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Das Wehr kurz vor der Einmündung in die Isar: Am Loisach-Isar-Kanal in Wolfratshausen soll ein Wasserkraftwerk entstehen. Einer der Betreiber sind die Tölzer Stadtwerke. 

Loisach-Isar-Kanal

Neues Wasserkraftwerk: Tendenz positiv

Die Energiewende ernst nehmen wollen die Initiatoren eines neuen Wasserkraftwerks am Loisach-Isar-Kanal. Die Genehmigungsverfahren sind aber langwierig. Immerhin: Ein wichtiges Gutachten fällt in der Tendenz positiv aus.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Je nach Verbrauch wird mit 1000 bis 1700 Haushalten gerechnet, die von einem neuen Wasserkraftwerk am Loisach-Isar-Kanal zwischen den Wolfratshauser Ortsteilen Waldram und Farchet versorgt werden könnten. Dafür würde kurz vor der Einmündung des Kanals in die Isar das bestehende Gefälle eines Wehrs auf 4,50 Meter erhöht und eine Turbine eingebaut, die mit ungefähr 600 Kilowatt Leistung je nach Betriebsdauer auf mindestens 2 Millionen Kilowattstunden im Jahr käme. Das ist eine eher niedrige Rechnung, die der Geschäftsführer der Tölzer Stadtwerke, Walter Huber, aufmacht. Es war auch schon von möglichen sechs Millionen Kilowattstunden die Rede.

Die Tölzer Stadtwerke sind neben der Eon-Tochter Bayernwerk derzeit 40-prozentiger Partner des Unternehmens „Wasserkraftanlage Farchet GmbH“. Weitere Gesellschafter wie etwa die Stadt Wolfratshausen sind möglich.

Im Juni 2015 hat das Unternehmen die wasserrechtliche Bewilligung zur energetischen Nutzung des Loisach-Isar-Kanals gestellt und optimistisch mit einem Baubeginn im Frühjahr 2017 für das 4,5 Millionen-Euro-Projekt gerechnet. Soweit ist es freilich noch lange nicht.

An dem Verfahren sind vielerlei Fachbehörden beteiligt, erklärt Cornelia Breiter, Sachgebietsleiterin Wasser und Boden im Landratsamt Bad Tölz. Demnach hat die Höhere Naturschutzbehörde in der Regierung von Oberbayern jüngst noch einen umfangreichen Fragenkatalog geschickt. Insbesondere geht es um die Frage, welche Folgen eine Eintiefung des Kanals unterhalb des Wehrs und geplanten Kraftwerks hätte und wie dies verfahrensrechtlich zu bewerten ist. Zudem geht es um die Frage, ob FFH-Gebiete unmittelbar betroffen sind oder nur angrenzen sowie um die jeweiligen Auswirkungen. Deshalb dauert für das Landratsamt als federführende Behörde das Verfahren auch noch an.

Aus rein wasserwirtschaftlicher Sicht signalisiert das Wasserwirtschaftsamt Weilheim nach der Prüfung des Vorhabens Zustimmung zu dem Vorhaben. Hydrologe Markus Hannweber kann keine größeren Knackpunkte erkennen. Schließlich sei der Loisach-Isar-Kanal selbst schon Teil eines künstlichen Wasserleitungssystems. Es wurde vor 1924 in Zusammenhang mit dem Walchenseekraftwerk errichtet und sollte Wolfratshausen und die Loisach entlasten. Auch in der Entstehungsphase des Walchenseekraftwerks sei im Kanal ein kleines Kraftwerk angedacht gewesen, sagt Hannweber. Die Finanzierung ließ das Vorhaben scheitern. Erst jetzt mit der Forderung nach der Energiewende sei das Kraftwerk tatsächlich wieder in den Fokus gerückt. Das Wasserwirtschaftsamt Weilheim befürwortet das und stellt nach den Worten Hannwebers klar: „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.“

Tatsächlich ist in den Worten von Stadtwerke-Chef Walter Huber leise Ungeduld herauszuhören. „Jeder redet zwar davon, dass wir wegmüssen von der Kernkraft und unbedingt die Energiewende brauchen.“ Vor einem Projekt wie einem neuen Wasserkraftwerk schrecke man dann aber zurück.

Die Tölzer Stadtwerke haben Erfahrung mit der Materie. Es ist ziemlich exakt 50 Jahre her, dass man das Stausee-Kraftwerk an der Isar errichtete. Es lieferte bis zu 20 Prozent des Tölzer Stroms und sorgte zu allen Zeiten für eine gewisse Energieautonomie der Stadt. Bis heute ist das Kraftwerk ein wichtiger Baustein bei der Eigenproduktion von umweltfreundlichem Strom.

Christoph Schnitzer

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