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Amtsgericht 

„Nicht Sie bestimmen, was die Frau macht“

Gut zehn Monate währte die Liaison zwischen einem 21 Jahre alten Syrer und einer 18-jährigen Rumänin. Doch in dieser Zeit musste die junge Frau einiges einstecken. Nun hatte die Beziehung ein Nachspiel vor Gericht.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Gleich sechs Punkte umfasste die Anklageschrift gegen den Asylbewerber, der sich wegen vorsätzlicher und gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung, Beleidigung und Bedrohung vor dem Jugendrichter verantworten musste. Der Mann wurde zu zwei Wochen Dauerarrest sowie der Teilnahme an einem sozialen Trainingskurs verurteilt.

Die meisten gegen ihn erhobenen Anschuldigungen wies der Beschuldigte von sich. „Nein, ich habe sie da nicht geschlagen“, sagte er zum ersten Anklagepunkt, er habe seine Freundin am Radlweg nach Lenggries geohrfeigt. „Aber wir hatten Streit wegen der Art, wie sie sich kleidet“, räumte der 21-Jährige ein, dass ihm die kurzen Shorts des Mädchens missfielen.

„Er wollte mir alles vorschreiben, was ich anziehe, was ich mache, mit wem ich rede...“, bestätigte die Geschädigte, die ihren Ex als „sehr eifersüchtig und besitzergreifend“ beschrieb. So setzte es eine Watschen wegen eines Instagram-Accounts, den die 18-Jährige ohne seine Zustimmung eingerichtet hatte. Beim nächsten Mal habe er sie mit einem Flip Flop so heftig geschlagen, dass die Sandale dabei zu Bruch gegangen sei.

Der Angeklagte stützte seinen Kopf auf die linke Hand, mit der rechten malte er kleine Kreise auf die Tischplatte. Seine Mimik verriet keinerlei Emotionen, während er den Schilderungen der Zeugin zuhörte. Am 21. Juni vorigen Jahres entlud sich seine Eifersucht besonders krass. Als eine von ihm initiierte Aussprache an der Isarpromenade vom Anruf eines anderen Mannes gestört wurde, schmiss er voller Wut das Handy des Mädchens in den Fluss. „Er hat mich an den Haaren gezogen und auf den Boden gerissen. Er hat mich als Nutte beschimpft, geschlagen und mit dem Fuß gegen die Brust getreten“, schilderte das Opfer den Vorfall, der die Beziehung zwischen den beiden endgültig beendete.

Als ihr Stiefvater und einige Asylbewerber eingriffen und die Polizei riefen, flüchtete der Beschuldigte, der diesen Exzess als einzigen Punkt der Anklage unumwunden zugab. Die Frau zog sich bei der Aktion Prellungen an Kopf, Brust und Becken zu.

„Es hat sich für mich so dargestellt, dass es kulturelle Differenzen gab und er ihr seine arabischen Ansichten aufzwingen wollte – und das mit Gewalt“, sagte eine Polizistin vor Gericht. Diese Auffassung vertrat auch der Richter. „Es mag sein, dass in anderen Kulturen Frauen in den Besitz des Mannes übergehen, bei uns ist das anders. Und es ist auch für Sie unausweichlich, diese Tatsache zur Kenntnis zu nehmen“, erklärte Urs Wäckerlin dem Angeklagten, nachdem er ihn zu zwei Wochen Arrest verurteilt hatte. „Nicht Sie bestimmen, was die Frau macht, wie sie sich kleidet, ob sie arbeitet oder nicht“, wies er mit Nachdruck auf „das elementare Recht der Frau auf Selbstbestimmung“ hin.

Um das zu verinnerlichen, halte er die von der Jugendgerichtshilfe angeregte Teilnahme am „Sozialen Trainingskurs Asyl“, der „die hier geltenden Normen und Verhaltensregeln vermittelt“, ebenfalls für sinnvoll und nötig.

Rudi Stallein

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