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Wegen der Corona-Abstandsregeln fanden die ersten Sitzungen des neuen Kreistags im Tölzer Kurhaus und in der Wolfratshauser Loisachhalle (Foto) statt.

Wer ist wie stark vertreten?

Neuer Kreistag: Jünger und weiblicher

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
    vonVeronika Ahn-Tauchnitz
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60 Frauen und Männer aus zehn Parteien und Gruppierungen leiten gemeinsam mit dem Landrat in den kommenden sechs Jahren die Geschicke des Landkreises. Eine Analyse.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Mit der Vereidigung von Edmund Häner (FDP) in der jüngsten Sitzung ist der neue Kreistag nun komplett. 60 Frauen und Männer aus zehn Parteien und Gruppierungen leiten gemeinsam mit Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler) in den kommenden sechs Jahren die Geschicke des Landkreises. Eine kurze Analyse.

„Der Norden hat die Oberhand“ titelte der „Tölzer Kurier“ nach der Kreistagswahl vor sechs Jahren – und dabei ist es auch geblieben. Allerdings ist das Kräfteverhältnis jetzt etwas ausgeglichener. Kamen 2014 noch 36 der 60 Mitglieder aus dem Nordlandkreis, sind es jetzt nur noch 32 – sofern man die jeweils drei Vertreter aus den Gemeinden Dietramszell und Königsdorf dem Norden zurechnet.

Geretsried stellt genauso viele Kreisräte wie Eurasburg

Die größte Gruppe der Kreisräte kommt übrigens nicht aus einer der drei Städte, sondern aus der Gemeinde Lenggries. Satte neun Kommunalpolitiker aus dem Brauneckdorf sitzen ab sofort im Kreistag. Erstaunlich stark vertreten ist auch die Gemeinde Eurasburg (rund 4300 Einwohner) mit sechs Kreisräten. Damit stellt sie genauso viele wie Geretsried (rund 25.000 Einwohner) als größte Stadt im Landkreis. Die Geretsrieder waren im alten Kreistag noch mit 14 Kreisräten vertreten. Die Kreisstadt Bad Tölz ist mit fünf, die Stadt Wolfratshausen mit acht Kommunalpolitikern im Gremium präsent. Mit Bichl, Greiling, Icking, Reichersbeuern und Schlehdorf haben fünf Gemeinden keinen eigenen Vertreter im Kreistag.

Mehr Frauen in die Kommunalpolitik zu bringen, war im Wahlkampf nahezu allen Parteien ein Anliegen. Beim Erreichen dieses Ziels wurde allerdings bestenfalls ein Teilerfolg verbucht. Ja, der Frauenanteil ist gestiegen – von 15 auf 17 Kreisrätinnen. Damit besetzen die Frauen aber nach wie vor nicht einmal ein Drittel der insgesamt 60 Mandate. Am ausgeglichensten ist hier die Grünen-Fraktion, bei der sechs der 13 Mitglieder Frauen sind. Luft nach oben haben derweil unter anderem die Freien Wähler (3 von 14) und die CSU (6 von 21).

Die Grünen stellen die im Schnitt jüngste Fraktion im Kreistag

Der neue Kreistag ist etwas jünger als der letzte. Das Durchschnittsalter aller Mitglieder liegt – sobald alle heuer Geburtstag gefeiert haben – bei 52,46 Jahren und damit um gut vier Jahre niedriger als 2014. Jüngstes Mitglied ist Jakob Koch (Grüne), der 1998 geboren wurde, Alterspräsident ist Max Korntheuer (ÖDP/Jahrgang 1949). Schaut man auf den Altersdurchschnitt der Fraktionen, dann liegen die Grünen mit 48,1 Jahren im Durchschnitt hauchdünn vor der Ausschussgemeinschaft aus SPD und Linke mit 48,2 Jahren. Die im Durchschnitt älteste Fraktion im Kreistag stellt der Zusammenschluss aus ÖDP, FUW, BP und FDP mit 57 Jahren.

Mit 28 neuen Kreisräten wurde fast die Hälfte des Kreistags ausgetauscht. Es gibt aber auch nach wie vor einige sehr altgediente Mitglieder. Dienstältester Kreisrat ist Martin Bachhuber (CSU), der schon seit 1990 die Geschicke des Landkreises maßgeblich mitprägt.

Auch von einem hinteren Listenplatz aus kann man in den Kreistag gewählt werden

Die Annahme, dass man nur auf den vorderen Listenplätzen eine Chance auf ein Mandat hat, wurde wieder einmal widerlegt. Einigen Kandidaten gelangen gewaltige Sätze nach vorne. Beispielsweise Bernhard Simon, der auf der CSU-Liste von Platz 45 aus auf Platz 19 vorgewählt wurde und so den Einzug schaffte. Ein noch weiterer Satz gelang Christine Mair, die auf Platz 41 kandidiert hatte und mit dem zehntbesten Ergebnis der Grünen gewählt wurde. Ebenfalls nicht mit seiner Wahl gerechnet haben dürfte Max Korntheuer (ÖDP), der es tatsächlich von Platz 19 aus schaffte, einen der beiden ÖDP-Kreistagssitze zu erobern. Das gleiche Kunststück wie Franz Wirtensohn (CSU) im Jahr 2014 gelang aber heuer keinem: Der Geltinger hatte seinerzeit auf dem 60. und damit letzten Listenplatz kandidiert und war gewählt worden.

Dass Politik auch durchaus Familiensache sein kann, zeigen übrigens die Grünen. Mit Klaus und Jakob Koch sitzen nun Vater und Sohn in derselben Fraktion, der auch das Ehepaar Klaus und Christine Mair angehört. Nur entfernte verwandtschaftliche Verbindungen bestehen übrigens zwischen Hans Urban (Grüne) und Maria Urban (CSU): „Sie ist mit dem Cousin meines Vaters verheiratet“, verrät der Grünen-Landtagsabgeordnete.

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