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Energische Kämpferin gegen das Vergessen: Marie-Luise Schultze-Jahn (†2010) berichtete immer wieder vor Schulklassen von ihren Erfahrungen in der Zeit der Nazi-Diktatur. 

Kreis-Schulausschuss

Neuer Name fürs Tölzer Förderzentrum: Ehrung für Widerstandskämpferin

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
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Das Tölzer Förderzentrum möchte einer NS-Widerstandskämpferin aus dem Umfeld der „Weißen Rose“ ein bleibendes Denkmal setzen.

Bad Tölz – Sie war eine Widerstandskämpferin in der Zeit der Nazi-Diktatur. Nach der Hinrichtung der Geschwister Scholl setzte Marie-Luise Schultze-Jahn mit ihrem Verlobten Hans Leipelt die Arbeit der Widerstandsbewegung „Weiße Rose“ fort. Sie ging dafür ins Gefängnis, ihr Verlobter wurde hingerichtet. Auch später kämpfte Marie-Luise Schultze-Jahn weiter – gegen das Vergessen. Sie hielt Vorträge vor Generationen von Tölzer Schülern über ihre Erfahrungen in der NS-Zeit. Das Tölzer Förderzentrum möchte die 2010 verstorbene Widerstandskämpferin nun auf besondere Art und Weise ehren.

In der jüngsten Sitzung des Kreis-Schulausschusses befasste sich das Gremium mit dem Antrag des Tölzer Sonderpädagogischen Förderzentrums auf Namensänderung in Marie-Luise-Schultze-Jahn-Schule. Bevor diese Änderung offiziell beantragt werden kann, muss der Landkreis als Sachaufwandsträger zustimmen. Für die Ausschussmitglieder war die Entscheidung nicht schwierig: Ohne Gegenstimme befürworteten sie den Antrag. Auch die Stadt Bad Tölz, die ebenfalls informiert worden war, hat keine Einwände.

Schulleiter und Dritter Landrat Klaus Koch hatte den Antrag in einem Schreiben umfangreich begründet. Der derzeitige Name „Sonderpädagogisches Förderzentrum“ sei „technisch“ und führe zu Identifikationsschwierigkeiten bei Schülern und Eltern, heißt es in dem Brief an Landrat Josef Niedermaier. „Mit einem Schulnamen will die Schule ihren eigenen und unverwechselbaren Charakter dauerhaft festigen und dokumentieren.“

Ein Vorbild für die Schüler

Christof Botzenhart, Dritter Bürgermeister der Stadt Bad Tölz und Lehrer, brachte den Namen Marie-Luise Schultze-Jahn ins Gespräch. Die Schule habe sich mit dem Vorschlag „intensiv auseinandergesetzt“, schreibt Koch. Es gab mehrere Gründe, die Widerstandskämpferin als Namensgeberin zu wählen. Die NS-Zeit werde im Lehrplan ausführlich behandelt. Zudem sei die „intensive Auseinandersetzung mit Demokratie und ihrer Gefährdung durch radikale Kräfte wichtig und notwendig. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund des Erstarkens rechtspopulistischer Parteien in Europa, die gerade in Kreisen niedrigeren Bildungstands auf größere Resonanz stoßen.“

Vor allem, so Koch in dem Schreiben weiter, könne Marie-Luise Schultze-Jahn ein Vorbild für die Schüler sein. Sie sei „aus tiefster Erniedrigung und Verzweiflung aufgestanden und hat mit Zuversicht neue Wege gesucht“. Für Eltern sei es anfangs oft schwer, das eigene Kind an einer Förderschule zu wissen. Die Jugendlichen selbst müssten sich dann später der Herausforderung stellen, auf einem anspruchsvollen Arbeitsmarkt ihren Platz zu finden. „Unsere Schülerinnen und Schüler brauchen viel Kraft, immer wieder aufzustehen, immer wieder neu zu starten, immer wieder mit Rückschlägen umzugehen. Hier sehen wir Frau Dr. Schultze-Jahn und ihre Art der Lebensbewältigung als Vorbild“, so Koch.

Schultze-Jahn selbst war mehrfach als Rednerin am Förderzentrum zu Gast und habe bei den Jugendlichen bleibenden Eindruck hinterlassen, schreibt Koch. Die Taufe der Schule auf ihren Namen könnte für ihn der Auftakt sein zu einem „dauerhaften und lebendigen Erinnern“ an die Widerstandskämpferin. Vom Weiße-Rose-Institut in München, dem man den Wunsch auf Namensänderung bereits unterbreitet hat, habe es „eine sehr positive Rückmeldung“ gegeben, so Koch.

Nach der Zustimmung durch den Kreis-Schulausschuss wird das Förderzentrum die Namensänderung nun offiziell beim Kultusministerium beantragen.

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Auch an anderer Stelle befasst sich die Stadt mit dunkleren Kapiteln ihrer Geschichte - beispielsweise auf den Stelen, die sich mit dem Reichspräsidenten Paul von Hindenburg auseinander setzen.

Ein ebenso beeindruckender Zeitzeuge wie Marie-Luise Schultze-Jahn war Max Mannheimer. Der KZ-Überlebende sprach bei verschiedenen Anlässen in Bad Tölz.

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