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Schöne Bescherung: Die EU hat Kerzen ins Visier genommen.

Interview

Nicht gerade Feuer und Flamme

Bad Tölz – Der Aufreger kam pünktlich zur Weihnachtszeit: Kürzlich erntete die EU Spott und Kritik, weil sie eine Kerzenverordnung ankündigte. Kurier-Redakteur Andreas Steppan fragte in der Tölzer Wachswarenmanufaktur Franz Steinhart nach, wie die EU-Pläne dort ankommen – und erwischte Geschäftsführer Simon Steinhart mitten im Weihnachtsstress.

Hallo Herr Steinhart, Sie sind so kurz vor Weihnachten noch im Stress? Die Kerzen fürs Fest müssten doch längst alle gekauft sein. . .

Das ist jedes Jahr so – die letzten merken eben erst jetzt, dass wieder einmal Weihnachten kommt. Gerade haben wir noch einen großen Auftrag aus dem Hotel Adlon bekommen, die kurzfristig 100 große Kerzen brauchen. Aber ich will mich über den Stress nicht beklagen, es ist ja gut so.

Was halten Sie denn von der geplanten Kerzenverordnung der EU? Daran gibt es im Vorfeld viel Kritik. Doch die Kerzenindustrie selbst begrüßt die Regelungen sogar.

Große Hersteller, die richtige Konsumware herstellen, sind natürlich daran interessiert, dass es Richtlinien gibt, die ihre Standards festlegen, weil sie sich so vor Billigkonkurrenz aus China und Osteuropa schützen können. Für kleine Exoten wie uns sind die Auswirkungen wahrscheinlich eher begrenzt. Auf alle Fälle bin ich dagegen, dass überreglementiert wird. Aber erst mal schauen, was da überhaupt kommt.

Angeblich soll zum Beispiel festgelegt werden, wie hoch eine Kerzenflamme sein darf.

Das ist Blödsinn. Denn wenn der Kunde die Kerze nicht richtig bedient, zum Beispiel den Docht nicht kürzt, kann der Hersteller die Höhe der Flamme ja nicht kontrollieren. Abgesehen davon brauchen Kerzen bei einer bestimmten Dicke auch eine große Flamme, damit die Kerze herunterbrennt.

Und Warnhinweise an die Verbraucher, etwa dass die Kerze einen Halter braucht: Ist das nötig?

Das machen wir sowieso schon seit Jahren, mit Piktogrammen. Man will den Verbraucher ja auch schützen. Ein EU-Entwurf sah schon einmal vor, dass diese Hinweise in allen europäischen Sprachen aufgedruckt werden. Das ist nicht durchführbar.

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