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150 Plätze bietet die Unterkunft an der Tölzer Realschule. Anfang September wird geklärt, ob die Regierung von Oberbayern die neue Unterkunft betreiben wird. 

Neue Asyl-Zuweisungen an den Landkreis

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Bad Tölz - Monatelang gab es für den Landkreis keine Zuweisungen von Asylbewerbern mehr. Das hat sich nun geändert: Bis zu zehn Flüchtlinge pro Woche muss Kreis-Sozialamtsleiter Thomas Bigl derzeit unterbringen. Die eigentliche Schwierigkeit, so Bigl, sei aber, dass keiner eine Prognose wagt, wie es im Herbst weitergeht.

Dass in den vergangenen Monaten überhaupt keine neuen Asylbewerber in den Landkreis kamen, sei ohnehin nicht ganz richtig, sagt Bigl. „Eigentlich hat es nie ganz aufgehört. Die Leute kamen aber eher tröpfchenweise“ – auch aus Unterkünften in anderen Landkreisen. „Wir hatten einige Familienzusammenführungen“, so Bigl. Dass der Landkreis nun bis zu zehn Menschen – in Spitzenzeiten waren es 57 – pro Woche aufnimmt, geschieht übrigens mehr oder weniger auf freiwilliger Basis. Denn eigentlich erfüllt der Landkreis seine Quote. Aber erstens „haben wir die Kapazitäten“, und zweitens habe es auch Zeiten gegeben, in denen der Landreis wegen fehlender Plätze die Quote nicht erfüllt habe. „Und da sind dann andere Kreise eingesprungen. Ich finde es nur redlich, dass wir das jetzt tun.“

Mit der Entscheidung, jetzt Menschen aufzunehmen, baut Bigl aber auch vor. Lieber jetzt nach und nach geordnet eine kleine Anzahl von Asylbewerbern unterbringen, als später wieder für dutzende Menschen gleichzeitig ein Obdach finden müssen. „Ich hoffe, dass es, wenn es wieder schlimmer wird, uns dann nicht ganz so hart trifft.“ Mit Sorge blicken er und sein Team auf die Zeit des Oktoberfests. „Aus der Erfahrung der letzten Jahre ist das die schlimmste Zeit, in der die meisten hier ankommen.“ Zudem geht Bigl davon aus, dass sich die Verteilquoten in Bayern demnächst ändern – angepasst an die Bevölkerungsentwicklung. Nimmt Oberbayern derzeit 33,9 Prozent der Flüchtlinge in Bayern auf, würden es nach der Änderung 35,6 Prozent sein. „Wir sind auch ein wachsender Landkreis“, sagt Bigl. Statt 2,8 müsste Bad Tölz-Wolfratshausen dann 3,2 Prozent aufnehmen.

Die große Politik hilft Bigl bei einer vorausschauenden Planung nicht weiter. Nach wie vor gibt es keinerlei Prognosen, wie sich die Zahlen entwickeln werden. „Wir beginnen demnächst damit, den Haushalt für 2017 aufzustellen, wissen aber nicht so recht, was wir reinschreiben sollen.“ Das Problem ist nicht neu. Vor einem Jahr ging der Landkreis davon aus, dass bis Ende 2016 rund 5000 Flüchtlinge zwischen Icking und der Jachenau leben. Tatsächlich sind es momentan 1859. Tendenz: stagnierend.

Dennoch geht den 30 Mitarbeitern, die im Sozialamt für den Bereich Asyl zuständig sind, die Arbeit nicht aus. Der Kreis verwaltet nach wie vor 180 größere und kleinere Liegenschaften. Wobei es der (momentane) Kurs der Regierung von Oberbayern ist, die kleineren, dezentralen Unterkünfte aufzulösen und die Flüchtlinge in größeren Einheiten unterzubringen – zu Lasten der mühsam vereinbarten Gemeindequote. Denn die großen Unterkünfte stehen nun einmal in den drei Städten, die dann wieder über Gebühr belastet werden. Zumal viele Bürgermeister in jedem neuen Asylbewerber schon einen potenziellen Obdachlosen sehen, sagt Bigl.

Und das ist das nächste nicht gelöste Problem: Momentan leben in den Unterkünften 337 Fehlbeleger. Deren Status ist geklärt, und eigentlich müssten sie ausziehen. Es gibt aber einfach zu wenig günstige Wohnungen. Theoretisch könnte der Landkreis sie an die Luft setzen, damit wären sie obdachlos und somit das Problem der jeweiligen Gemeinde. „Aber so war das Gesetz natürlich nie gedacht“, sagt Bigl.

Anfang September gibt es einen Gesprächstermin bei der Regierung von Oberbayern. Hier wird geklärt, ob sie die größeren Einheiten als Gemeinschaftsunterkünfte übernimmt und auch betreibt. Dabei geht es unter anderem um die Containeranlagen am Tölzer und am Geretsrieder Schulzentrum. Falls die Regierung einsteigt, „wäre es interessant, wo die Strategie des Freistaats hingeht“. Werden beispielsweise im Gegenzug Wohnungen und Häuser aufgegeben oder können diese auch in Wohnraum für anerkannte Flüchtlinge umgewandelt werden?

Unter den 1859 Asylbewerbern sind übrigens mehr als 620 Kinder und Jugendliche – viele davon im schulpflichtigen Alter. Deutlich mehr als die Hälfte lebt im südlichen Landkreis und muss auch dort zur Schule gehen. „Das wird eine weitere Herausforderung“, sagt Bigl. Mittlerweile sind alle Schularten angehalten, sogenannte Migrationsklassen einzurichten. Bigl: „Ob das von den Räumlichkeiten überall geht oder von den Lehrkräften her, ist fraglich.“

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