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Gut getarnt und bloßem Auge kaum zu erkennen zwischen Steinen auf einer Kiesbank in der Isar bei Tölz: Ein Flussregenpfeifer beim Brüten. Um den seltenen Vogel nicht zu stören, sollen die Kiesbänke gemieden werden. 

Isar

Der Flussregenpfeifer will seine Ruhe

Lenggries/Bad Tölz – Der Flussregenpfeifer ist in Gefahr. Der seltene Vogel brütet auf Kiesinseln. Und die hat er nicht für sich alleine. 

Bei steigenden Temperaturen und sonnigem Wetter treibt es viele Frischluftfreunde wieder in die Natur. Was des Menschen Freude ist, kann für die lokale Fauna jedoch zur Belastung und sogar Bedrohung werden: Dies gilt besonders für den Flussregenpfeifer, der aufgrund seiner Seltenheit auf der roten Liste der Brutvögel Deutschlands steht.

Was dem Tier besonders zu schaffen macht, ist sein spezileller Nistplatz: Die Kiesbänke und -inseln der Isar. Der bedrohte Vogel und sein Nachwuchs sind zwischen Sylvenstein und Bad Tölz Jahr für Jahr sowohl durch Hochwasser als auch durch Freizeitaktivitäten wie Bootsfahrten stark gefährdet.

Zumindest was das Thema Hochwasser angeht, hatte der Flussregenpfeifer in den vergangenen Wochen ungemeines Glück. Gerade im Vergleich zu den katastrophalen Zuständen in anderen bayerischen Regionen blieb es rund um die „reißende“ Isar verhältntismäßig ruhig. Die Grundvoraussetzungen zur erfolgreichen Brut scheinen also gegeben.

Ob es in den acht Sondergebieten, die zwischen Sylvenstein und Tölzer Isarbrücke durch die Isarranger abgesteckt wurden, schon Nachwuchs gibt, ist allerdings weitgehend unklar: selbst die Ranger meiden zurzeit das Eindringen in die Brutplätze. Die Erfahrung zeigt allerdings: Erfolge beim Pfeifer-Nachwuchs können Vogelschützer auch bei günstigen natürlichen Rahmenbedingungen nur ab und zu vermelden. Das wird deutlich mit einem Blick nach Bad Tölz. Diplom-Biologe Achim Rücker vom Landesbund für Vogelschutz fand heuer zunächst drei Paare vor, die rund um die Isarbrücke mit dem Nestbau begannen – Jungtiere bekommen hat nach bisherigem Kenntnisstand allerdings nur eines. Zumindest diese zu schützen ist daher von höchster Dringlichkeit, Hinweisschilder warnen an den Sondergebieten daher weiterhin vor dem Betreten der Brutbereiche.

Heribert Zintl, Lenggrieser Vorstandsmitglied des Landesbunds für Vogelschutz im Landkreis, sieht den Brutbestand der seltenen Isarbewohner noch nicht in trockenen Tüchern: „Der Flussregenpfeifer brütet noch bis Ende Juli an den Kiesbetten der Isar. Weibchen können dabei gleich zwei mal zur Brut kommen – gerne auch mit verschiedenen Partnern.“

Achim Rücker freut sich über das einsichtige und respektvolle Verhalten fast aller, die in die Nähe der Flussregenpfeifer kommen. Hier sei es in diesem Jahr noch nicht zu Problemen gekommen. Trotzdem bleibt die Aufzucht des Vogelnachwuchses oft nicht ungestört: „Kritisch sind vor allem die Schlauchbootfahrten. Aber auch mit Hunden kann es gefährlich werden, wenn der Halter beim Spiel mit dem Tier etwa Stöcke auf die Kiesinseln wirft.“ Durch ungebetene Gäste können die Vögel verscheucht werden, was oft zum Tod der Brut führt. Und auch wenn die Küken schon geschlüpft sind, so vergehen noch Wochen, bis diese flügge sind. 

  Markus Henseler

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