Tamas Demeter aus Lenggries verkauft an seinem Stand ungarisches Schmalzgebäck.
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Tamas Demeter aus Lenggries verkauft an seinem Stand ungarisches Schmalzgebäck.

Marktstraße

Neue Corona-Regeln: Aus für Mini-Christkindlmarkt in Bad Tölz

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Die fünf Gastronomie-Stände in der Marktstraße, die in Bad Tölz einen kleinen Ersatz für den abgesagten Christkindlmarkt bildeten, müssen am Mittwoch schließen.

  • Bratwurst, Glühwein, Crepes und andere Schmankerl gibt es seit dem ersten Adventswochenende in fünf Gastromonieständen in der Tölzer Marktstraße zu kaufen - damit nach der Christkindlmarkt-Absage wenigstens ein bisschen weihnachtliches Flair aufkommt.
  • Als Reaktion auf den Kabinettbeschluss über strengere Corona-Regeln hat die Stadt Bad Tölz beschlossen, die Stände am Mittwoch wieder zu schließen und abzubauen.
  • Die Stände hatten sich großer Beliebtheit erfreut, doch einige Bürger waren auch besorgt, weil sich dort immer wieder Menschentrauben bildeten.

Bad Tölz - Fünf Buden, an denen Speisen und Getränke verkauft werden, bringen seit zehn Tagen zumindest einen Hauch von Christkindlmarkt-Gefühl in die Tölzer Marktstraße. Doch auch das ist ein vorübergehendes Vergnügen: Wie die Stadt Bad Tölz am Montag mitteilte, müssen die Stände am Mittwoch wieder schließen. Damit reagiert das Rathaus auf den Kabinettsbeschluss über strengere Corona-Regeln.

Die Bedingungen hätten sich geändert, erklärt Bürgermeister Ingo Mehner in einer Pressemitteilung. „Die strengeren Ausgangsbeschränkungen stehen unter der Überschrift ,Daheim bleiben, Kontakte reduzieren, Kontakte vermeiden‘. Vor diesem Hintergrund halten wir die Fortführung des kulinarischen Angebots nicht für angemessen.“

Mini-Christkindlmarkt in Bad Tölz löste bei den Bürgern gemischte Gefühle aus

An den fünf Ständen werden seit dem ersten Advents-Wochenende unter anderem Bratwurst, Flammlachs, Crêpes und Glühwein zum Mitnehmen verkauft. Den Glühwein im Freien zu trinken, ist nach den neuen Regeln im Freistaat ab Mittwoch verboten. Doch auch vorher schon hatte der „Mini-Christkindlmarkt“ bei den Bürgern gemischte Gefühle ausgelöst. Viele Menschen waren ausgesprochen dankbar, wenigstens das reduzierte Angebot vorzufinden. Auch Mehner erklärt: „Wir freuen uns, dass es uns gelungen ist, mit diesen Verkaufsständen unseren Bürgerinnen und Bürgern in der Marktstraße auch im Corona-Advent ein Stück weit Normalität und ein wenig weihnachtliche Stimmung zu vermitteln.“

Doch es gab auch einige besorgte Stimmen wie die von Kurier-Leser Josef Schießl. Die Stadt habe versprochen, dass beim Mini-Christkindlmarkt alle Corona-Regeln eingehalten würden, schreibt er an die Redaktion. In der Praxis aber laufe es ab dem späten Nachmittag so ab, dass sich die Leute „ihr Getränk holen und anschließend in kleineren und größeren Gruppen (natürlich ohne Maske) ratschend zusammenstehen“, so Schießl. Sein Kommentar: „Toll, das Virus freut sich!“

„Strengere Kontrollen wären die Konsequenz gewesen“

Der Tölzer Polizeichef Johannes Kufner bestätigt, dass auch in der Inspektion derartige Beschwerden eingegangen seien. „Wir konnten vor Ort aber keine Feststellungen machen. Wenn wir kamen, war alles in Ordnung.“ Bei der Anfrage des Tölzer Kurier am Montagvormittag erklärte Kufner noch: „Wir werden uns mit der Stadt ins Vernehmen setzen und beraten, wie man damit umgeht.“ Das hatte sich jedoch alsbald erledigt. Denn zeitgleich lief im Rathaus bereits die Besprechung, bei der der Abbruch des Budenzaubers beschlossen wurde.

