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Helfen, wo sie können: Die ausgebildeten Familienpaten Richard Marschner und Antje Buschmann (vorne re.) mit ihren Koordinatoren (hinten v. re.) Angela Dautenhahn für Geretsried und Kathi Koch für Wolfratshausen sowie Sozialpädagogin Diana Eichmüller von der Fachstelle für Familienförderung im Tölzer Landratsamt. Die Paten gehen für maximal zwei Stunden pro Woche in eine Familie.

Landratsamt

Neue Paten für Familien gesucht

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Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Wartelisten sind lang, die Dringlichkeit oft hoch: Obwohl es im Landkreis aktuell bereits 76 aktive Familienpaten gibt, werden händeringend noch mehr Ehrenamtliche gesucht, die Eltern im Alltag unter die Arme greifen. Davon profitieren nicht nur die Familien, sondern auch die Paten selbst.

Das findet zumindest Antje Buschmann, die derzeit in Geretsried ein Ehepaar mit zwei Kleinkindern unterstützt. „Der Vater ist Arzt und oft auf Kongressen“, erzählt Buschmann. Wenn eines der Kinder krank ist und das andere zum Sport gefahren werden muss, wird es für die Mutter oft eng, weil die Großeltern nicht vor Ort sind. „Dann springe ich ein“, sagt Buschmann. „Ich bin selbst Mama und weiß, wie schwierig es manchmal sein kann.“ Weil ihre Kinder inzwischen erwachsen sind, entschied sich Buschmann für eine Ausbildung zur Familienpatin. Bereut hat sie diesen Schritt nicht, im Gegenteil: „Es ist ein schönes Gefühl, wieder gebraucht zu werden.“

Das Beispiel zeigt, dass sich das Angebot nicht nur an „Problem-Familien“ richtet, sagt Diana Eichmüller von der Fachstelle für Familienförderung im Tölzer Landratsamt. „Es geht einfach um die Hand, die oft zu wenig ist.“ Entsprechend vielfältig sind die Aufgaben, die die Familienpaten übernehmen: Vom Abholen aus Schule oder Kindergarten über Hausaufgaben-Betreuung bis hin zu Ausflügen ist alles möglich, sofern es vorher besprochen und schriftlich vereinbart worden ist.

Das Schöne dabei: Alle Paten können ihre spezifischen Kompetenzen einbringen. Richard Marschner zum Beispiel versteht sich auf Behördengänge, weshalb er seine Patenfamilie in Wolfratshausen vor allem in diesem Bereich unterstützt. „Eigentlich macht die Frau aber alles alleine“, sagt Marschner mit Blick auf seine Patin, eine alleinerziehende Zweifach-Mama. „Ich stärke ihr lediglich den Rücken.“

Laut Kathi Koch spricht Marschner damit ein wesentliches Ziel des Paten-Modells an: „Es geht um Hilfe zur Selbsthilfe“, betont die Koordinatorin für Wolfratshausen. Deshalb dauert eine Patenschaft in der Regel auch nicht länger als ein Jahr: Im Idealfall ist die Familie danach in der Lage, ihren Alltag wieder ohne fremde Hilfe zu organisieren. Beispiel: Das Kind hat innerhalb dieses Zeitraums einen Hortplatz bekommen.

Im Gegensatz zu anderen Landkreisen wie Weilheim-Schongau gibt es mit Koch nicht nur eine Paten-Koordinatorin für die gesamte Region, sondern gleich vier Stück. Neben Wolfratshausen sitzen sie in Bad Tölz, Bichl und Geretsried. Vor allem in Geretsried hat die zuständige Fachfrau viel zu tun: „Wir haben die längste Warteliste“, sagt Angela Dautenhahn, die auf möglichst viele neue Paten hofft, wenn im Mai der nächste Kurs startet.

Besondere Kenntnisse müssen die Ehrenamtlichen laut Dautenhahns Kollegin Kathi Koch nicht mitbringen: „Sie müssen Zeit zu verschenken haben, Lust, mit Menschen zusammenzusein und mit beiden Beinen im Leben stehen.“ Eine wichtige Voraussetzung sei auch die Bereitschaft, an regelmäßigen Treffen teilzunehmen, bei denen sich die Ehrenamtlichen mit ihren Koordinatoren austauschen.

Über 100 Männer und Frauen haben in den vergangenen vier Jahren an den kostenlosen Schulungen teilgenommen, die insgesamt 36 Stunden umfassen. „Damit sind wir der Standort in Bayern, der bisher die meisten Paten ausgebildet hat“, freut sich Sozialpädagogin Eichmüller, die das Angebot flächendeckend ausweiten möchte. „Ziel ist es, dass jede Familie einen Paten bekommen kann, egal wo sie wohnt“, so Eichmüller. Derzeit sind nur die größeren Städte abgedeckt, kleinere Gemeinden haben das Nachsehen.

Neben der Anzahl an Paten hält der Landkreis bayernweit aber noch einen zweiten Rekord: Nirgends sonst im Freistaat gibt es so viele männliche Paten wie hier. Das ist laut Eichmüller vor allem für die Söhne von alleinerziehenden Müttern eine gute Sache: „Für sie ist eine männliche Bezugsperson besonders wichtig.“

Termine und Anmeldung

Die zertifizierte und kostenlose Ausbildung zum Familienpaten beginnt am Donnerstag, 12. Mai, im Landratsamt. Es folgen vier weitere Donnerstagstermine, nämlich der 23. Juni, der 7. Juli, der 22. September sowie der 13. Oktober, jeweils von 16 bis 21 Uhr. Auch einen Samstag müssen sich Interessierte freihalten, nämlich den 8. Oktober, von 10 bis 19 Uhr. Anmeldungen nimmt bis Dienstag, 10. Mai, Diana Eichmüller unter Telefon 0 80 41/50 54 23 entgegen. Oder per Mail an: diana.eichmueller@lra-toelz.de.

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