Auf etwa 15 Quadratmetern lebt Familie Luttuschka derzeit im Haus Jakobus. Nun hat das Ehepaar mit den vier Kindern Hoffnung, dass sich die Situation etwas bessert. 
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Auf etwa 15 Quadratmetern lebt Familie Luttuschka derzeit im Haus Jakobus. Nun hat das Ehepaar mit den vier Kindern Hoffnung, dass sich die Situation etwas bessert. 

Auswirkungen des Großbrands in Tölzer Mehrfamilienhaus 

Nach Brand im Lettenholz: Kleiner Lichtblick für Familie

  • Melina Staar
    vonMelina Staar
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Zwei Wochen nach dem Großbrand am Lettenholz gibt es für Familie Luttuschka endlich Licht am Ende des Horizonts.

Bad Tölz – Wie berichtet verlor die sechsköpfige Familiein der Nacht des Großbrandes im Lettenholz ihr Zuhause. Ein paar Tage kamen sie im evangelischen Gemeindehaus unter. Doch dort konnten sie nicht bleiben, weil es bereits seit Längerem für eine Veranstaltung für Kinder gebucht ist. Also wurde die Familie im Haus Jakobus einquartiert, einem Obdachlosenheim an der Salzstraße.

Bedingungen in Obdachlosenheim kaum auszuhalten 

Gerade für die vier Kinder Aaron, Aveline, Nico und Steve waren die Bedingungen kaum auszuhalten. Auf etwa 15 Quadratmetern musste die Familie zusammenrücken. Mama Desirée schlief mit den beiden Jüngsten in einem Bett, der Papa wurde auf die Couch ausquartiert. Das winzige Nebenzimmer teilten sich die beiden Großen. Schränke waren Mangelware, die Habseligkeiten verteilten sich im Raum. Mit mehreren Raumduft-Sprays kämpften die Luttuschkas gegen den Geruch von Urin, Alkohol und Marihuana an, der in den Böden und Wänden hing.

Der älteste Sohn leidet an Asthma. „Er muss alle halbe Stunde raus, weil er hier nicht richtig atmen kann“, sagt seine Mama, die als Berufskraftfahrerin arbeitet, bei einem Besuch vor Ort. Der zweite Sohn leidet von Kindheit an an einer posttraumatischen Belastungsstörung. „Er ist nur mit Hilfe von Tabletten ruhig zu bekommen.“ Und die beiden Jüngsten, acht und neun Jahre alt, haben seit dem Blitzeinschlag im Haus am Lettenholz einen schweren Schock. Sie wollen nicht mehr ohne ihre Mutter schlafen. Wenn ein Gewitter aufzieht, geraten sie in Panik, sagt Desirée Luttuschka.

Sechsköpfige Familie musste auf 15 Quadratmetern zusammenleben 

Auch gab es unerwünschten Besuch, wie Papa Ramon erzählt: Montagabend, die Kinder schliefen bereits, klingelte es plötzlich wild an der Tür. Eine obdachlose Frau – die Eltern vermuten sie stand unter Drogen – wollte ins Haus. „Wir haben ihr dann gesagt, dass wir jetzt hier wohnen.“ Die Kinder waren allerdings erst mal wieder wach.

Luttuschkas freuen sich aber auch über die Unterstützung, die sie beispielsweise von der Schule oder auch über Bekannte und Freunde erfahren. Auch der evangelische Dekan Martin Steinbach habe alles versucht, nachdem klar war, dass die Familie im Gemeindehaus nicht bleiben kann. Mehr Hilfe würden sich Luttuschkas von offizieller Seite wünschen. „Aber keiner fühlt sich für uns zuständig.“ Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), die das betroffene Haus am Lettenholz verwaltet, gibt auf Anfrage nur zu Protokoll: „Die Mieter sind aktuell in privaten Unterkünften, wie zum Beispiel Pensionen untergebracht.“ Noch sei nicht klar, wie lange die Wohnungen nicht nutzbar seien.

Nun kann Familie in 2-Zimmer-Wohnung umziehen 

Die ersten Versuche, eine bessere Unterkunft zu finden, scheiterten. „Entweder waren wir zu viele Personen oder unsere Haustiere waren nicht erwünscht oder man wollte uns nicht nur bis Jahresende etwas vermieten“, so Desirée Luttuschka. Aber die Haustiere wegzugeben komme nicht in Frage. „Unser Hund und unsere Katze sind zu einer Art Therapeuten für die Kinder geworden.“ Und längerfristig mieten wollen die Luttuschkas nicht, denn sie möchten unbedingt in ihr Zuhause am Lettenholz zurück, wenn die Sanierung abgeschlossen ist.

Am Mittwoch gab es endlich eine positive Nachricht. Die Familie kann in eine Zwei-Zimmer-Wohnung umziehen, 50 Quadratmeter, kostenfrei mit Hilfe des Landratsamts. Desirée Luttuschka hofft nun, „dass die Kinder jetzt etwas zur Ruhe kommen“.

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