Auch Mehner stellt in seiner Mitteilung fest, dass dankenswerterweise zwar viele Besucher das „To-go-Angebot“, also den Verkauf von Speisen und Getränken zum Mitnehmen, „verantwortungsvoll genutzt haben“. Aber: „Leider gab es auch andere, die sich nicht an die Regeln gehalten haben. Strengere Kontrollen wären definitiv die Konsequenz gewesen. Die sind nun obsolet.“

So reagieren die Standbetreiber

Recht gefasst haben am Montag die Betreiber der Gastronomiestände auf den vorzeitigen Abbruch des Mini-Christkindlmarkts reagiert. Sie hatten ein solches Szenario einkalkuliert.

Tamas Demeter aus Lenggries, verkauft an seinem Stand das ungarische Schmalzgebäck „Langos“: „Aus unternehmerischer Sicht ist das natürlich Wahnsinn. Finanziell trifft uns das hart. Aber als Unternehmer trägt man immer ein Risiko – und mit Corona war dieses Risiko von Anfang an noch größer. Für die Menschen insgesamt ist das jetzt seelisch und geistig ein Rückschlag. Wir waren mit unseren Ständen auch dafür da, ein bisschen die Stimmung hochzuhalten. Es ist schade drum. Aber ich bin glücklich, dass ich überhaupt ein paar Tage hier mitmachen durfte.“

Ute Wagner, „Click“: „Wusste, dass jeder Tag der letzte sein kann.“

Ute Wagner aus Bad Tölz, „Click“-Wirtin: „Ich stamme aus Köln, und da sagt man: ,Et kütt, wie et kütt!‘ Unter den jetzigen Vorzeichen ist eine Fortführung der Stände nicht mehr machbar, das war mir schon am Sonntagnachmittag klar, als ich Söders Erklärung gehört habe. Da kann jetzt keiner was dafür. Ich hatte schon von Anfang an die Waren immer nur knapp bestellt, weil ich wusste, dass jeder Tag der letzte sein kann. Wir haben uns trotzdem gefreut, dabei zu sein, es hat uns großen Spaß gemacht, und wir sind sehr dankbar dafür. Die meisten Kunden haben sich auch an alle Regeln gehalten. Jetzt hoffe ich, dass nächstes Jahre wieder alles gut ist und wir wieder dabei sein können – und vor allem, dass wir alle gesund bleiben.“

Chamaida Agtsch-Pichler aus München, Flammlachs-Stand: „Natürlich sind wir traurig, dass wir schließen müssen – aber ärgerlich ganz bestimmt nicht. Das ist eben die allgemeine Situation. Wir sind sehr, sehr dankbar, dass es die Stadt Bad Tölz versucht hat und die Courage hatte, das durchzuziehen. Hut ab! Vom Geschäftlichen her war das natürlich kein Christkindlmarkt, aber alles in allem wurde das Angebot schon gut angenommen. Uns hat es wahnsinnig gefreut, dass es überhaupt diese Möglichkeit gab.“

Franz Erhart, „Sportstüberl“: „Söders Entscheidung ist richtig.“ FOTOS: ARNDT PRÖHL

Franz Erhart aus Bad Tölz, „Sportstüberl“: „Ich kann nur sagen: Danke, dass wir da sein durften. Die Kunden an unserem Stand waren alle sehr freundlich, haben sich gefreut und bedankt, dass wir ein kleines Stückchen Normalität aufrecht erhalten haben. Und mit dem Geschäft waren wir auch zufrieden. Ich persönlich bin der Meinung, dass Söder die richtige Entscheidung getroffen hat, damit wir die Pandemie besser in den Griff bekommen – sonst zieht sich das alles ewig hin.“

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