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Kriminalitätsstatistik

„Nichts, was das Sicherheitsgefühl beeinträchtigen müsste“

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Bad Tölz - Kein anderer Landkreis im südlichen Oberbayern ist so sicher wie Bad Tölz-Wolfratshausen. Das zeigt die Kriminalitätsstatistik. Das Empfinden der Menschen ist manchmal trotzdem ein anderes.

Der Zuzug von Asylbewerbern hat den Landkreis im vergangenen Jahr nicht unsicherer gemacht. Das zeigt die Kriminalstatistik, die das Polizeipräsidium Oberbayern vor wenigen Tagen vorgelegt hat (wir berichteten). Demnach gibt es mit 1,5 Prozent keinen relevanten Anstieg der Straftaten, ihre Zahl bleibt konstant auf einem im bayernweiten Vergleich sehr niedrigen Niveau. Manche Bürger haben einen anderen Eindruck, fühlen sich wegen der Flüchtlinge nicht mehr so sicher wie früher und glauben, dass Asylbewerber überdurchschnittlich viele Straftaten begehen. Der Tölzer Kurier sprach darüber mit Bernhard Gigl, dem Chef der Tölzer Polizeiinspektion.

Bernhard Gigl, Chef der Tölzer Polizei

Herr Gigl, Statistik auf der einen Seite, subjektives Sicherheitsempfinden auf der anderen Seite: Das steht teils im Widerspruch. Wie bewerten Sie das?

Bernhard Gigl: Auf jeden Fall ist es nicht so, dass die Straftaten von Flüchtlingen in einem Maße auffällig wären, dass sie das Sicherheitsgefühl der Menschen beeinträchtigen müssten. Wenn es in dieser Gruppe Straftaten gibt, dann nicht in einer besonders großen Zahl, und sie finden auch überwiegend untereinander statt – wobei es da ebenfalls keine besondere Häufung gab.

Einige Vorfälle haben aber doch für Verunsicherung gesorgt. . .

Gigl: Wir sind gerade noch einmal durchgegangen, welche Fälle es waren, die mehr Aufsehen erregt haben. Da war einmal die Situation, als junge Asylbewerber in Lenggries auf unpassende Art Mädchen angesprochen haben. Das war aber nicht im strafrechtlich relevanten Bereich. Dann gab es eine Beleidigung auf sexueller Basis in der Tölzer Jahnstraße, als ein Asylbewerber eine vorbeigehende junge Frau angetatscht hat. Zudem hat ein jugendlicher Asylbewerber eine 13-Jährige auf einem Tölzer Spielplatz belästigt. Das hat Staub aufgewirbelt. Es gibt zudem zwei bis drei Jugendliche aus einer Tölzer Unterkunft, mit denen es gelegentlich Probleme gibt. Sie waren in einen Raub an der Unterführung am Bahnhof verwickelt. Sie haben einem anderen jungen Flüchtling den Geldbeutel aus der Tasche gezogen. Alles das ist aber nichts, was einen befürchten lassen muss, dass man auf offener Straße bestohlen oder angegangen wird. Es ist auch beileibe nicht so, dass man sich nicht mehr trauen könnte, mit der BOB zu fahren.

Trotzdem halten sich hartnäckig Gerüchte und Behauptungen, es gebe deutlich mehr Straftaten von Asylbewerbern. Ist denn gar nichts dahinter?

Gigl: Natürlich sind die Flüchtlinge nicht alle Heilige, es begeht sicher auch mal einer einen Ladendiebstahl – es kommt aber nicht in gehäuftem Maße vor. Es ist schwer, gegen solche Parolen anzukommen. Bei Ihnen heißt es dann ,Lügenpresse‘, uns wird eine Verdeckung unterstellt. Es ist eben schwer zu beweisen, dass etwas nicht stattgefunden hat. Viele Äußerungen entsprechen aber einfach nicht den Tatsachen.

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