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Der Strompreis steigt. Nach der jüngsten Tarifänderung der Tölzer Stadtwerke müssen kleine Haushalte mehr für ihre Energieversorgung bezahlen.  

Änderung zum Jahreswechsel 

Neuer Tarif der Tölzer Stadtwerke: Unsozial und unökologisch?

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„Unsozial und unökologisch“: Mit diesen Worten kritisiert Reinhard Lehnen die jüngste Tarifänderung bei den Tölzer Stadtwerken. Tatsächlich kommen kleine Haushalte, die wenig Strom verbrauchen, jetzt schlechter weg als im Vorjahr.

Bad Tölz – Den Vorwurf, dass dies ungerecht sei, weist Stadtwerke-Chef Walter Huber zurück. Die neue Tarifstaffelung sei vielmehr eine unvermeidliche Reaktion auf die Energiewende.

Ausgangssituation sind die Änderungen, die zum Jahreswechsel in Kraft getreten sind. Die Stadtwerke haben im gängigen Tarif Tölzstrom den monatlichen Grundpreis um 2,50 Euro auf 12,50 Euro im Monat erhöht. Im Gegenzug wurde der verbrauchte Strom etwas billiger: Der Preis sank um 1,5 Cent auf 24,5 Cent pro Kilowattstunde.

Seine Anmerkungen dazu hat Lehnen in einer E-Mail an Bürgermeister Josef Janker, den Aufsichtsratsvorsitzenden der Stadtwerke, formuliert und eine Kopie an den Tölzer Kurier geschickt. Darin schreibt er: „Die Änderungen sind unökologisch, weil sie hohen Verbrauch belohnen. Und unsozial, weil sie kleine Haushalte und sparsamen Verbrauch benachteiligen.“ Der Tölzer rechnet durch: Ein Ein-Personen-Haushalt mit einem Verbrauch von 500 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr müsse jetzt unterm Strich 22,70 Euro im Jahr mehr bezahlen, was einer Steigerung um 9,1 Prozent entspreche. Ein größerer Haushalt, der 3500 kWh verbrauche, werde hingegen um 24,70 Euro oder 2,5 Prozent entlastet.

Huber ist von der Kritik überrascht – schließlich komme ein großer Teil der Haushalte jetzt günstiger weg. Hintergrund der Tarifumstellung sei letztlich, dass immer mehr Hausbesitzer einen Teil ihres verbrauchten Stroms selbst produzieren, zum Beispiel mit Photovoltaikanlagen auf dem Dach, und deshalb weniger Strom von den Stadtwerken beziehen. „Wir bewegen uns gerade im Spannungsfeld von der Ausgangslage, dass die Haushalte früher gar keinen Strom produziert haben, und dem politischen Ziel, dass sie sich zu 100 Prozent selbst versorgen.“ Auf diesem Weg gehe es „in großen Schritten auf die 50-Prozent-Marke zu“.

Gleichzeitig müssten die Stadtwerke höhere Netzentgelte bezahlen. „Wenn wir diese Kosten nur auf den Arbeitspreis umlegen, dann können wir sie nicht ausgleichen“, erklärt Huber. „Dann könnten wir kein zuverlässiges Netz mehr betreiben.“

Daher habe man sich entschieden, einem allgemeinen Trend in Richtung „Flatrate“ zu folgen, also tendenziell den Anteil am Preis zu erhöhen, der unabhängig vom Verbrauch bezahlt werden muss. Ungerecht findet Huber das nicht. „Jeder bekommt schließlich von uns dieselbe Grundleistung bereit gestellt. Die Fixkosten für den Stromanschluss sind da, ob man viel verbraucht oder nicht.“ Es sei auch alles andere als unsozial, wenn eine größere Familie mit einem Stromverbrauch von 3000 bis 4000 Kilowattstunden im Jahr besser wegkomme als ein Single-Haushalt.

Bei null kommt rechnerisch heraus, wer ungefähr 2000 kWh im Jahr verbraucht. Bei weniger zahlt man drauf, bei mehr profitiert man. Der Durchschnittshaushalt hat laut Huber einen Verbrauch von 3500 kWh. Das von Lehnen genannte Beispiel von 500 kWh lege die Vermutung nahe, dass es sich um einen Haushalt handele, der zusätzlich Energie von der eignen Photovoltaikanlage bezieht.

Nein, sagt dazu auf Rückfrage Reinhard Lehnen. Es gehe um eine Bekannte von ihm, die tatsächlich so wenig Strom verbrauche. Er selbst benötige etwa 900 kWh. Und Lehnen bleibt dabei: „Es muss einen anderen Weg geben, die Tarife zu gestalten.“

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