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Lastwagen und Motorradfahrer sind den Anwohnern der Tölzer Nockhergasse ein Dorn im Auge.

Nockhergassen-Anlieger wehren sich gegen Verkehrslärm

„Wir sind die Opfer der Marktstraße“

Sie haben den Lärm und die Abgase satt: Die Nockhergassen-Anwohner wollen sich den stetig wachsenden Verkehr nicht mehr gefallen lassen und fordern Abhilfe von der Stadt. Der Bürgermeister versteht den Ärger, weiß aber auch keine rechte Lösung.

Bad Tölz – In den 1980er-Jahren wurde mit der erweiterten Osterleite und der Nockhergasse eine Art Mittlerer Ring in Tölz geschaffen. Er war Voraussetzung für die Schaffung der Fußgängerzone Marktstraße. Sie ist seitdem zur Touristenattraktion geworden. „Und wir“, fasst es Elisabeth Detter von der gleichnamigen Bäckerei drei Jahrzehnte später bei einem Treffen der Nockhergassen-Anwohner im Tölzer Kurier zusammen, „wir sind die Opfer.“

Obwohl es kurzfristig einberaumt wurde, kommen 15 Bürger in die Redaktion, um über den immer mehr wachsenden Verkehrslärm und Abgase Klage zu führen. Margit Rothkirch-Fengler hat sich zuvor brieflich ans Rathaus gewandt, ist aber mit der Antwort – darunter eineinhalb eng beschriebene Seiten mit allgemeinen Verkehrsparagrafen – nicht zufrieden. „Wir Nockhergassler sind vergessen und abgehängt.“

Dass der allgemeine Verkehr immer mehr zunimmt, ist eine Feststellung, die in der Runde nicht geleugnet wird. Was die Gruppe nicht versteht: Warum dürfen Lastwagen, die bis 2008 verboten waren, nun wieder durch die Nockhergasse? „Ab 5 Uhr früh“, sagt Ursula Schmid, fängt der Lieferverkehr am Morgen an. Richtiggehend zornig sind die Nockhergassler auf die Motorradfahrer. Gemeint sind nicht nur die vielen Durchfahrer an den Wochenenden, sondern vor allem die „Brunft- und Balz-Fahrer“, die feierabends gern immer im Kreis und möglichst mit vielen Fehlzündungen durch die Altstadt rasen. Die enge Gasse wirkt dabei wie ein Schalltrichter. „Und gefährlich ist es auch“, sagt Christa Pölt. In der Gruppe wird an das frühere Motorradverbot in der Ludwigstraße, immerhin einer Bundesstraße, erinnert. „Für die Kurgäste hat man das doch auch gemacht.“

Verbote alleine richten es nicht, ist den Tölzern klar: Aber man könne mit Tempolimits und strikten Kontrollen schon viel erreichen, regt Thomas Eimansberger an und berichtet von Hagnau am Bodensee, wo – äußerst wirksam – feste Blitzgeräte entlang der Durchgangsstraße installiert sind. „Man könnte auch wie in der Buchener Straße versetztes Parken machen.“

Bürgermeister Josef Janker hat Verständnis für den geschilderten Ärger, allein: „Ich habe da keine Lösung.“ Mit Verboten würden Lastwagen und Motorräder nur umgeleitet und das Problem weitergereicht. Eine zweite Brücke am Stausee, die auch von der Tölzer CSU schon oft zur Entlastung des Tölzer Nordens gefordert wurde, sieht Janker als „nicht realistisch“ an. Feste Blitzeranlagen seien in Bayern nach den Worten Jankers nicht erlaubt. Hagnau liegt in Baden-Württemberg. Das Stadtoberhaupt kann sich aber vorstellen, dass mit halbstationären Blitz-Anlagen – eine wurde entlang der Bundesstraße 472 getestet – verstärkt kontrolliert wird. Auch das versetzte Parken hält er für denkbar und will es in der Verkehrskommission prüfen lassen. „Da gehen aber dann bestimmt Parkplätze verloren.“ Denkbar seien in dem Zusammenhang auch Sanierung und Ausbau der Nockhergasse, was aber mit Zeit und Kostenanteilen für die Anlieger verbunden sei.

Die Nockhergassen-Anlieger wünschen sich derweil, dass ihr Problem ins Bewusstsein von Stadt und Verkehrsteilnehmern rückt. Und sie wollen sich zusammenschließen, um gemeinsam stark zu sein. In der Stadtapotheke, Säggasse 12, liegt dafür eine Unterschriftenliste für lärm- und abgasgeplagte Anlieger aus. Margot Rothkirch-Fengler bringt es auf den Punkt: „Wir wollen irgendwann auch mal wieder die Fenster aufmachen können.“

Von Christoph Schnitzer

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