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Das Kurhotel im Tölzer Badeteil: Den späteren Jodquellenhof empfand Mark Twain als zu teures Haus. Deshalb zog er in eine Pension um.

Neues Buch von Michael Klein

Als Mark Twain in Tölz Urlaub machte

Bad Tölz – Er nannte Tölz "eine entzückende Stadt": Mark Twain, alias Samuel Clemens, verbrachte 1893 mit seiner Familie vier Wochen in Tölz.

Mark Twain war beileibe nicht der einzige prominente Tölzer Kurgast. Im Spätsommer 1877 erhoffte sich zum Beispiel Johanna von Bismarck, die Gattin des Reichskanzlers, Hilfe durch das Jodwasser. Verbürgt ist auch, so hat der Tölzer Mann-Kenner Martin Hake, herausgefunden, dass Elisabeth Mann, die Tante des berühmten Schriftstellers, um die Jahrhundertwende in Tölz kurte. Sie war historisches Vorbild für Tony Buddenbrocks aus dem gleichnamigen Bestseller Manns und vielleicht der Grund, dass Thomas Mann Tölz kennenlernte und sich hier schließlich ansiedelte.

Freund des Jodwassers: Mark Twain, mit bürgerlichen Namen Samuel Clemens, kurte mit Familie in Tölz. Vor allem seine Frau Olivia profitierte von „der guten Luft“.

Dass auch der bekannte amerikanische Autor Mark Twain mit seiner Familie einen längeren Kururlaub in Tölz (der Titel Bad kam erst 1899 in den Ortsnamen) verbrachte, darauf wirft eine Buchneuerscheinung ein Licht. Michael Klein hat in „Mark Twain in Bayern“ Erzählungen, Reiseberichte und Briefe des Schriftstellers über seinen halbjährigen Aufenthalt in Bayern ausgewertet. Nach Tölz kam der Schöpfer von „Tom Sawyer“ und „Huckleberry Finn“ , weil ein Münchner Spezialarzt den Ort mit seinem Bäderviertel Krankenheil empfohlen hatte. Twains Frau Olivia hatte Herzprobleme. Der Münchner Arzt zerstreute Prophezeiungen anderer Experten, wonach sie nur noch zwei Jahre leben werde. Das sei viel zu pessimistisch. In Tölz werde sich ihr angegriffener Gesundheitszustand verbessern.

So war es dann auch, wie Twain in einem Brief an seinen Bruder Orion am 26. Juli 1983 schreibt: „Wir sind hier seit zwei Wochen und werden noch drei weitere bleiben. (...) Livy macht hier gehörige, erfreuliche Fortschritte. Es ist eine entzückende Stadt in den großen Vorbergen, die die Ausläufer der Tiroler Alpen bilden, und sie besitzt eine kühle, erfrischende und kräftigende Luft.“

Twains wohlwollendes Urteil wurde in Tölz nie registriert oder in späterer Zeit gar damit geworben. Das lag vielleicht auch daran, dass man in Tölz gar nicht wusste, welch berühmter Gast hier abgestiegen war. Twain firmierte nämlich unter seinem bürgerlichen Namen Samuel Clemens im Fremdenbuch. Der Tölzer Kurier hat seine Ankunft aber in der Fremdenliste von 1893 unter Nummer 760 vermerkt.

Nr. 760 der Fremdenliste des Tölzer Kurier im Jahr 1893: Die Familie Samuel Clemens (Mark Twain) logierte ab 13. Juli im Tölzer Kurhotel.

In Krankenheil hat ihm auch nicht alles gefallen, wie dem schon 2007 erschienenen Buch „Mark Twains Europareisen“ von Albert Locher zu entnehmen ist. Das Tölzer Kurhotel (später Jodquellenhof) war ihm zum Beispiel entschieden zu teuer. Er blieb nur wenige Tage in dem damals größten Haus am Platze. In seinem Tagebuch trägt er schon unter Montag, 17. Juli ein: „Alles für Pension arrangiert – 6 Mark täglich pro Person, 4 Zimmer 60 Mark die Woche.“

Die bayerischen Federbetten missfielen ihm gehörig („Man wird darunter geröstet, man friert, wenn man es wegwirft“), wie er vermerkt. Dafür schätzte er die Wirkung der Tölzer Heilquellen und kaufte eine „Flasche mit 180 Gramm Krankenheile-Salz“.

Einmal muss Twain in Tölz auch eine Theateraufführung besucht haben und notierte sich – man sieht ihn förmlich vor sich, wie er dabei grinst – den Ausspruch eines Schauspielers, den er direkt auf sich bezog: „Woher kommst Du Fremdling? So spricht man nie bei uns wie Du.“ Man muss dazu wissen, dass Twain nicht gut Deutsch sprach und vor allem mit den Tücken des bairischen Idioms zu kämpfen hatte.

Von Tölz aus reiste die Familie mit den Töchtern Clara und Jean am 21. August nach München und weiter nach Franzensbad in Böhmen. Nach Tölz kehrte sie nicht mehr zurück. Olivia Clemens starb 1904 an Herzschwäche.

Infos zum Buch

Michael Klein: „Mark Twain in Bayern“, Allitera Verlag, München, 228 Seiten, 16,90 Euro.

Christoph Schnitzer

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