Stunde um Stunde verbrachte Siegfried Schmeller in seiner Goldschmiede-Werkstatt. 2013 zog er sich aus dem Geschäftsleben zurück.
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Stunde um Stunde verbrachte Siegfried Schmeller in seiner Goldschmiede-Werkstatt. 2013 zog er sich aus dem Geschäftsleben zurück.

Nachruf

Trauer um Uhrmacher und Krippenfreund Siegfried Schmeller aus Bad Tölz

  • Christiane Mühlbauer
    vonChristiane Mühlbauer
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Er hat in Bad Tölz viele Spuren hinterlassen und die Stadt um einiges bereichert: Am vergangenen Samstag ist der bekannte Uhrmachermeister und Goldschmied Siegfried Schmeller im Alter von 81 Jahren gestorben. Vor allem sein Engagement für Krippen machte Schmeller überregional bekannt.

Bad Tölz - Geboren 1939 in Schönberg im Bayerischen Wald, kam Schmeller mit seinen Eltern und einer älteren Schwester als kleiner Bub nach Bad Tölz. Dem herzkranken Vater, einem gelernten Uhrmachermeister, tat die Luft im Isarwinkel gut. Nach dem Krieg eröffnete die Familie eine Uhrmacherei und Goldschmiede an der unteren Marktstraße. „Schon als Bub hat mein Mann seinen Vater in der Werkstatt beobachtet und erste kleine Arbeiten übernommen“, berichtet Ehefrau Gerhild Schmeller aus der Familiengeschichte. So trat der Sohn in die Fußstapfen des Vaters und führte nach dessen Tod 1952 das Geschäft als Familienbetrieb weiter.

Als Uhrmachermeister und Goldschmied machte sich Schmeller rasch einen Namen. Er besaß zudem eine große Gabe für Gestaltung und Dekoration. Seine Auslagen im Schaufenster waren derart kreativ und kunstvoll, dass er nicht nur die Kunden in Scharen anlockte, sondern dafür sogar immer wieder Preise gewann. Als Belohnung, berichtet seine Ehefrau, gab es Reisen nach Japan, Finnland und Großbritannien, dort inklusive Besuch der Diamantenbörse in London – für die Schmellers ein unvergessliches Erlebnis.

Schmeller war Mitgründer der „Interessensgemeinschaft Tölzer Stadt“

Als Geschäftsmann lag Siegfried Schmeller Tölz am Herzen. Er war Mitbegründer der „Interessensgemeinschaft Tölzer Stadt“, der Vorläufer der „Aktiven Tölzer“. Das große Eingangstor, das jedes Jahr an der Isarbrücke zu Beginn des Christkindlmarkts aufgestellt wird, entwarf und baute Schmeller zusammen mit seinem Sohn Christian, der heute ebenfalls eine Uhrmacherwerkstatt in Tölz betreibt. Die beiden anderen Kinder schlugen beruflich andere Wege ein.

Der Juwelier war ein charismatischer Mensch, dem Aufhebens um seine Person fremd war. Im Stillen zu wirken, das war sein Stil. Schmeller besaß ein ausgleichendes Wesen, zu vermitteln war ihm ein wichtiges Anliegen. Der christliche Glaube spielte im Leben von Schmeller eine große Rolle. Schon als Kind entwickelte er eine Faszination für Krippen und deren Möglichkeit, die Botschaft des Evangeliums weiterzutragen. Wer eine Krippe betrachtet, solle „mit dem Auge spazieren gehen“, sagte Schmeller einmal. Er war Mitbegründer des Tölzer Krippenvereins und 30 Jahre dessen Vorsitzender. Zusammen mit seiner Frau kümmerte sich Schmeller jahrelang um eine wertvolle Jahreskrippe aus dem Nachlass von Theodor Gämmerler, dem bayerischen Krippenkünstler schlechthin.

Fundus in verschiedenen Schaukästen neben der Franziskanerkirche

Dank Unterstützung der Stadt Bad Tölz ist der komplette Fundus seit 2012 der Mittelpunkt der „Tölzer Jahreskrippe“ mit verschiedenen Schaukästen neben der Franziskanerkirche. Alle paar Wochen werden hier biblische Szenen im kirchlichen Jahreskreis neu gestaltet, und zwar durchaus auch mit zeitgenössischen Themen, etwa zur Flüchtlingskrise. „Dieses gemeinsame Erarbeiten eines Gesamtkonzepts waren Sternstunden im Verein“, erinnert sich Schriftführer Toni Reiserer. „Dabei wurden die Anforderungen immer anspruchsvoller, aber gerade das hatte für ihn großen Reiz.“ Schmeller liebte das Experiment, sagt Reiserer, und war ein „selbstkritischer Perfektionist“: „Seine Darstellungen verbesserte er immer wieder, begnügte sich nie mit der Wiederholung von Bewährtem, erfand Neues, Ausgefallenes und selbst für Kenner Überraschendes. Und genau so förderte er auch die Mitglieder, die ihre Krippe bauen wollten.“

Für sein großes Engagement erhielt Schmeller zahlreiche Auszeichnungen: die Silberne Verdienstmedaille der Stadt Bad Tölz (2002), die Goldene Ehrenmedaille des Verbands der Bayerischen Krippenfreunde (2011) und 2013 die bayerische Bezirksmedaille im Bereich Kultur (beides zusammen mit seiner Frau Gerhild). Heuer erhielt der Tölzer Krippenverein, dessen Ehrenvorsitzender Schmeller war, den „Tölzer Löwen“.

Letztes Werk: Neugestaltung der Krippen-Abteilung im Stadtmuseum

Schmellers letztes Werk war es, die Neugestaltung der Krippen-Abteilung im Tölzer Stadtmuseum mit dem Verein zu begleiten. Hier wird unter anderem die einzigartige Pauer-Krippe, die sich im Besitz des Hoftapeziermeisters von König Ludwig II., befand, wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Schmellers Nachfolger Wolfgang Friedl hat den Ehren-Vereinsvorsitzenden zuletzt über alles auf dem Laufenden gehalten.

Verschiedene gesundheitliche Probleme hätten ihrem Mann in den vergangenen Monaten die Kraft geraubt, berichtet Gerhild Schmeller. In einer Klinik in München ging er nun seinen letzten Weg. Die Beerdigung findet am morgigen Mittwoch, 30. September, statt. Das Requiem beginnt um 9 Uhr in der Kirche Hl. Familie, um 10.30 Uhr erfolgt die Beisetzung im Waldfriedhof.

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