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Eventuell kann die Reihe „Stadt mit der besonderen Note“ bald starten. Das Archivfoto zeigt die Organisationspartner Susanne Frey-Allgaier und Harald Roßberger. 

Corona-Krise

Neue Regeln: Kulturveranstalter wandern auf einem schmalen Grat

  • Christiane Mühlbauer
    vonChristiane Mühlbauer
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Ministerpräsident Markus Söder hat am Dienstag erstmals Regeln für Lockerungen im Kultur-Bereich vorgestellt. Die Tölzer Veranstalter versuchen, das Beste daraus zu machen - üben aber auch Kritik.

Bad Tölz/Lenggries – Ab 15. Juni können bei Veranstaltungen in Innenräumen 50 Personen zusammenkommen, draußen sind 100 erlaubt. Für die Veranstalter ist derzeit alles eine Gratwanderung. „Ich hätte mir eine raumbezogene Lösung gewünscht“, sagt Susanne Frey-Allgaier, stellvertretende Kurdirektorin in Bad Tölz. Sie koordiniert die zahlreichen Veranstaltungen für die Tourist-Info (TI).

Frey-Allgaier hält das Einhalten von Abständen bei Veranstaltungen sinnvoller als eine Obergrenze für den Raum anzugeben, denn: „Im Kurhaus sind 50 Personen gar nichts, im Marionettentheater aber schon.“ Grundsätzlich, sagt Frey-Allgaier, sei es gut, dass jetzt auch in den Kulturbereich Bewegung komme.

In Tölz könnte als Erstes die Reihe „Stadt mit der besonderen Note“ wieder startet. Hier arbeitet die TI mit der Musikschule zusammen. Frey-Allgaier will heute mit Schulleiter Harald Roßberger sprechen. „Wir werden jeden einzelnen Termin durchgehen und schauen, was kann man draußen, was muss man drinnen machen.“ Sie weiß, dass auch viele Künstler – einige bilden größere Gruppen – schon Vorkehrungen getroffen haben. Noch immer seien aber einige Fragen ungeklärt, etwa zur Blasmusik.

Söder zufolge könnte die Besucherzahl ab Sommer und Herbst weiter erhöht werden. „Man muss als Veranstalter immer einen Schritt voraus sein, damit man schnell reagieren kann, wenn es neue Anweisungen gibt“, beschreibt Frey-Allgaier die schwierige Lage. Außerdem bleibe abzuwarten, wie groß das Besucherinteresse sei.

Veranstalter Wolfgang Ramadan, der regelmäßig bekannte Musiker und Kabarettisten ins Tölzer Kurhaus holt, hat zusammen mit Helmut Schleich und anderen Künstlern die „Initiative Kultur-Rettungsschirm Bayern“ ins Leben gerufen. Gefordert wird ein Hilfspaket für Kultur-Schaffende (wir berichteten überregional).

Ins Kurhaus passen 500 Besucher. „Vor weniger als 300 Gästen zu spielen, ist wirtschaftlich nicht rentabel“, sagt Christian Gutmair, ebenfalls Veranstalter in Bad Tölz. Er freut sich, dass sich langsam was bewegt, „aber der Weg ist noch weit“. Auf den Veranstaltern laste eine große Verantwortung, etwa hinsichtlich der Toiletten-Situation.

Ob der Tölzer Festplatz für Veranstaltungen taugt, etwa mit dem Auto ? Gutmair ist skeptisch: „Bei solchen Events entsteht keine Nähe zwischen Publikum und Künstler.“ Zwar sei Hupen der „neue Applaus“: „Aber ich möchte mal wissen, wie die Nachbarn reagieren, wenn zu nächtlicher Stunde ein Hupkonzert ertönt.“

Etwas gelassener kann Sabine Pfister von „KleinKunst und Kultur“ (KKK) in Lenggries die nächsten Wochen angehen. „Jetzt ist es von Vorteil, dass wir so klein sind“, sagt Pfister. „Wir haben viel Equipment selbst und arbeiten im kleinen Team.“ Gleichwohl gebe es viel zu organisieren. Die „Kunst & Küche“-Veranstaltungen mit Constanze Lindner und Erich Kogler in der Klosterschänke in Dietramszell sind ausverkauft. Die Termine finden statt – wenn möglich draußen, ansonsten drinnen und aufgeteilt in zwei Gruppen. „Wir informieren alle Kartenbesitzer“, sagt Pfister.

Zudem sind in den kommenden Wochen noch Auftritte von Stephan Zinner und Stefan Leonhardsberger („Kramerwirt“ in Arzbach) sowie von Erich Kogler und Helmut Binser im Brauneck-Hotel in Lenggries geplant. Viele Karten hat Pfister dafür allerdings noch nicht verkauft. „Wir müssen jetzt einfach mal schauen und lassen die Entwicklung auf uns zukommen“, sagt Pfister.  

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Kultur-Branche blickt wegen Corona-Krise in den Abgrund: Künstler im Tölzer Land bangen um ihre Existenz und sind besorgt, dass sich Sponsoren aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten zurückziehen.

Das Franz-Marc-Museum in Kochel wird in den Pfingstferien wie gewohnt Workshops für Kinder und Erwachsene anbieten - aber nur im Park.

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