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Wohnen für Hilfe: „Wir müssen das ausprobieren“

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Von: Veronika Ahn-Tauchnitz

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Einen Angehörigen selbst pflegen - so funktioniert die Pflegezeit
© dpa-tmn / Mascha Brichta

Wohnen für Hilfe: Die Idee hinter dem Projekt ist genial. Statt Miete zu zahlen, hilft der neue Mitbewohner im Haus, in der Pflege, im Garten, beim Einkaufen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – „Hochspannend“ findet Landrat Josef Niedermaier das Projekt „Wohnen für Hilfe“. Diese Ansicht teilt der Kreis-Sozialausschuss. Der beschloss, dass man dem Projekt „grundsätzlich wohlwollend“ gegenübersteht und gerne einen Versuch wagen würde. Die Idee ist einfach: Menschen stellen Wohnraum zur Verfügung. Statt Miete zu zahlen, verpflichtet sich der Mitbewohner zum Helfen – im Haushalt, bei der Betreuung, beim Einkaufen oder auch im Garten. Pro Quadratmeter Wohnraum sollte eine Stunde pro Monat geleistet werden.

Gerade für einige Senioren könnte diese Unterstützung bedeuten, länger in den eigenen vier Wänden wohnen zu können. „In München wird das erprobt und läuft gut. Bei uns im Landkreis gibt es einige Bedenkenträger, aber auch kreative Geister, die glauben, dass das auch auf dem Land funktionieren kann“, sagte Sozialamtsleiter Thomas Bigl. Für ihn ist „die Idee charmant. Man könnte das mal ausprobieren.“

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Für Kreisbäuerin und FW-Kreisrätin Ursula Fiechtner ist „Wohnen für Hilfe“ ein Herzensprojekt. Sie wisse, dass durch den Doppelmord in Höfen, in den eine Pflegerin verstrickt war, viele große Bedenken hätten, Fremde ins Haus zu holen. „Deshalb brauchen wir ein paar Paradebeispiele. Wir müssen das probieren.“ Und es müsse eine Stelle geschaffen werden, die die Vermittlungen begleitet, so Fiechtner. Das ist auch geplant. Sozialamtsleiter Thomas Bigl rechnet damit, dass eine Vermittlung den Landkreis rund 2500 Euro kosten wird. Insgesamt müsste man fürs kommende Jahr etwa 10 700 Euro zur Verfügung stellen. Man dürfe allerdings nicht nur an 2019 denken, betonte Bigl. „Wir brauchen zweieinhalb Jahre, um zu sehen, ob es wirklich läuft.“ Gut 42 000 Euro würde das den Landkreis kosten, in etwa dieselbe Summe schießt der Freistaat über das Programm „Selbstbestimmt Leben im Alter“ zu. Für die Vermittlungen „würden wir uns einen Wohlfahrtsträger suchen, der das macht“, erklärte Niedermaier. Mittelfristig sollte sich das Ganze auch weitgehend selbst tragen.

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Dass die Kosten nach der Anschubfinanzierung sinken, hofft auch Sabine Lorenz (CSU). Generell sei das aber ein „Superprojekt. Ich glaube auf jeden Fall, dass das auf dem Land gut läuft.“ Ihre SPD-Kollegin Edith Peter sieht das ähnlich. Das seniorenpolitische Gesamtkonzept des Landkreises setze auf den Grundsatz ambulant vor stationär. Um das zu erreichen, „sollten wir alles ausprobieren“ – zumal es auch hier nicht mehr so viele Kinder und Enkel gebe, die die Versorgung der Senioren im eigenen Heim sicherstellen, sagte Peter. Sozialamtsleiter Bigl sieht in dem neuen Projekt „Ehrenamt und Großfamilie auf dem Niveau 2.0“.

Anfang Februar wird der Kreisausschuss entscheiden, ob das nötige Geld dafür zur Verfügung gestellt wird.  

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