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Zu den Schusswaffen, die im Landratsamt abgegeben wurden, zählte auch dieser historische Zimmerstutzen.

Noch gilt die Amnestie-Regelung

Hunderte Waffen werden abgegeben

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Bis zum 1. Juli 2018 können illegale Waffen und Munition noch abgegeben werden, ohne dass man mit einer Strafe rechnen muss.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Gewehre, Pistolen, Revolver – die Auswahl an Lang- und Kurzwaffen, die derzeit bei der Waffenbehörde im Landratsamt abgegeben werden, ist groß. Eine Änderung des Waffengesetzes und die damit verbundene Amnestie macht es nun möglich, noch bis 1. Juli 2018 Waffen und Munition abzugeben, für die man keine Genehmigung hat – und das ohne Kosten und ohne eine Strafe befürchten zu müssen. „Wir appellieren an all diejenigen, die noch illegale Waffen oder Munition besitzen, diese unbedingt abzugeben“, sagt Toni Stowasser, Leiter der zuständigen Behörde im Tölzer Landratsamt.

Bei diesen Waffen handelt es sich oft um Erbschaften. Etwa ein Kriegsrelikt, das der Opa noch zu Hause hatte, wie Stowasser weiß. Die Erben könnten meist ohnehin nichts damit anfangen. Handle es sich um angemeldete Waffen, muss die Besitzkarte laut Stowasser abgemeldet werden. Aber auch Munition, die irgendwo gefunden wurde, muss abgegeben werden, damit man sich nicht strafbar macht.

Die Schusswaffen können nicht nur ins Landratsamt gebracht werden, auch die örtlichen Polizeidienststellen nehmen diese jederzeit entgegen. Ein Angebot, von dem allerdings eher selten Gebrauch gemacht wird, wie der Tölzer Polizeichef Bernhard Gigl berichtet. „Wir hatten bisher nur einen Anruf. Da hatten Leute eine Art ,Schussapparat‘, also nicht mal eine richtige Waffe, im Erbe gefunden“, erinnert er sich. Die Beamten seien dann einfach zu den Anrufern gefahren und hätten das Ding sichergestellt.

Generell gebe es aber schon ein paar Sachen zu beachten, wenn man bei der Polizei ein illegales Stück abgeben möchte. Logischerweise ist es keine kluge Idee, mit einer Waffe in der Hand in die Polizeiinspektion zu marschieren: „Die Waffe muss immer in einem versperrten Kasten transportiert werden und darf auf gar keinen Fall offen getragen werden“, sagt Gigl. Im Zweifelsfall sei es ratsam, vorher bei der Polizei anzurufen.

Wesentlich mehr Waffen werden direkt im Landratsamt abgegeben. Alles, was Stowasser in Obhut nimmt, wird zuerst auch dort gelagert. „Wenn wir genügend zusammen haben, bringen wir diese gesammelt ins Landeskriminalamt nach München“, so der Leiter der Waffenbehörde. „Bis zu viermal jährlich fahren wir da hin.“ Rund 100 Waffen werden dann jedes Mal abgegeben.

In München werden die Gewehre, Pistolen & Co. laut Stowasser auseinandergebaut und der Spezialstahl dem Recycling zugeführt. So werden aus den ehemaligen Waffen später unter anderem Eisenbahnschienen. Außergewöhnliche Modelle erhalten sogar einen Platz in der Spezialsammlung des Landeskriminalamts.

Solange die Amnestie gilt, werden Sanktionen vermieden, sollten Waffen oder Munition doch im Rahmen einer Kontrolle entdeckt werden. Stowasser warnt allerdings davor: „Wer die Waffe oder Munition lediglich unbrauchbar macht, kann trotzdem belangt werden.“ Denn eines ist klar: „Der unerlaubte Besitz von Schusswaffen und Munition kann mit Geld- oder Freiheitsstrafe geahndet werden.“ Daher sollte man nicht warten, sondern die Waffen gleich abgeben.

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