Die Familie des neuen Dekans freut sich mit dem 55-Jährigen (v. li.): Theresa, seine Ehefrau Angelika Soffel-Wastian, Heinrich Soffel, Korbinian und Florian. Fotos (2): Birgit Botzenhart
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Die Familie des neuen Dekans freut sich mit dem 55-Jährigen (v. li.): Theresa, seine Ehefrau Angelika Soffel-Wastian, Heinrich Soffel, Korbinian und Florian.

Heinrich Soffels erster Gottesdienst

Neuer Tölzer Dekan ins Amt eingeführt: Das Urvertrauen in das Gute weitergeben

Heinrich Soffel ist der neue evangelische Dekan im Oberland. Jetzt hielt er seine erste Predigt - in einer katholischen Kirche.

Bad Tölz – Seine ausdrückliche Einladung kann man herausfordernd nennen: Der neue evangelische Dekan und Stadtpfarrer Heinrich Soffel rief auf, ihn anzurufen, er wolle immer in Kürze ein Gespräch ermöglichen. In seiner ersten Predigt in Bad Tölz am Sonntag stellte er nicht nur seine Affinität zur Physik unter Beweis, sondern ebenso seinen Weitblick auf die aktuellen Herausforderungen der Kirche.

Aus Platzgründen weichen Protestanten in die Franziskanerkirche aus

Damit möglichst viele Gläubige an der Amtseinführung des Dekans teilnehmen konnten, war der Gottesdienst in die katholische Franziskanerkirche verlegt worden. So viele evangelische Geistliche sind dort wohl noch nie eingezogen.

So stand der Auftakt der „Ära Soffel“, wie es ein Redner nannte, ganz im Zeichen der Ökumene. Gäste bis aus Passau und Pfarrkirchen, seiner letzten Station, waren gekommen. In den nach dem Gottesdienst gehaltenen Reden wurde deutlich, dass die einen Heinrich Soffel nur äußerst ungern hergaben. Die anderen, sprich die Tölzer Vertreter aus Geistlichkeit und Politik, freuen sich auf den neuen Wegbegleiter.

Die Lage seiner Kirche brachte er kurz auf den Nenner: „Tendenz stark austretend.“

Mit lauter, fester Stimme bejahte Heinrich Soffel seinen Amtsantritt und ließ sich von Regionalbischof Christian Kopp das Dekanskreuz umlegen. Sichtlich vertrauensvoll und dankbar nahm der neue Dekan dann den Segen von fünf Menschen entgegen, die er darum gebeten hatte. Darunter war auch Stefan Seligmann vom Tölzer Kirchenvorstand. Er habe in über 50 Jahren zehn Umzüge hinter sich gebracht, sagte Heinrich Soffel in seiner Predigt. Sein Urvertrauen in das Gute wolle er weitergeben. „Der gemeinsame Weg beginnt mit einfachen Mitteln, nämlich mit dem nächsten Schritt“, sagte der 55-Jährige. Die Lage seiner Kirche brachte er kurz auf den Nenner: „Tendenz stark austretend. Wir müssen uns schnell ändern.“ Denn Christ sein sei heute ganz einfach ohne Kirche möglich. Damit zählte er viele Glaubensgemeinschaften auf, in die die evangelische Kirche ausfranse.

Der neue Dekan Heinrich Soffel will dagegen ankämpfen, dass immer mehr Menschen aus der Kirche austreten.

Bemerkenswert war sein Weitblick: Der reichte Jahrtausende zurück und lag Lichtjahre entfernt. Heinrich Soffel zeigte größte Gewandtheit in Planetenkunde und Physik. Sehr eingängig war dann wieder das Symbol seines Antritts, nämlich ein kleiner Fisch, Ichthys, das Erkennungssymbol der ersten Christen, der auf jedem Sitzplatz lag. „Jeder passt zueinander, am Ende würde sich ein großer Teppich ergeben“, erklärte er. „Wir gehören nämlich alle zusammen.“

Vertrauen ist gerade in Zeiten des Wandels wichtig

Der katholische Stadtpfarrer Peter Demmelmair, der neben Peter Priller von den Altkatholiken teilnahm, sagte, das konfessionell Verbindende sei größer als das Trennende. Aber in der Therapie siege die Schwierigkeit. Er sei offen, zusammen Antworten zu finden auf die Herausforderungen für die Kirchen. Der Katholik lud die ganze Familie Soffel zu einer persönlichen Kirchenführung durch Bad Tölz ein.

Auf gemeinsame Gespräche freuten sich auch Landrat Josef Niedermaier und der Tölzer Bürgermeister Ingo Mehner. Die Kirche habe mit der Kommunalpolitik gemeinsam, „dass uns keiner mehr so richtig glaubt“, sagte der Landrat. Aber Vertrauen sei gerade in Zeiten des Wandels wichtig. Birgit Botzenhart

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