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Nur wenige Millimeter ist ein Borkenkäfer groß. Die Schäden, die er anrichten kann, sind oft verheerend.

Borkenkäfer

„Noch ist der Befall gering“

Bad Tölz-Wolfratshausen - Menschen, die schlechtem Wetter Gutes abgewinnen können, gibt es selten. Rudolf Plochmann, Chef des Tölzer Forstbetriebs der Bayerischen Staatsforsten, ist einer davon. Der Grund: „Was die Badeseebesucher ärgert, ist das Glück des Försters. Denn Kälte und Feuchte mag der Borkenkäfer nicht.“

Buchdrucker und Kupferstecher, diese als Borkenkäfer bekannten Insekten halten Waldbesitzer und Förster Jahr für Jahr in Atem. Die von ihnen verursachten Schäden können verheerende Ausmaße annehmen. Johann Killer, Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung (WBV) Wolfratshausen, erklärt die rasante Ausbreitung der Schädlinge: „400 Käfer reichen aus, um eine Fichte zum Absterben zu bringen. Aus einem befallenen Käferbaum können schnell zehn werden, denn unter optimalen Bedingungen kann ein Weibchen innerhalb eines Jahres 100 000 Nachkommen in die Welt setzen.“

2015 waren die Bedingungen optimal: Begünstigt durch Trockenheit, hohe Temperaturen und das Sturmtief „Niklas“ konnten sich die Insekten rasch vermehren. Mit einer derart gestärkten Käferpopulation schienen die Grundbedingungen Anfang 2016 denkbar schlecht. „Doch das milde und feuchte Klima hat der Ausbreitung der Käfer zumindest einen Dämpfer verpasst“, sagt Wolfgang Neuerburg, Bereichsleiter Forsten am Landwirtschaftsamt Holzkirchen.

Größte Schäden in Königsdorf und Geretsried

Laut Killer gibt es derzeit nördlich von Bad Tölz und Bad Heilbrunn Borkenkäfer-Populationen. „Die schlimmsten Schäden sind bei Königsdorf und Geretsried entstanden.“ Dort gebe es über 150 dokumentierte Befallsherde. Bislang sei man glimpflich davon gekommen. Das bestätigt Michael Lechner, Vorstand der WBV Holzkirchen. „Toi, toi, toi, noch ist der Befall gering.“

Das sei aber kein Grund zur Entwarnung. Im Gegenteil: Nun beginne die heiße Phase, warnt Killer. Auch Lechner sagt: „In zwei, drei Wochen kann das schon ganz anders ausschauen.“ Denn im Südlandkreis verzögere sich durch die höhere Lage der Schwärmflug der Käfer, ergänzt Killer. Mitte Juni habe dieser nun aber auch in den höheren Regionen begonnen. „Jetzt ist der optimale Zeitpunkt, um die Wälder nach Bohrmehl abzusuchen.“ Auch Neuerburg rät dringend zur genauen Kontrolle der Wälder. „Es herrscht überall die rote Stufe, der Käfer kann überall auftreten.“

Die Grundvoraussetzungen zur Bekämpfung sind keine schlechten. Forstbetriebs-Chef Plochmann ist optimistisch: „Wir haben einen Vorsprung und sind gut vorbereitet.“ Das Gebiet der Staatsforsten wird von Waldarbeitern nach Spuren der Plagegeister untersucht. Zudem werden die Wälder beflogen. Dies ist notwendig, da die Verfärbungen von vom Kupferstecher befallener Bäume von oben nach unten verläuft. Eine zuverlässige Früherkennung vom Boden aus ist kaum möglich.

Doch all das ist nur eine Ergänzung der Arbeit der Waldbesitzer. Für Killer ist die wöchentliche Begehung der Wälder durch die Besitzer von zentraler Bedeutung. „Es gibt da ganz vorbildliche Personen, andere kommen der Aufgabe jedoch gar nicht nach. Viele haben noch keine großen Erfahrungen mit dem Borkenkäfer gemacht und nehmen ihn deshalb nicht ernst genug.“

Ist bei einem Baum Käferbefall festgestellt, so ist Eile geboten. Dieser müsse umgehend gefällt und mit Rinde aus dem Wald gebracht werden, nur so kann der Befall anderer Bäume verhindert werden. Zudem ist die rasche Verarbeitung der „Käferbäume“ zwingend erforderlich, da nur für frisches und noch unverfärbtes Holz gute Preise erzielt werden können.

Apropos Holz: Viele Waldbesitzer, sagt Lechner, seien im Moment äußerst zurückhaltend, wenn’s ums Fällen geht – eben weil nicht klar ist, wie sich die Käferlage entwickelt. „Das macht mir schon ein wenig Sorge.“ Denn der WBV Holzkirchen wird derzeit so wenig Holz angeboten, dass „wir unsere Verträge mit den Sägewerken nicht einhalten können“. Dabei sei der Bedarf an Holz, vor allem als Baustoff, „gigantisch“.

Veronika Ahn-Tauchnitz

Markus Henseler

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