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Neue „Kümmerer“ gesucht: Tölzer VdK-Vorstand hört komplett auf

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Von: Andreas Steppan

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VdK-Arbeit vor Ort: Im Frühjahr stiftete der Sozialverband – hier Ortsvorsitzende Hertha Pecha (re.) und Kassierin Renate Schimmer – Süßigkeiten als Geschenk für Mitarbeitende in Tölzer Pflegeheimen. In der Mitte Richard Stoll (Pater-Rupert-Mayer-Heim).
VdK-Arbeit vor Ort: Im Frühjahr stiftete der Sozialverband – hier Ortsvorsitzende Hertha Pecha (re.) und Kassierin Renate Schinner – Süßigkeiten als Geschenk für Mitarbeitende in Tölzer Pflegeheimen. In der Mitte Richard Stoll (Pater-Rupert-Mayer-Heim). © Archiv

Der mitgliederstärkste VdK-Ortsverband im Landkreis, nämlich der in Bad Tölz, steht ohne Vorstand da. Das Team tritt aus Alters- und Gesundheitsgründen zurück. Die Arbeit kann nur fortgeführt werden, wenn sich neue Freiwillige finden.

Bad Tölz-Wolfratshausen– Der Sozialverband VdK erfüllt mehrere wichtige gesellschaftliche Funktionen: überregional als hörbare Stimme in der Sozialpolitik, vor Ort durch fachliche Beratung, zum Beispiel in Rentenfragen, in seiner Geschäftsstelle – und nicht zuletzt als Begegnungsmöglichkeit von Mensch zu Mensch in der ehrenamtlichen Vereinsarbeit. Der mitgliederstärkste VdK-Ortsverband im Landkreis, nämlich der in Bad Tölz, steht nun allerdings ohne Vorstand da. Seine Arbeit kann nur fortgeführt werden, wenn sich neue Freiwillige finden.

Hertha Pecha war viele Jahre sehr aktiv

Lange Zeit war Hertha Pecha vor Ort das Gesicht des VdK-Ortsverbands. 17 Jahre lang war sie Vorsitzende und füllte ihr Amt mit viel Herzblut aus, als Teil eines achtköpfigen Vorstandsteams. Doch wie sie berichtet, gab es im Vorstand zuletzt einen Todesfall zu beklagen, ein weiteres Mitglied musste wegen familiärer Umstände ausscheiden. Und aus gesundheitlichen Gründen sieht sich nun auch Hertha Pecha selbst gezwungen, kürzerzutreten.

Die verbliebenen Vorstandsmitglieder hätten sich nun auch nicht mehr in der Lage gesehen, die entstehenden Lücken durch Mehrarbeit zu schließen. Abgesehen von der Jüngsten, der 59-jährigen Schriftführerin, „sind alle im Alter zwischen 70 und 86“, berichtet Hertha Pecha, die selbst 74 ist. Letztlich habe das gesamte eingespielte Vorstandsteam beschlossen, gemeinsam aufzuhören.

„Habe die Arbeit immer gerne gemacht“

„Es tut uns allen weh“, betont Pecha. Die Mitglieder seien brieflich über den Schritt informiert worden. Die Resonanz sei Bedauern, aber auch viel Verständnis für diese Entscheidung aus Gesundheits- und Altersgründen. Sie selbst habe die Arbeit als Vorsitzende immer „sehr gern gemacht“, sagt die Tölzerin. Der VdK-Ortsverband organisiert Reisen, Tagesfahrten, Stammtische, Weihnachtsfahrten, auch mal einen gemeinsamen Besuch im Kino oder Marionettentheater. Pecha besuchte zudem auch die Weihnachtsfeiern anderer VdK-Ortsverbände im Landkreis – als Kreisvorsitzende, die sie zeitweise war, aber auch als „Vorlese-Tante“, wie sie mit einem Lachen sagt. „Das ist mein Hobby.“

Zu den Aufgaben gehören aber auch „viele Sachen, die man nicht sieht, aber die getan werden müssen“, sagt Hertha Pecha. Dazu gehöre es, auch einmal den Gemeinden „auf die Finger zu klopfen“, damit sie zum Beispiel das Thema Barrierefreiheit vorantreiben. Zudem habe der VdK-Ortsverband jedes Mitglied „zu runden oder halbrunden Geburtstagen“ angeschrieben, wie Hertha Pecha berichtet. Für sie war es Ehrensache, keine Standardfloskeln zu verschicken, sondern für jeden persönliche Worte zu finden, gerne auch mal ein kleines Gedicht. Bei rund 1600 Mitgliedern im Ortsverband, zu dem auch Ellbach und Reichersbeuern gehören, läpperte sich das.

Corona hat die Arbeit erschwert

Insgesamt sieht Pecha den Ortsverband aber als „Kümmerer“. Bei den sozialen Aktivitäten mit den Mitgliedern bekomme man am Rande schon mal mit, „wenn jemand sich keine neue Waschmaschine leisten oder die Miete nicht mehr bezahlen kann“ – Probleme, bei denen viele auf offiziellem Wege eher nicht um Hilfe bitten würden. Der VdK versuche dann, auf kurzem Weg zu helfen. Im ungezwungenen Beisammensein falle auch zu mancher bürokratischen Alltagsangelegenheit schon mal der Satz „Du, ich muss dich mal was fragen“. Dann hat Hertha Pecha entweder selbst einen Tipp parat oder kann auf die sozialrechtliche Beratung durch die Geschäftsstelle verweisen.

Ehrenamtliche des VdK würden auch regelmäßig bei Mitgliedern anrufen und nachfragen, wie es geht, oder auf Wunsch Besuche in Pflegeheimen machen. Gerade in dieser Hinsicht habe aber Corona die Arbeit zuletzt sehr erschwert. „Wenn man dann draußen im Freien steht und ein Gespräch über den Gartenzaun führt, ist das schon mühsam“, sagt Hertha Pecha. Die 74-Jährige ist zuversichtlich, dass die Arbeit des VdK-Ortsverbands bald unter neuer Führung weitergehen kann. Ihren Nachfolgern verspricht sie, dass es viel Unterstützung vom Kreisverband und der Kreisgeschäftsstelle geben werde. Was man für das Amt mitbringen und anderen Menschen zu geben bereit sein müsse, sei vor allem eines: Zeit.

Interessierte für eine Mitarbeit im Vorstand des VdK-Ortsverbands können sich bei der Kreisgeschäftsstelle unter Telefon 0 80 41/76 12 53 melden oder per E-Mail an kv-badtoelz@vdk.de.

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