Würde man es neu erwerben, müsste man rund 400 000 Euro hinblättern. Albert Maly-Motta (li.) und Karl-Heinz Bille mit ihrem neuen Zeiss-Planetarium.
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Würde man es neu erwerben, müsste man rund 400 000 Euro hinblättern. Albert Maly-Motta (li.) und Karl-Heinz Bille mit ihrem neuen Zeiss-Planetarium.

Es ist 400.000 Euro wert

Hightech-Gerät macht den Blick in den Sternenhimmel noch schöner

Albert Maly-Motta, der Chef des Planetariums in Bad Tölz, freut sich über einen „Quantensprung“ für sein Haus am Schloßlatz.

Bad Tölz – „Ein Planetarium“, sagt Franz Xaver Kohlhauf aus Arzbach augenzwinkernd, „ist Astronomie für Warmduscher“. Warum das so ist? Wenn er den nächtlichen Sternenhimmel mit seinen Teleskopen beobachten oder fotografieren will, muss er die Bewegung seiner Millionen Kilometer entfernten Objekte mit einberechnen. Und bitterkalt ist es bei alldem auch noch.

Da nützt man, um im Bild zu bleiben, gerne auch mal eine warme Dusche. Und deren Temperatur ist seit einigen Tagen im Tölzer Planetarium noch um ein paar Grad hinaufgegangen. Einen „Quantensprung“ nennt Albert Maly-Motta die neueste Errungenschaft des Hauses am Schloßplatz. Der alte Projektor wurde nämlich ausgetauscht gegen das Nachfolgemodell der Firma Zeiss. Das Zeiss-Kleinplanetarium 2 (ZKP 2) ist technisch viel ausgereifter, verfügt über deutlich bessere Lampen und optische Instrumente und hat viel mehr Zubehör.

Kleinplanetarium wurde für zehn Jahre nach Bad Tölz ausgeliehen

Und wie kommt ein rund 400.000 Euro teures Hightech-Gerät nach Bad Tölz? „Ich wollte schon lange eines haben“, erklärt Maly-Motta, der seit Anfang 2014 mit seinem Partner vom Marionettentheater, Karl-Heinz Bille, das Planetarium betreibt. Der 63-Jährige hatte auf die Hilfe von Sven Huthuff aus Sachsen gesetzt, der einer der wenigen Experten für Zeiss-Planetariumstechnik ist und in dieser Funktion sogar schon in Indien und Argentinien unterwegs war. Huthuff betreute auch das Tölzer Altgerät und gab den entscheidenden Tipp für das neue.

Meridian, Himmelsäquator und Tierkreisbahn: Das neue ZKP 2 bietet die Möglichkeit, den Sternenhimmel von jedem Standpunkt der Erde zu jeder Zeit zu zeigen. Diese Einstellung stammt übrigens von 2017.

Es stammt aus dem Vonderau-Museum in Fulda und wurde mit einem Zehn-Jahres-Mietvertrag ausgeliehen. Die Kosten nennt Maly-Motta nicht, sie seien aber „relativ zivil“ und würden von der Stadt beglichen. In Fulda, sagt er, setze man nun ganz auf digitale Technik. Letztere ist dem Tölzer auch im Sinne der Planetariums-Besucher suspekt.

Mit dem ZKP 2 und seinen zwei Sternkugeln, Getrieben und Projektoren sei „die Himmelsmechanik in eine Maschine gegossen“. Albert Maly-Motta schwärmt von einer unglaublichen mechanischen Präzision.

Gerät zaubert auf Wunsch auch einen Sternschnuppen-Regen herbei

Was kann das ZKP 2, was die alte Gerät nicht konnte? Es zeige zum Beispiel den Sternenhimmel für jeden Ort der Erde, sagt Maly-Motta. Und zwar blitzscharf. Ob am Nordpol, am Äquator oder irgendwo auf der Südhalbkugel, wo dann zum Beispiel auch das „Kreuz des Südens“ und die „Magellanschen Wolken“ zu sehen sind. „Herr Kohlhauf und ich“, sagt der 63-Jährige, „werden jetzt viele neue Sternenkarten studieren müssen“, um alles zu erklären.

Man kann künftig Sonne, Mond und Planeten im Lauf der Jahreszeiten von allen Standpunkten der Erde darstellen. Technisches Zusatzequipment ermöglicht einen Blick von außen auf das Sonnensystem. Und wer – Trauungen sind ja im Planetarium auch möglich – einen Sternschnuppen-Regen als Glücksbringer braucht, kann dies ebenfalls täuschend echt simulieren lassen .

Auch Satelliten fliegen künftig, wenn es gewünscht wird, über den (künstlichen) Tölzer Sternenhimmel. Mit Hilfe von Huthuff wurde das ZKP 2 in den vergangenen Tagen eingebaut. Kohlhauf und Maly-Motta wurden zudem in die Geheimnisse der deutlich komplizierteren Maschine eingeweiht.

Coronabedingt sind derzeit das Marionettentheater und das Planetarium geschlossen. Maly-Motta und Bille hoffen aber, dass sie ihre neue Attraktion baldmöglichst präsentieren können. Wann genau, steht in den Sternen.

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