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Bringen gerade ihr neues Boot „Arrya“ auf Vordermann: Die „Segeljungs“ (v. li.) Michael Bischof, Tom Schwarz, Tim Hund und Vincent Goymann.

Umstieg auf die „Arrya“

Segeljungs stranden auf Jamaika: Dann bekommen sie Angebot, das sie nicht ausschlagen können 

Drei Jahre Weltumseglung: Zu diesem Vorhaben waren vier junge Männer aus dem Landkreis aufgebrochen. Jetzt aber war das Quartett wieder in Bad Tölz anzutreffen. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Drei Jahre Weltumseglung: Zu diesem Vorhaben waren vier junge Männer aus dem Landkreis aufgebrochen. Jetzt aber war das Quartett wieder in Bad Tölz anzutreffen. Was war passiert? Die Lust ist ihnen nicht vergangen, berichten drei der „Segeljungs“, Vincent Goymann, Tim Hund und Thomas Schwarz, im Gespräch mit dem Tölzer Kurier. Aber eine unerwartete Wendung hat ihre Reise doch genommen.

Vor einem Jahr, am 20. September 2018, fuhren die vier Freunde, die sich von der Schule kennen, los. Große Segelerfahrung hatten sie nicht – aber das große Ziel, die ganze Welt zu umsegeln. „Angst darf man halt nicht haben, vor allem bei der Atlantiküberquerung“, sagt Tom Schwarz. Erst nach 22 Tagen auf hoher See sei ihnen am ersten Hafen bewusst geworden, was sie da gerade hinter sich gebracht hatten.

Segeljungs aus Bad Tölz verbringen unfreiwillig viel Zeit auf Jamaika

Die Atlantik-Überquerung habe schöne Momente mit sich gebracht – fantastisch sei etwa die Sichtung eine Blauwals gewesen. Doch vom Segelriss bis zum Baumbruch seien auch viele schlechte Erfahrungen dabei gewesen. „Bei Gewitter konnte niemand schlafen, einmal haben wir uns nicht mehr auf Deck getraut“, berichtet Goymann. Die Seekrankheit habe bis auf Thomas alle mal erwischt – vor allem nach längerem Aufenthalt auf festem Boden.

Nach ihrer Atlantiküberquerung verbrachten die vier Freunde die meiste Zeit auf Jamaika – ungewollt, aufgrund von massiven Motorproblemen. „Es war eine schwierige Zeit“, sagt Tim Hund. „Auf einmal ist man nicht mehr frei, sondern sitzt zwei Monate im gleichen Hafen fest.“ Auf qualifizierte und kommunikationsbereite Mechaniker konnten sie auch nicht zählen. Mit Müh und Not wurde endlich ein anderer Motor in die „Eira“ eingebaut.

Segeljungs bekommen Angebot, das sie nicht ausschlagen kommen

Nun hätte es eigentlich weitergehen können. Doch in Panama erreichte die jungen Männer „eine alles verändernde E-Mail“, wie Schwarz sagt. „Ein anonymer Fan machte uns ein unausschlagbares Angebot“, erinnert sich Vincent.

Der Segler, der durch die Video-Plattform Youtube auf die Jungs aufmerksam geworden war, bot ihnen ein viel besseres Schiff mit neuem Motor zu einem sehr günstigen Preis an. Dieses stand jedoch in Südfrankreich. Dort besichtigte es Tims Bruder. Nachdem er es für gut befunden hatte, habe man schnell Nägel mit Köpfen gemacht, berichtet Tim Hund.

Nach zehn Monaten auf Weltumseglung kehrten Segeljungs zurück nach Bad Tölz

Im Juli kehrten die Segeljungs nach zehn Monaten zum ersten Mal zurück nach Bad Tölz. Das alte Boot ließen sie in Panama zurück. Nach einer Woche Heimaturlaub ging es weiter nach Marseille wo sie seitdem ihr neues Boot, die „Arrya“, seetüchtig machen. „Lackarbeiten und kleine Elektroniksachen müssen noch erledigt werden“, sagt Vincent Goymann.

Ende September wollen die Freunde von den Kanaren ablegen. Denn noch vor Januar soll der Panamakanal durchquert werden. Die Reise könnte noch bis zu zweieinhalb Jahre dauern.

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Am meisten freuen sich Vincent, Tom und Tim auf die Südsee, da dieser Raum noch relativ unerschlossen ist. Ein wenig Zeit wollen sie auch noch im Mittelmeer verbringen, an den Orten, die ihnen am besten gefallen haben, zum Beispiel in Marokko. „Von der Freundlichkeit der Menschen dort waren wir überwältigt. Trotz ihrer Armut waren sie mehr als großzügig“, berichtet Vincent.

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Zur Finanzierung der langen Reise müssen noch Ersparnisse herhalten. Aber über Youtube kommen auch Spenden herein. Zirka 700 Euro pro Monat fließen auf das gemeinsame Konto. Auf ihrem gleichnamigen Kanal können die „Segeljungs“ mit 10 000 Zuschauern pro Video rechnen.

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Den größten Fans wollen die Segler demnächst Shirts, Pullover und Segelsäcke anbieten. Im Oktober sind sie von der Firma „Oxley“ zu einer Segelmesse in Hamburg eingeladen. „Wir bekommen eigentlich nur positive Rückmeldung zu dem, was wir machen“, sagt Schwarz. Nach ihrer endgültigen Rückkehr wollen sie dann einen Film über ihre Reise in die Kinos bringen.

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