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Die Führungsspitze des Kreisverbands der Raiffeisenbanken (Raiba): (v. li.) Manfred Klaar (2. Vors. Raiba Oberland), Hansjörg Hegele (Vorstandsvors. Raiba Tölzer Land), Christian Glasauer (Vorstandsvors. Raiba Eurasburg/Beuerberg), Manfred Gasteiger (Vors. Kreisverband/2. Vors. Raiba Tölzer Land), Johann Gröbmair (2. Kreisverbands-Vors., Vorstandsvors. Raiba Isar-Loisachtal), Uwe Massong (Vorst. Raiba Isar-Loisachtal), Daniela Strixner (Geschäftsstellenleiterin Münchner Bank), Mario Bäsler (Vorst. Raiba Eurasburg/Beuerberg). 

Volks- und Raiffeisenbanken

Niedrigzins: Privatanleger müssen reagieren

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Zwölf Jahre dauerte es früher, bis ein Anleger sein Kapital verdoppelt hatte. Bei der heutigen Zinslage sind es mehr als 145 Jahre. Diese und andere Zahlen präsentierte der Vorstand des Kreisverbands der Raiffeisenbanken beim Rückblick auf das abgelaufene Geschäftsjahr.

Bad Tölz– 2016 war ein gutes Geschäftsjahr für den Kreisverband der Raiffeisenbanken: Die Bilanzsumme lag mit einem Plus von 6,3 Prozent weit über dem Durchschnitt in Bayern. Und im Kreditgeschäft verzeichneten die angeschlossenen Institute eine so hohe Wachstumsrate wie noch nie (siehe unten). Trotzdem blickt der Vorstandsvorsitzende Manfred Gasteiger nicht uneingeschränkt positiv in die Zukunft.

Das liegt vor allem an der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), erklärte Gasteiger gestern bei einem Bilanz-Pressegespräch. „Diese hat für gesunde Banken wie wir es sind dramatische Folgen.“ Denn bereits seit September 2014 erhalten Geldinstitute, wenn sie bei der EZB Geld hinterlegen, keine Gutschrift mehr dafür. Im Gegenteil: Sie müssen sozusagen Parkgebühren, sogenannte Negativzinsen, zahlen. Seit März 2016 liegt der Zinssatz bei minus 0,4 Prozent. Kleine und mittelgroße Banken befürchten vor diesem Hintergrund laut Gasteiger einen Ertragsrückgang bis 2019 um rund 25 Prozent.

„Wir reagieren auf diese Entwicklungen so, wie man es von vernünftigen Kaufleuten erwarten darf“, sagte Gasteiger. „Durch Kostenoptimierung und die Erschließung alternativer Ertragsquellen.“ Das heiße jedoch nicht, dass Personal abgebaut werde, betonte Gasteiger auf Nachfrage. „Entlassungen sind definitiv nicht geplant.“ Auch keine der 22 Filialen solle in nächster Zeit geschlossen werden. Vielmehr gehe es darum, interne Arbeitsprozesse dank entsprechender EDV-Systeme effizienter zu gestalten. Was es mit den alternativen Ertragsquellen auf sich hat, will Gasteiger zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht konkretisieren. Ein ganz klares „nein“ gab es dagegen auf die Frage, ob es geplant sei, die Negativzinsen an die Kunden weiterzugeben. „Das wollen wir so lange wie möglich vermeiden.“

Das niedrige Zinsniveau zwingt indes nicht nur die Banken dazu, aktiv zu werden und zum Beispiel ihre Kosten zu optimieren. „Auch die Privatanleger müssen darauf reagieren.“ Als Beispiel nannte Gasteiger die Altersvorsorge. Dafür müssen die Menschen wegen der schlechten Verzinsung inzwischen deutlich mehr zurücklegen als früher, sonst droht Altersarmut. „Eine frühzeitige Planung der privaten Vorsorge wird immer wichtiger.“ Dabei brauchen die Anleger aus Sicht von Gasteiger die Beratung von Fachleuten. Das gelte auch für Geldanlagen wie Aktienfonds, die wegen der besseren Renditen im Vergleich zum klassischen Sparbrief immer mehr an Bedeutung gewinnen.

In diesem Zusammenhang hatte Gasteiger ein überraschendes Rechenbeispiel im Gepäck: Wer vor wenigen Jahren eine Summe x in so einem Sparbrief angelegt hat, konnte davon ausgehen, dass sich sein Kapital innerhalb von zwölf Jahren verdoppelte. „Beim heutigen Zinssatz muss ein Sparer nicht weniger als 145 Jahre warten, um den gleichen Effekt zu erzielen.“

Ebenfalls überraschend war Gasteigers Antwort auf die Frage, welche Filiale am meisten frequentiert sei: „Unsere Homepage.“ Trotz der Digitalisierung ist er überzeugt: „Das Bankgeschäft lebt auch heute noch vom Vertrauen von Mensch zu Mensch.“ 

Die 22 Geschäftsstellen im Kreisverband erwirtschafteten im abgelaufenen Geschäftsjahr 2016 eine Bilanzsumme in Höhe von rund 1,35 Milliarden Euro (+ 6,3 Prozent). In den Filialen arbeiten 373 Mitarbeiter, darunter 21 Auszubildende.

Die 56 734 Kunden haben den Instituten im Kreisverband 1,8 Milliarden Euro (+ 9,5 Prozent) in Form von Einlagen anvertraut. 1,4 Milliarden Euro (+ 8,4 Prozent) haben die Volksbanken und Raiffeisenbanken an Krediten vergeben – so viel wie noch nie.

150 685 Euro hat der Kreisverband an Einrichtungen und Projekte in der Region gespendet.

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