Angelika Spöri Ernährungsberaterin
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Angelika Spöri Ernährungsberaterin

Natur

Nicht nur mehr Geschmack: Warum sich Beerensammeln im Tölzer Land lohnt

Wildbeeren sind deutlich besser als Früchte aus dem Supermarkt. Aber die Gefahr des Fuchsbandwurms wird oft unterschätzt.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Wildbeeren zu finden, ist nicht einfach. „Früher gab es noch mehr wilde Ecken“, sagt Kräuterpädagogin und Ernährungsberaterin Angelika Spöri, die in Kochel am See regelmäßig Natur- und Kräuterführungen anbietet. Dabei punkten die frisch gesammelten Früchte mit vielen Vorteilen gegenüber den Beeren aus dem Supermarkt – wenn man einen wichtigen Ratschlag beherzigt.

„Früher gab es noch mehr wilde Ecken“

Schon Anfang Juni haben im Wald Erdbeeren, Himbeeren und Brombeeren Saison. Jetzt im Herbst ließen sich Spöri zufolge Holunderbeeren, Hagebutten, Weißdorn und Berberitzen finden. Es gibt aber auch einige giftige Beeren, zum Beispiel die Tollkirsche oder die Vogelbeere. „Die Vogelbeere ist aufgrund der enthaltenen Parasorbinsäure leicht giftig. Die Säure zerfällt aber, wenn man die Früchte trocknet oder kocht“, erklärt die Expertin. Dann seien die Beeren gut essbar. Bei Holunder sollte auf einen Verzehr in rohem Zustand ebenfalls verzichtet werden. Es könnte sonst zu „extremen Durchfall“ kommen, so Spöri.

Fuchsbandwurm als Gefahr bei Wildbeeren

Auf die Suche nach Waldbeeren sollte sich ihrer Meinung nach deshalb auch nur derjenige begeben, der sich auf diesem Gebiet „wirklich auskennt“. Nicht nur, um nicht versehentlich eine giftige Beere zu sich zu nehmen. Bei Wildbeeren stellt darüber hinaus der Fuchsbandwurm eine weitere Gefahr dar. Durch den Verzehr der gesammelten Früchte besteht das Risiko, sich mit diesem zu infizieren, erklärt Spöri. Oftmals treten die Krankheitssymptome erst Jahre später auf, wenn der Wurm die Organe bereits befallen hat. In Bayern bewegten sich die Fallzahlen pro Jahr zwar im einstelligen Bereich. Die Eglingerin appelliert trotzdem, die Gefahr nicht zu unterschätzen.

„Reines Waschen reicht nicht aus“

Um sich vor dem Fuchsbandwurm zu schützen rät die Expertin Folgendes: Die Waldbeeren sollten vor dem Verzehr kurz abgekocht werden. „Reines Waschen reicht hingegen nicht aus“, mahnt die Ernährungsberaterin. Spöri weist außerdem darauf hin, dass nur das Pflücken von Waldbeeren für den Eigenbedarf erlaubt ist. Bei größeren Mengen und oder dem Sammeln für den Verkauf sei eine Genehmigung erforderlich. Die Expertin empfiehlt außerdem, nur „so viel zu pflücken, wie man selbst verbraucht“. Nicht nur aus Rücksicht auf andere Sammler, sondern auch auf die Waldbewohner. Die Wildbeeren stellen nämlich eine Nahrungsquelle für Tiere da, unter anderem für Vögel.

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Trotzdem lohnt es ich laut Spöri, die Früchte selbst in der Natur zu sammeln. Denn zwischen Waldbeeren und den im Handel erhältlichen Exemplaren bestehe ein „gewaltiger Unterschied“. Nicht nur in puncto Geschmack schlägt ihrer Meinung nach die Waldbeere ihre Konkurrentin aus dem Supermarkt um Längen. Auch bei den Inhaltsstoffen können die wilden Vertreter punkten. Sie enthalten eine „Fülle an sekundären Pflanzenstoffen“. Die von der Pflanze produzierten Schutzstoffe wirkten sich positiv auf Immunsystem aus. Lediglich bei der Größe der Früchte können die Beeren aus der freien Natur nicht mit den im Laden erhältlichen mithalten. Für die gesammelten Beeren kennt die Ernährungsberaterin etliche Verwendungsmöglichkeiten. Wer es ganz klassisch mag, könne aus den gesammelten Früchten Marmelade herstellen. Möglich seien aber auch Mus, Likör oder Brot mit Wildbeeren. Für die Vogelbeeren hat Spöri einen Geheimtipp: „Sie eigenen sich hervorragend als Preiselbeerersatz.“ Nicht nur zu Wildgerichten ein beeriger Genuss. (Franziska Selter)

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