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Auch das Kurhaus wurde am Montagabend rot beleuchtet.

„Night of Light“ im Tölzer Land

Alarmstufe Rot

  • Melina Staar
    vonMelina Staar
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Mit rot angestrahlten Gebäuden wurde auch in Bad Tölz am Montagabend auf die kritische Lage der Veranstaltungswirtschaft hingewiesen.

Bad Tölz – Einige Gebäude in Bad Tölz erstrahlten Montagnacht in rotem Licht – Kurhaus, Stadtmuseum, Marionettentheater und auch „Starnräu“, „Gasthaus“ und „Jailhouse“. Das stimmungsvolle Spektakel hat aber einen ernsten Hintergrund. Mit der „Night of Light“ möchte die Veranstaltungswirtschaft auf ihre prekäre Lage aufmerksam machen.

„Wir waren die ersten, die runtergefahren wurden und sind die letzten, die wieder hochgefahren werden“, sagt Sebastian Garreis von CN-Mediatec in Bad Tölz. Das Unternehmen für technische Ausrüstung bei Veranstaltungen sorgte an diesem Abend für das Licht. „An unserer Branche hängt ein breites Spektrum an Betrieben dran, die jetzt alle quasi ein Berufsverbot haben.“ Auch nach neuerlichen Lockerungen sei für die Veranstalterbranche kein kostendeckendes Arbeiten möglich. Garreis’ Firma war nun wieder bei Autokinos als Ausrüster tätig. „Aber das deckt nicht die Kosten. Auch die, die ordentlich gewirtschaftet haben, laufen jetzt Gefahr, hops zu gehen.“

„Night of Light“: Spezielle Hilfen für die Branche sind notwendig

Er verstehe die Verordnungen voll und ganz. „Der Schutz der Gesundheit ist wichtiger als Geld.“ Aber die Politik müsse über spezielle Hilfen für die Branche nachdenken, in der Betriebe bis zu 80 Prozent Umsatzeinbußen hätten. Hilfen, die über die Corona-Soforthilfe und Kurzarbeit hinausgehen.

Auch der „Starnbräu“ an der Marktstraße in Bad Tölz beteiligte sich an der Aktion.

Er selbst nutze mit seinen Kollegen die Zeit so gut wie möglich, sagt Garreis. Zum einen könne man jetzt Reflektieren und so neue Impulse bekommen. Außerdem habe man die Lagerräume renoviert und ein neues Lagersystem etabliert. „Das sind alles Arbeiten, zu denen man sonst nicht kommt. Wir können uns noch beschäftigen“, sagt er lachend. „Aber es sind keine Einnahmen möglich. Und dadurch schmilzt auch unser Polster, das wir uns durch sauberes Wirtschaften erarbeitet haben.“

Schlimmer treffe es viele Kleinkünstler und Veranstalter, sagt Garreis. „Ich weiß von Solo-Selbstständigen, die sich mit Burger-Verkaufen oder Rasenmähen über Wasser halten.“ Manche andere würden von Hartz IV leben und daher kleinere Jobs gar nicht erst annehmen. „Das ist das Ergebnis falscher Sozialpolitik.“

Veranstaltungswirtschaft: „Der Markt wird sich neu ordnen“

Resonanz gab es übrigens durchaus auf die beleuchteten Gebäude. „Es waren schon Leute da. Wir hatten auch eine Tafel aufgestellt, auf der wir erklärt haben, worum es geht. Das haben sich einige durchgelesen.“

Garreis rechnet damit, dass einige aus der Branche die Krise nicht überstehen werden. „Der Markt wird sich neu ordnen: Kleiner, mit weniger Veranstaltungen.“ Er hofft jetzt auf schnelles Einschreiten der Politik. „Über diesen Zweig wird einfach nicht nachgedacht, das ist sehr schade.“

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