Kahlschlag auf dem ehemaligen Alpamare-Gelände: Ein Bagger gräbt die Wurzeln der gefällten Bäume aus. Karl Bock
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Kahlschlag auf dem ehemaligen Alpamare-Gelände: Ein Bagger gräbt die Wurzeln der gefällten Bäume aus.

Schützenstraße und Schonger-Straße

„Nacht- und Nebel-Aktion“: Baumfällungen in Bad Tölz verärgern Bürger

  • Bettina Stuhlweißenburg
    vonBettina Stuhlweißenburg
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Bäumfällungen verärgern immer wieder Bürger der Stadt Bad Tölz. Reinhard Lehnen zum Beispiel zürnt der Kommune, weil sie nicht verhindert hat, dass an der Schützenstraße am Rand des früheren Alpamare-Grundstücks mindestens acht stadtbildprägende Bäume gefällt wurden.

Bad Tölz - Die Fällungen an der Schützenstraße seien – „in einer Nacht- und Nebel-Aktion“, wie Lehnen sagt, über die Bühne gegangen. Wie berichtet will ein Kölner Bauunternehmen auf dem früheren Alpamare-Gelände Wohnungen realisieren.

Die Schützenstraße habe an dieser Stelle Allee-Charakter gehabt. Davon sei nun nichts mehr übrig. „Die Stadtoberen sollten in Zukunft die Worte Naturschutz beziehungsweise Stadtbildpflege nicht mehr in den Mund nehmen“, schimpft Lehnen. Das zentrale Problem sei, dass Bad Tölz – anders als viele andere Städte – keine Baumschutzverordnung habe. Dann, meint Lehnen, hätten die stattlichen Bäume an der Schützenstraße nicht einem Bauvorhaben zum Opfer fallen können.

Stadt könne nicht über Bäume auf Privatgrund befinden

Die Stadt sei über die Fällung in Kenntnis gesetzt worden, teilt Birte Otterbach, Pressesprecherin der Stadt Bad Tölz, auf Nachfrage mit. Allerdings könne die Stadt nicht über Bäume auf Privatgrund befinden. Bei den betroffenen Bäumen handle es sich um Fichten, die als Flachwurzler ohnehin in Bezug auf die Verkehrssicherheit problematisch seien. Eine Ersatzpflanzung an dieser Stelle sei laut Otterbach unwahrscheinlich. „Auch wenn prinzipiell jeder Baum sehr wertvoll ist: Bad Tölz ist in der glücklichen Lage, dass es allein in den öffentlichen innerstädtischen Bereichen weit über 5000 Bäume – viele davon hochwertig – gibt.“

Lehnen ist nicht der einzige, der sich über den Kahlschlag ärgert. Marianne Lausen zum Beispiel wohnt an der Christian-Schonger-Straße nahe der Brücke, die über den Ellbach führt. Bis November wucherten dort zahlreiche Bäume und Sträucher – ein Ort, an dem Lausen zufolge viele Vögel und Libellen ihren Lebensraum hatten.

Ärger auch über Fällungen an der Christian-Schonger-Straße

Jetzt dagegen fehlen mehrere Fichten, ein Ahorn sowie eine Lärche. „Ein Anwohner hatte die Stadt im letzten Jahr darauf hingewiesen, dass sich mehrere große Fichten stark auf sein Grundstück neigen. Auch ein Ahorn, der nahe an der Grundstücksgrenze stand, war in einem schlechten Zustand“, so Otterbach. Ein von der Stadt beauftragter Baumkontrolleur habe die Bäume begutachtet – und zur Fällung geraten. „Da Gefahr im Verzug war, wurde die Aktion zeitnah im Herbst durchgeführt“, sagt Otterbach.

Die Fällung sei aber zuvor mit der Naturschutzbehörde im Landratsamt abgestimmt worden. Daraus habe sich die Forderung des Landratsamtes ergeben, möglichst viel Totholz auf der Fläche zu belassen. Durch das Auslichten profitiere das bereits vorhandene Jungholz. „Ein Nachpflanzen ist aus diesem Grund an dieser Stelle nicht notwendig“, sagt Otterbach. Die Fällung der Lärche sei nicht von städtischen Mitarbeitern veranlasst worden.

Bäume in Tölz auch ohne Baumschutzverordnung nicht schutzlos

Otterbach betont, dass die Bäume in Tölz auch ohne Baumschutzverordnung nicht schutzlos seien: „Wir haben eine Baumschutzkommission, in der Stadträte, Mitglieder der Verwaltung und Fachleute vertreten sind.“ Die Kommission begutachte Bäume, denen die Fällung drohe, und entscheide, ob er geschützt werden soll. Zudem werden seit 2016 sämtliche städtischen Bäume in einem Baumkataster erfasst, mit Daten zu Wuchs, Beschädigungen, möglichen Krankheitssymptomen und dem Tag der Kontrolle. Welcher Baum bereits erfasst ist, können Interessierte an der Nummer erkennen, die in Überkopfhöhe angebracht ist. 

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