Finanzwesen

Negativzins: Kämmerer müssen jonglieren können

Bad Tölz-Wolfratshausen - Geld hin- und herschieben: Das gehört für die Kämmerer der Gemeinden inzwischen zum Tagesgeschäft. Grund dafür ist der Negativzins. 

Freigrenze, Kündigungsgeld und Verwahrentgelt: Mit diesen Begriffen haben die Banken und Kommunen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen neuerdings täglich zu tun.Dahinter steckt der Negativzins, durch den die Banken dafür bezahlen müssen, wenn sie Geld bei der Europäischen Zentralbank deponieren. Aktuell sind das -0,4 Prozent.

Die Konsequenz: Die Banken verlangen diesen Betrag von den Kommunen, wenn das Guthaben auf ihrem Girokonto eine gewisse Freigrenze übersteigt. Das heißt dann allerdings nicht Negativzins, sondern Verwahrentgelt (siehe Kasten).

Kreiskämmerer Ralf Zimmermann konnte das bisher umgehen. Da es nur die Girokonten betrifft, rettet er den Landkreis, indem er den Freibetrag ausschöpft und den Rest als Termingeld anlegt. „Das erfordert ein stärkeres Liquiditätsmanagement“, sagt er. Der Kreiskämmerer müsse genau planen, wann welche Maßnahmen bezahlt werden müssen.

Alles lässt sich allerdings nicht planen, zum Beispiel der Waldbrand am Jochberg. „Das hatten wir vor ein, zwei Monaten natürlich nicht auf dem Schirm“, sagt Zimmermann. In einen finanziellen Engpass ist der Landkreis aber trotzdem nicht geraten. „Wir haben das Termingeld von Haus aus in festen Tranchen angelegt, sodass jeden Monat etwas fällig wird.“

Vorausschauend planen muss auch die Gemeinde Wackersberg, damit sie kein Verwahrentgelt bezahlen muss. „Es ist mehr Arbeit als früher“, sagt Kämmerer Jan Gözhold. Schließlich sei die Gemeinde nicht ganz finanzschwach. Aktuell komme der Kämmerer gut hin – auch, weil vor ein paar Jahren gute Entscheidungen getroffen worden seien. „Einiges ist profitabel geparkt. Wenn die Festgelder auslaufen, könnte es allerdings anders aussehen“, fürchtet Gözhold und hofft, dass sich die Lage bis dahin ändert. „Die Zeit mit drei oder vier Prozent Zinsen hat uns natürlich besser gefallen.“

Ein Problem, das für die Kommunen hinzukommt ist, dass viele Anlagemöglichkeiten für sie ausscheiden. „Wir müssen mittelsichere Einlagen tätigen. Anlagen mit Marktrisiko, Aktien oder Gold etwa, dürfen wir nicht tätigen“, erklärt Zimmermann. Damit gebe es kaum Möglichkeiten, Geld profitabel anzulegen. Der Kreiskämmerer hofft, dass Geldmarktfonds für Kommunen zugelassen werden. „Das ist rechtlich aber noch nicht geklärt.“

Gaißach steht noch am Anfang der Planung. „Wir stehen gerade in Verhandlung mit den betroffenen Banken“, sagt Maria Osterhuber, die die Kämmerei der Gemeinde leitet. Sie gehe aber davon aus, dass das geregelt werden könne.

Rubriklistenbild: © dpa

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