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Neue Spielregeln: Wer auf der Isar im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen fahren will, muss sich an die neue Bootfahrverordnung halten.

Alkohollimit und vieles mehr

Strenge Regeln für Schlauchboot-Fahren auf der Isar - Kanuten wollen klagen

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Diesen Sommer wird es zum ersten Mal klare Regeln für das Bootfahren auf der Isar geben: Nachts und vor dem 1. Juni ist der Fluss tabu. Kinder tragen Schwimmwesten - und Alkohol ist verboten.

Update vom 17. April 2019, 19.42 Uhr: Der bayerische Kanu-Verband übt massive Kritik an der neuen Bootfahrverordnung für die Isar, die ab Freitag im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen gilt – und kündigt eine Klage dagegen an. Landrat Josef Niedermaier (FW) hatte am Mittwoch unter anderem eine Promillegrenze, Nachtruhezeiten und saisonale Fahrverbote angekündigt.

Vor allem diese Fahrverbote von Herbst beziehungsweise Winter (je nach Isarabschnitt) bis zum 1. Juni sorgen bei den Kanuten für Ärger. „Wir werden hier zum Teil für siebeneinhalb Monate ausgesperrt“, sagt Stefan Schmidt vom Bayerischen Kanu-Verband. „Das ist für uns eine Katastrophe.“ Aus Sicht des Verbands greift der Landkreis damit in unverhältnismäßiger Weise in das in der Verfassung verankerte Recht jedes Einzelnen auf Aufenthalt und Erholung in der freien Natur ein. „Es ist völlig unstrittig, dass sich an der Situation im Sommer an der Isar etwas ändern muss“, sagt Schmidt. „Aber die Verordnung wird an den sommerlichen Zuständen kaum etwas ändern.“ Viele der angekündigten Beschränkungen seien in der Praxis kaum zu kontrollieren.

Saisonale Fahrverbot treffen die Falschen

Zudem treffe gerade das saisonale Fahrverbot die Falschen. „Es gibt keine naturschutzfachliche Begründung dafür.“ Es liege zum Beispiel keine einzige Studie vor, die etwa Laichschäden bei Fischen durch den Kanu-Sport bestätigt. Störungen etwa des Vogelbrutbetriebs vom Ufer aus packe die Verordnung dagegen gar nicht erst an. „Da haben wir ganz andere Probleme als den Bootssport“, sagt Schmidt. Er kündigt deshalb an, was Landrat Niedermaier schon während der monatelangen Diskussion über eine neue Bootfahrverordnung befürchtete: „Wir werden klagen.“

Ganz anders bewertet Karl Probst vom Verein „Rettet die Isar jetzt“ die Ankündigung aus dem Landratsamt. „Wir freuen uns, dass es so gekommen ist. Es ist auch eine gewisse Genugtuung, weil wir das seit Langem gefordert haben“, sagt der Lenggrieser über die neue Verordnung. Zwar hätte sich der Verein auch noch schärfere Regeln wie etwa ein komplettes Befahrungsverbot der oberen Isar vorstellen können. Aber man wolle auch nicht zu kritisch sein. Die neuen Beschränkungen seien schon „ein Riesenfortschritt“.

Landrat bekommt Rückendeckung von den Bürgermeistern der Isargemeinden

Von den Bürgermeistern der Isargemeinden bekommt der Landrat ebenfalls Rückendeckung. Der Druck auf die Isar sei einfach zu groß geworden, deswegen habe man Regeln aufstellen müssen, sagt etwa der Lenggrieser Bürgermeister Werner Weindl. Auf anderen Flüssen sei die Nutzung schließlich längst reglementiert. „Deshalb ist die Isar auch immer mehr zum Ausweichfluss geworden.“ Im Landkreis Weilheim-Schongau gilt zum Beispiel seit rund 25 Jahren die sogenannte Ammer-Verordnung, mit der etwa Schlauchboote grundsätzlich verboten wurden und Fahrten im Kajak vom 1. Mai bis zum 15. Oktober begrenzt sind.

dg/va

Münchner sehen Verbote kritisch

18.00 Uhr: Nicht jedem gefallen die neuen Regelungen die jetzt an der Isar gelten. Wir haben mit mehreren Münchner geredet, wie sie zu den Verboten stehen.

Bierchen und grillen – das passt: „Ich sitze jeden Tag hier und grille mit Freunden. Sommer, Isar, Bierchen und Grillen – das gehört einfach zusammen. Klar, manche übertreiben es, machen riesige Lagerfeuer. Das sollte natürlich nicht sein. Die Promillegrenze finde ich okay, wobei 0,5 Promille schon ziemlich wenig sind. Aber am Ende ist jeder für sich selbst verantwortlich. Meine Flaschen bleiben hier nicht liegen. Die nimmt nachher der Pfandsammler mit. Der weiß ja schon, wo ich immer sitze“, erzählt Metin Kandil (53), Expedient aus München.

Zum Sommer gehört Musik: „München ist trotz allem Mietwahnsinn und Schickimicki doch auch eine Studenten-Stadt – wir sind Hunderttausende. Da ist es doch wohl in Ordnung, wenn die jungen Leute sich im Sommer an der Isar treffen und schöne Abende verbringen. Das macht die Stadt doch auch schöner. Dass man jetzt keine Musik mehr auf dem Schlauchboot hören darf, ist schon traurig. Man stört damit doch niemanden. Denn wer es ruhiger mag, findet doch immer ein Plätzchen“, sagt Sonja Gauder (20), Studentin aus München.

