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Führt das indische Restaurant „Bollywood Tandoori“ an der Isarpromenade: Amrinder Singh. 

Gastronomie

Neue Wirte,alter Leerstand

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In der Gastronomie-Szene im südlichen Landkreis gibt’s Bewegung: Der Kramerwirt in Arzbach hat einen neuen Betreiber und in Bad Tölz gibt es jetzt ein indisches Restaurant. Aber auch neuer Leerstand ist zu beklagen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – „Wir haben einen neuen Wirt“, freut sich Kilian Willibald, Eigentümer des Arzbacher „Kramerwirts“. In nur drei Monaten schaffte er, woran andere Wirtshausbesitzer im Landkreis scheitern. „Ich bin die Personalsuche eben gewohnt“, sagt der Inhaber einer Baufirma, dessen Großmutter Ursula Bartl den „Kramerwirt“ einst selbst führte. Der jetzige Wirt Michael Raphelt ist noch bis zum 6. Januar im Haus. „Dann renovieren wir, und im Februar beginnt Michaela Kurz aus Berchtesgaden“, so Willibald.

Kurz wird den „Kramerwirt“ mit ihrem Lebensgefährten Hans-Dieter Kremkow (52) führen. „Wir haben beide die Gastronomie von der Pike auf gelernt“, sagt die 51-Jährige. Sie ist Köchin und lernte im Münchner Arabella Hotel. Tradition und Modernität will Kurz im Kramerwirt in Zukunft vereinen.

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In Bad Tölz gibt es derzeit immerhin zwei neue Wirte: Im ehemaligen „Alten Fährhaus“ eröffneten am ersten Adventswochenende Erich und Katharina Schwingshackl (wir berichteten). Auch auf der anderen Isarseite gibt es Neuigkeiten: Amrinder Singh ist der Chef des indischen Restaurants „Bollywood Tandoori“, das nun in der ehemaligen „Kaminstube“ (Café Solo) beheimatet ist. „Wir hatten zuerst nur ein Restaurant in Garmisch-Partenkirchen“, berichtet Amrinder Singh. Gäste aus dem Tölzer Raum hätten sich aber immer wieder beklagt, dass es kein vergleichbares indisches Lokal in Tölz gibt. „Also beschlossen wir, ein zweites Lokal aufzumachen“, so der 28-Jährige. Die Gaststätte an der Isarpromenade stand seit Anfang 2018 leer.

Würze aus dem Großpack kommt Amrinder Singh übrigens nicht in die Töpfe: „Wir machen alles frisch“, sagt er. Das heißt: Kurkuma, Zimt oder Chilis werden in der Küche täglich frisch gerieben. Den 350 Grad heißen Tandoori-Ofen befeuert er mit Holzkohle, „für tolles Aroma und gleichmäßige Hitze“, so Singh.

Ansonsten sind Wirte eher Mangelware im Tölzer Land. Im „Ratskeller“ an der Marktstraße hört Wirt Peter Mayerhofer zum 16. Dezember auf. Er wechselt wie berichtet an den Staffelsee. Anneliese Bichler und Jakob Pauli, die das Lokal von der Stadt gemietet haben, suchen einen neuen Wirt. „Ein deutsches Lokal wird es wohl nicht mehr“, meint Bichler. Es sei leichter Wirte für italienische, kroatische oder griechische Restaurants zu finden als für bayerische Küche, so die Gaißacherin.

Überraschende Kündigung

In der „Alten Schießstätte“ im Tölzer Badeteil fehlt der Wirt nach einer überraschenden Kündigung seit Mitte Oktober. Eigentümer ist auch hier die Stadt, die das Objekt an eine Gemeinschaft aus den drei Tölzer Trachtenvereinen und dem Jagdverband verpachtet hat. Sie nutzen die „Schiaßn“ als Vereinslokal. „Es ist schwierig, jemanden zu finden, wir sind im Gespräch, aber es ist nichts fix“, sagt Anton Krinner, Sprecher der Pächtergemeinschaft.

Immobilienmakler gibt Stadt die Schuld

Im Badeteil stehen zudem zwei Lokale am Max-Höfler-Platz sowie das ehemalige „Marché“ leer. Immobilienmakler Uwe Teschner betreut die Lokale am Max-Höfler-Platz. Dass diese Immobilien niemand mieten will, liege seiner Meinung nach an der Stadt. „Tölz ist zu unbeweglich. In anderen Kurstädten passiert viel mehr.“

Für das ehemalige „Marché“ wird seit 2016 ein Nachfolger gesucht. „Es rufen immer wieder Interessenten an, denen ist es aber zu teuer“, sagt der Makler, der namentlich nicht genannt werden will. Die Erbengemeinschaft überlege nun, Lokal und Mietshaus zu verkaufen.

Ein schwerer Schlag für das Dorfleben in Benediktbeuern – vor allem mit Blick auf den Fasching – ist der Leerstand vom Gasthof „Zur Post“ seit Anfang November. Die Wirte warfen das Handtuch, unter anderem, weil sie nicht ausreichend Personal fanden (wir berichteten). Das Wirtshaus gehört dem Brauhaus Tegernsee. Dessen Sprecher Dominik Salzer sagt: „Noch haben wir keinen neuen Wirt. Wir sind aber guten Mutes und im Gespräch.“

Das Gasthaus Isarburg in Schlegldorf steht ebenfalls seit über eineinhalb Jahren leer. Anna Nägele hat den Betrieb dauerhaft eingestellt. „Das wird auch nichts mehr“, sagt die Inhaberin.

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