, scheint jedoch ungewiss. Der Staatsanwalt nahm den Vorschlag an und beantragte, dass Verfahren einzustellen. Der Angeklagte freute sich.

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