+
Ein Heizwerk am Fuß des Kogels? Darüber diskutiert der Stadtrat demnächst. Im Hintergrund der Rosenhof. 

Tölzer Bürgerversammlung

Angst vorm „Holzhütterl mit Kachelofen“

Deutlich weniger Besucher, aber viele Themen. Zwei ragten bei der Tölzer Bürgerversammlung heraus: Der Vorschlag eines Grundstückstauschs mit der Jod AG. Und die Kritik an einem angedachten, sehr großen Heizkraftwerk am Fuße des Kogels.

Bad Tölz – Zwei Stunden der Bürgerversammlung waren in der Franzmühle schon absolviert, da stand Fabian Wilhelm auf und fragte: „Ist schon mal ein Grundstückstausch zwischen Stadt und Jod AG diskutiert worden?“ Dann könne die Jod AG an der Arzbacher Straße Wohnungen bauen, und die Stadt ihr Hotel am Alpamare-Areal errichten.

Da staunte die Rathausspitze, die sich wie früher leicht erhöht an der Stirnseite des Saals den rund 100 Bürgern gegenüber aufgereiht hatte. Bürgermeister Josef Janker räumte ein, dass keine Seite bisher in den Gesprächen mit der Jod AG auf diesen Gedanken gekommen sei. „Für diese gute Anregung bin ich sehr dankbar.“ Man werde diesen Vorschlag verfolgen.

Andreas von Schweinitz und Tobias Fuhrmann liegt ein „Riesenklotz“ schwer im Magen. Die Stadtwerke denken seit längerem über ein Hackschnitzelheizwerk am Fuße des Kogels nach. Damit sollen möglichst viele Privathäuser rundherum umweltfreundlich beheizt werden. Bürgermeister Josef Janker verglich sie mit der Anlage am Schulkomplex am Alten Bahnhof. „Da waren die Ängste der Anwohner groß. Da hört man jetzt gar nichts mehr, weil das gar nicht wahrnehmbar ist.“ So ein Heizwerk müsse halt architektonisch ansprechend gestaltet werden.

Fuhrmann hielt diese Ausführungen für „verharmlosend“. Die Grundfläche des Heizwerks hätte, so erste Pläne, 50 mal 80 Meter. Der Kamin sei 23 Meter hoch. „Das wäre das zweithöchste Gebäude im Badeteil nach der Franziskanerkirche.“ Selbst der beste Architekt werde das nicht „zum optischen Highlight“ machen können, auch wenn die Hälfte des Baus im (40 Meter hohen) Kogel verschwinde. Von Schweinitz hielt so ein Bauwerk am Ortseingang des Bäderviertels für kontraproduktiv. Fuhrmann bezweifelte auch die Wirtschaftlichkeit. „Die Anlage am Hoheneck ist defizitär, weil nicht genügend Nachbarn angeschlossen haben.“

Josef Janker versicherte, dass der Standort „noch nicht gesetzt ist“. Es gebe zwei weitere, die er aber nicht verriet. Man werde in der Stadtratsklausur im April eine Entscheidung fällen. Stadtwerke-Geschäftsführer Walter Huber verteidigte das Projekt energisch. „Wir müssen für die Energiewende auch was tun.“

Die Lacher auf seiner Seite hatte Thomas Biegl, als er Janker lächelnd vorhielt, dass er ein „Holzhütterl mit Kachelofen“ beschreibe. Ihm mache Sorgen, dass schon einige Bäume, und zwar keine kranken Eschen, gefällt worden sein. Und ein 250 Jahre altes Marterl sei auch verschwunden. „Ziemlich viele Zufälle“, spöttelte er herausfordernd.

Bauamtsleiter Christian Fürstberger versicherte, dass die Bäume eine Gefährdung dargestellt hätten. Das Marterl werde gerade restauriert und kehre wieder zurück an seinen Platz. Fürstberger räumte ein, dass der Kogel „kein unproblematischer Standort“ sei. „Wir haben in unserem ISEK-Konzept drinstehen, dass wir Hänge und Böschungen aus städtebaulichen Gründen freihalten von Bebauung. Deshalb müssen wir so ein Vorhaben intensiv prüfen.“

Christoph Schnitzer

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Die neue Tölzer Pfarrerin fühlt sich „wie im Traum“  
Elisabeth Hartenstein ist die neue evangelische Pfarrerin in Bad Tölz und tritt die Nachfolge von Kathrin Wild an. Die 53-Jährige ist außer sich vor Freude, dass es mit …
Die neue Tölzer Pfarrerin fühlt sich „wie im Traum“  
Ernte von „Biotop Oberland“ sprengt Erwartungen - so gut läuft die Lenggrieser Gemüse-Genossenschaft
Riesen-Karotten und krasse Knollen - die Genossenschaft „Biotop Oberland“ hatte ein tolles erstes Jahr. Damit nicht genug: Das Projekt soll laut Vorstand sogar noch …
Ernte von „Biotop Oberland“ sprengt Erwartungen - so gut läuft die Lenggrieser Gemüse-Genossenschaft
Großfamilie vor 80 Jahren: „Wie die Orgelpfeifen“
Beim Stöbern in ihren Kindheitsfotos hat die Lenggrieserin Ursula Weidinger ein ganz besonderes Erinnerungsstück gefunden. Ein Bild von 1938 zeigt sie mit ihren damals …
Großfamilie vor 80 Jahren: „Wie die Orgelpfeifen“
Verstärkeramt unter Denkmalschutz: Kochel will rechtliche Schritte prüfen
Dass das ehemalige Verstärkeramt in Kochel nun in die Denkmalliste aufgenommen wurde, sorgt nicht überall für Begeisterung. Die Gemeinde will dort nämlich Wohnungen …
Verstärkeramt unter Denkmalschutz: Kochel will rechtliche Schritte prüfen

Kommentare