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Norbert Blüm hatte bei seinem Auftritt in der Tölzer Franzmühle sichtlich Vergnügen.

Buchvorstellung in der Franzmühle

Norbert Blüm berichtet  von Diktatoren und Schnäppchenjägern

Norbert Blüm berichtet bei der Vorstellung seines Buchs „Verändert die Welt, aber zerstört sie nicht“ in der Tölzer Franzmühle von seiner Kindheit im Krieg und seiner Begegnung mit Augusto Pinochet.

Bad Tölz – Was ist wirklich wichtig im Leben? Norbert Blüm hat es aufgeschrieben. Was wirklich zählt und was den nachfolgenden Generationen geschuldet ist, kann man in dem Buch „Verändert die Welt, aber zerstört sie nicht“ nachlesen. Zur Vorstellung seiner Publikation kam Blüm nun auf Einladung des Katholischen Kreisbildungswerks und des Kolping-Bezirksverbands nach Bad Tölz und fand im Pfarrsaal Franzmühle gespannt und gebannt lauschende Zuhörer.

Kein Wunder, denn riesengroß und unendlich vielseitig ist der Schatz an Erfahrungen, Erkenntnissen, Eindrücken und Gefühlsregungen, auf die der inzwischen 82-jährige Autor in seinen Schilderungen zurückgreifen kann. Blüm, der 16 Jahre lang CDU-Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung unter Bundeskanzler Helmut Kohl war und sich außerhalb dieses Amts nicht minder in vielen sozialen Angelegenheiten engagierte, ließ auch das Tölzer Publikum an seiner ihm eigenen „unverblümten“ Denkweise teilhaben.

Eindringlich und geradezu bildhaft stand sein erster Leseabschnitt im Raum: Die Erinnerungen an seine Kindheit im Krieg, ein Aufenthalt mit Mutter und Bruder in einem Luftschutzkeller, dessen Tür sich nach dem Bombeneinschlag nicht mehr öffnen ließ, die Rettung und anschließende Flucht in den Keller der Adam Opel AG. „Kein Schritt davon ist vergessen“, resümierte Blüm. „Krieg ist das Schlimmste.“

Die Zuhörer lauschten Blüms Ausführungen gebannt.

Er habe seine Lektion gelernt bei einer Europa-Kundgebung 1952, wo sich Vertreter aller europäischen Länder um das Rednerpult versammelt hatten – „jedem fehlte ein Körperteil.“ Und trotz all dem durchlittenen Leid „geht heute wieder der Virus des Nationalismus durch die Welt.“

Grausam war auch die Machtausübung des chilenischen Diktators Pinochet. 1987 reiste Blüm in das südamerikanische Land, wo es zu einem Treffen mit dem General kam. Mit offener Kritik konfrontiert, habe Pinochet versucht, sich reinzuwaschen. Er wies darauf hin, dass er jeden Tag zum Gekreuzigten bete. Worauf er, Blüm, ihm geantwortet habe: „Der kennt jeden, den Sie umgebracht haben.“ Letztlich hätten damals durch seinen Einsatz 16 zum Tode Verurteilte gerettet werden können.

Als drittes Beispiel menschlicher Irrungen trug der Autor die Geschichte von seinem Onkel Adolf vor. Der war treues KPD-Mitglied. Auch dann noch, als er wegen Essensgaben an Fremdarbeiterinnen ins KZ gebracht wurde. „Nach seiner Rückkehr schimpfte er wie zuvor über Pfaffen, Kapitalisten und Faschisten.“

Aus diesen und weiteren Lebenserfahrungen heraus habe sich Blüm „auf einem christlichen Fundament als furchtloser sozialer Kämpfer gezeigt“, wie 3. Bürgermeister Christof Botzenhart anführte. „Ich kämpfe für Europa“, betonte der „linke Konservative“, wie Blüm sich selbst bezeichnet. „Denn keine unserer großen Aufgaben kann von einer Nation allein gelöst werden.“ Trotz Vereinigung müssten die regionalen Identitäten aber gewahrt werden.

Eine der größten Versuchungen der Menschheit sei „Gott Mammon“. Mit Beispielen, wie etwa in der Dritten Welt von Konzernen Land aufgekauft und Wasser privatisiert wird, untermauerte Blüm die verhängnisvolle Gier nach Geld und Macht ebenso wie die mit der im Großen und Kleinen verbreiteten Sucht der Schnäppchenjagd. Auf die Gesinnung der Menschen komme es an, so wie damals in der DDR, als die Bürger riefen: „Wir sind das Volk.“

Und jeder Einzelne zähle, ist Blüm überzeugt und gibt deshalb am Ende seines Buchs seinen Enkeln – für die hat er seine Erfahrungen aufgeschrieben – Ratschläge mit auf den Weg: Bei allen Veränderungen die Liebe voranzustellen, Gemeinschaftssinn und Hartnäckigkeit zu zeigen, Grenzen zu erkennen, die Menschenrechte zu achten, den Krieg zwischen Natur und Menschheit zu beenden.

Rosi Bauer

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