Zu viele Regeln sind nicht gut: „Klar, wir wollen, dass es hier ordentlich bleibt – wir wohnen ja selbst in der Nähe. Aber diese ganzen Regeln finden wir blöd. Lieber sollte man die Leute anregen, ihr eigenes Verhalten zu überdenken. Das wird vielen nämlich viel zu oft abgesprochen. Außerdem: Wenn etwas verboten ist, wird es gleich viel interessanter. Wir lassen uns den Sommer auf jeden Fall nicht vermiesen. Er ist ja kurz genug“, findet Eva Rohrer (47), Heilpraktikerin aus München.

Erstmeldung: Strenge Regeln für Schlauchboot-Fahren auf der Isar: Das ist ab jetzt alles verboten

Bad Tölz-Wolfratshausen – „Die Isar ist ein Lebensgefühl und die Lebensader im Landkreis“, sagte Landrat Josef Niedermaier am Dienstag bei der Vorstellung der Bootfahrverordnung. 

Das Problem: Der Druck auf den Wildfluss nimmt zu. „Alle zerren an der Isar, und das tut ihr richtig weh.“ Natürlich wolle man die Nutzung des Flusses nicht komplett verbieten, aber es werde Einschränkungen geben. „Ich hoffe auf das Verständnis der Nutzer, aber wir wollen die Isar so spannend erhalten, wie sie jetzt ist“, sagte der Landrat. 

Und dazu gehöre eben auch der Schutz von Fisch- und Vogelarten wie dem Huchen, der Äsche, dem Flussregenpfeifer und dem Flussuferläufer, wie Joachim Kaschek von der Unteren Naturschutzbehörde erläuterte.

Die neue Verordnung, die Abteilungsleiterin Carolin Singer vorstellte, regelt den Gemeingebrauch. „Das, was ich privat unternehmen möchte, das ist Gemeingebrauch“, erklärte sie. Die gewerblichen Anbieter sind aber nicht außen vor. Wer Boote verleihen oder Touren anbieten will, muss eine Genehmigung beantragen, ein Konzept vorlegen und Auflagen erfüllen, die sich aus der Verordnung ableiten. Neun Genehmigungen hat das Landratsamt bislang erteilt.

Freizeitkapitäne müssen künftig auf Glasflaschen an Bord verzichten, damit keine Scherben zurückbleiben. Angelehnt an den Straßenverkehr gilt eine 0,5-Promille-Grenze. Natürlich werde man die Isarranger nicht mit Alkotestgeräten ausstatten, sagte Niedermaier. Es sei eher eine Handhabe für Rettungskräfte, die immer wieder alkoholisierte Bootsfahrer aus brenzligen Situationen befreien müssen. „Und danach sagen die Ällalätsch, ich setz’ mich gleich wieder ins Boot.“ Das könne nun unterbunden werden. „Und es ist leichter, die Kosten für Rettungseinsätze umzulegen“, so Singer.

Bootfahren auf der Isar: Keine Bierkästen mehr in Beibooten

Das Anhängen von unbesetzten Beibooten ist künftig untersagt. „Der Kasten Bier kann also nicht mehr hinterhergezogen werden“, so Singer. Kinder bis zwölf Jahre und Nichtschwimmer müssen Schwimmwesten tragen, Lautsprecher sind verboten genauso wie das Herausspringen aus den Booten an Tiefwasserstellen. Genau dort würden sich große Huchen aufhalten, erklärte Kaschek. Das Hineinspringen setze den Fisch unter Stress. Er könnte verletzt werden und im Extremfall sterben.

Am umstrittensten waren in der Diskussion um die Verordnung die Zeiten, zu denen auf der Isar gefahren werden kann. In See stechen darf man nun zwischen 7 und 20.30 Uhr. „Mehrfach ist angeregt worden, dass man die Zeit von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang festlegt“, sagte Singer. Man habe das in Erwägung gezogen, dann aber verworfen – auch, um den Isarrangern, die das Einhalten der Regeln überwachen werden, nicht unnötig das Leben schwerzumachen. „Die können nicht auch noch darüber diskutieren, ob die Sonne schon untergegangen ist.“

Bootfahren auf der Isar: Längere Fahrzeiten - der Grund ist traurig

Die jahreszeitliche Regelung wird allerdings im Vergleich zum Entwurf gelockert. Ursprünglich sollte das Bootfahren vom 1. Juni bis 15. Oktober genehmigt werden. Es habe viele Beschwerden gegeben, dass die Wintermonate gesperrt seien, die oft der Ausbildung von Kanufahrern dienen, berichtete Singer. Zudem habe man festgestellt, dass die Bachforelle im Flussabschnitt zwischen Tölz und der Isarbrücke bei Schäftlarn sterbe und der Grund für die längere Sperrung damit wegfalle. Daher wird in diesem Abschnitt das Fahren bis 31. Dezember erlaubt. Von Lenggries bis Tölz bleibt es beim 15. Oktober.

Dass die Verordnung, die am 19. April in Kraft tritt, nicht bei allen auf Gegenliebe stoßen wird, weiß Niedermaier. „Einem jeden Recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann. Wir wollen es aber hauptsächlich der Isar Recht machen.“ 

Ihm sei klar, dass eine lückenlose Überwachung nicht möglich sein wird. „Aber das ist sie im Straßenverkehr auch nicht.“ Demnächst werden insgesamt zwölf Isarranger im Einsatz sein. Das heißt, an schönen Wochenenden könnte man schon mit einer gewissen Stärke auftreten. Und für die, die erwischt werden, wird es teuer. Laut Niedermaier drohen Geldbußen von bis zu 5000 Euro. Singer: „Wir setzen aber eher auf ein höfliches Miteinander. Eigentlich sollte die Verordnung niemandem groß weh tun.“

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