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Mundschutz, Plexiglasscheiben, Desinfektionsmittel: Das gehört heute zum Corona-Alltag in Hotels dazu. 

Tourismusbranche

Der neue Alltag im Hotel: „Die Gäste sind genügsamer“

  • Christiane Mühlbauer
    vonChristiane Mühlbauer
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Seit Pfingsten sind Hotels wieder geöffnet. Die Anfragen der Urlaubsgäste sind jedoch fast überall noch zurückhaltend, berichten die Vermieter im Tölzer Land. 

Bad Tölz-WolfratshausenSommerzeit ist Urlaubszeit - doch heuer sieht alles anders aus. „Es ist eine große Durststrecke“, sagt Stefan Reßl vom frisch renovierten Hotel Friedenseiche in Benediktbeuern. Bei den meisten Hoteliers gehen die Buchungen schleppend ein. Kaum jemand kann abschätzen, wie sich die kommenden Monaten entwickeln werden. „Auch Tagungen, Seminare, Hochzeiten und Familienfeiern aller Art, die für das Geschäft wichtig sind, fallen weg“, sagt Christoph Seitz, Chef des Arabella-Brauneck-Hotels in Lenggries.

Veronika Schalch-Seybold vom Gästehaus „Zum Jäger“ in Lenggries hat in den vergangenen Wochen alle Stammgäste angeschrieben und sie über die Vorkehrungen zur Wiedereröffnung informiert. Sie ist recht zufrieden, wie es wieder angelaufen ist. Morgens sitzen die Gäste in drei Frühstücksräumen verteilt und werden am Tisch bedient. „Das habe ich immer schon so gemacht, und das kommt mir jetzt zugute“, sagt sie. Im Haus müssen die Gäste eine Maske tragen, und in jedem Zimmer gibt es Desinfektionsmittel, Handschuhe und Mundschutz, „falls jemand was vergessen hat“, sagt die Vermieterin. Die Gäste gingen rücksichtsvoll miteinander um, die Stimmung sei gut. „Eigentlich sind alle froh, dass sie überhaupt reisen können“, hat Schalch-Seybold festgestellt. Für sie selbst bedeuten die Hygienevorschriften einen beträchtlichen Mehraufwand beim Putzen. „Das dauert jetzt wesentlich länger. Man muss an jede Türklinke denken.“

Auch Familie Bichler vom „Benediktenhof“ in Arzbach freut sich über einen guten Start, den Klaus Bichler sogar als „hervorragend“ bezeichnet: „Die Leute haben gebucht wie verrückt.“ Bei Sandra Fritz vom „Hotel am Wald“ in Tölz ist das Geschäft in den Pfingstwochen noch schleppend, „aber ab Ende Juni sind wir sehr gut gebucht“. Zwei Dinge sind ihr aufgefallen: Zum einen kommen viele Anfragen von Fahrrad-Touristen. Zum anderen gebe es Urlauber, die schon jetzt ein bis zwei Wochen Sommerurlaub reservieren. „Diesen Trend hatten wir in den letzten Jahren gar nicht mehr.“

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In den Hotels wurden zahlreiche Vorkehrungen getroffen. Im „Hotel am Wald“ wird das Frühstück am Tisch serviert, die Mitarbeiter tragen Masken. Im Tölzer „Posthotel Kolberbräu“ wird das Frühstücksbuffet nun im Saal aufgestellt. Die Mitarbeiter reichen den Gästen Frischware wie Wurst und Käse. Marmelade und Honig gibt es abgepackt, berichtet Sabine Montag. „Die Gäste sind genügsam und gehen sehr vernünftig mit der Situation um“, hat Montag festgestellt. In der „Friedenseiche“ in Benediktbeuern bestellen Hotelgäste ihr Essen per App und werden dann am Tisch bedient.

Die Tourist-Informationen (TI) in Kochel, Tölz, Lenggries und Benediktbeuern sind derzeit auch damit beschäftigt, Anfragen zu beantworten, welche Einrichtungen schon geöffnet haben und welche nicht, berichten die Leiter unisono. Die durchschnittliche Hotelbelegung in Kochel liege bei 70 Prozent, sagt Daniel Weickel. Generell sei die Auslastung besser als erwartet, sie variiere jedoch stark. In Benediktbeuern werden viele Anfragen zur Reservierung auf dem Wohnmobilstellplatz verzeichnet, diese ist jedoch nicht möglich. „Wir stellen fest, dass die Leute ihre Routen vorher genau planen“, sagt Sabine Rauscher.

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Die Angebote für Gäste laufen überall wieder an. Beim „Natursommer Loisachtal“ wird in Kleingruppen geführt, in Lenggries gibt es wieder geführte Wanderungen mit wenigen Teilnehmern. „Man sieht jetzt auch, was es bedeutet, wenn der Tourismus mal nicht da ist“, sagt die Lenggrieser TI-Chefin Ursula Dinter-Adolf und meint damit Auswirkungen auf Handel, Handwerker, Dienstleister und andere Arbeitsplätze. „Viele Leute wollen sich jetzt entweder lieber selbst versorgen oder ein Hotel, in dem sie abends auch Essen bekommen“, berichtet Susanne Frey-Allgaier. Die stellvertretende Tölzer Kurdirektorin hat generell festgestellt, dass „die Leute zufrieden sind. Es wird nicht mehr so schnell gemeckert. Das hätte ich mir anders vorgestellt.“

Christoph Seitz vom Arabella-Brauneck-Hotel in Lenggries rechnet in Kürze mit mehr Urlaubern aus Dänemark, da diese laut dortigem Regierungsbeschluss derzeit nur nach Norwegen, Island oder Deutschland reisen dürften, also nicht nach Italien und Österreich. „Dieses Kundensegment haben wir für Juli und August stärker im Fokus.“

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