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Da war die Welt noch in Ordnung: Das Bild entstand im Februar und zeigt (v. li.) Tanja Hammerle, Ingrid Steinmüller und Conny Rix. Jetzt muss das Schenkräumchen aus der Klammergasse ausziehen.

Gratisladen muss ausziehen

Neue Bleibe fürs Schenkräumchen gesucht

Das Tölzer Schenkräumchen muss ausziehen: Dem Laden in der Klammergasse wurde vom Vermieter bis Ende November gekündigt. „Im Moment haben wir keine Alternative“, sagt Initiatorin Tanja Hammerle.

Bad Tölz – Seit knapp zwei Jahren ist das Schenkräumchen an der Klammergasse untergebracht. Dort können Menschen alles abgeben, was sie selbst nicht mehr brauchen. Mitnehmen darf dann jeder die Waren kostenlos. Grund für die Kündigung sei, dass es in der schmalen Klammergasse wegen des starken Andrangs oft zu laut zugeht. Die Leute stehen Schlange und versperren so den Weg zu den umliegenden Läden. 

Es habe Klagen über Geschäftseinbußen gegeben, sagt Schenkräumchen-Initiatorin Tanja Hammerle. Und es gab Klagen darüber, dass Kunden Angst vor den Ausländern hätten, die sich in der Gasse aufhalten und deshalb nicht mehr kommen würden. „Es stimmt, wir haben anfangs einige Probleme mit den Asylbewerbern gehabt“, räumt Mitarbeiterin Ingrid Steinmüller ein. Es waren oft viel zu viele Menschen, die in den etwa 60 Quadratmeter großen Laden drängten. Manchmal sei es turbulent zugegangen. „Das hat die einheimischen Kunden oder auch ältere Herrschaften oder Menschen mit Handicap abgehalten, zu uns zu kommen.“ Doch man habe an einem der drei offenen Tage – geöffnet ist jeweils zwei bis drei Stunden – eine Ausgabe nur für Einheimische eingerichtet, die gut angenommen wurde. Außerdem suchten die ehrenamtlichen Mitarbeiter immer wieder das Gespräch mit den Asylbewerbern und machte ihnen klar, „dass das hier kein lautstarker Basar ist“. Flyer auf Deutsch, Englisch und Arabisch wurden verteilt, auf denen angemahnt wurde, Rücksicht zu nehmen. „Wir haben alles getan, um den Beschwerden entgegenzuwirken“, sagt Steinmüller.

Treffpunkt, um soziale Kontakte zu knüpfen

Und es sei tatsächlich viel besser geworden in letzter Zeit. Auch, weil die Menschen das „Schenkräumchen“ nicht nur als kostenlosen Einkaufsladen sehen, sondern dort auch soziale Kontakte knüpfen, sich austauschen, die eine oder andere Deutschlektion erhalten und sich ab und zu einfach ein bisschen weniger einsam fühlen. „Wir sind viel mehr als nur ein Schenkladen“, sind Hammerle und Steinmüller überzeugt.

Das Schenkräumchen wird außergewöhnlich gut angenommen. Jede Woche kommen rund 30 neue Kartons mit Ware in den Laden. Davon, dass man dort gratis Dinge mitnehmen kann, profitieren zum Beispiel Alleinerziehende, oder auch ältere Menschen, bei denen die Rente knapp ist.

Doch an der Kündigung ist nicht zu rütteln. Bis Ende November muss der Laden geräumt sein. Jetzt ist es oberste Priorität, einen neuen Raum zu finden. Dass sie von offizieller Seite – sprich der Stadt – Hilfe bekommt, bezweifelt Hammerle. Das weiß sie schon von der ersten Unterkunftssuche. „Keine offizielle Stelle hatte Interesse daran.“ Einzig der evangelische Dekan Martin Steinbach ist rührig. Er hat die Schirmherrschaft übernommen, kümmert sich um das Spendenkonto und hilft, wo er kann.

Das neue Objekt sollte möglichst zentral liegen, mindestens 60 Quadratmeter haben sowie Heizung und Toilette. Gute Erreichbarkeit mit dem Auto wäre wichtig. Durch Spenden kann man rund 300 Euro Miete pro Monat bezahlen.

Angebote

Wer einen Raum zu vermieten hat, kann unter 0 80 41/79 60 71 Kontakt zu Tanja Hammerle und Ingrid Steinmüller aufnehmen. Weitere Infos und eine Liste der Sponsoren gibt es unter der Mailadresse brotzeit81@gmx.de.

Ines Gokus

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