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Die Feldlerche nistet im Südlandkreis nur am ehemaligen Greilinger Flugplatz. 

Bund Naturschutz

Nordspange: Sorge um die Feldlerche

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Bad Tölz - Der Bund Naturschutz hat große Bedenken gegen die Nordspangen-Planung, weil sie den lebensraum diverser Tier- und Pflanzenarten beeinträchtigen würde. Das Staatliche Bauamt dagegen sieht den Artenschutz gewährleistet.

Große Erwartungen, aber auch viele Befürchtungen sind mit der geplanten Tölzer Nordspange verbunden. Mit der Beantwortung der über 100 Einwendungen, die gegen das Projekt eingegangen sind, liege das Staatliche Bauamt Weilheim „in den letzten Zügen“, erklärt Abteilungsleiterin Christine Volkmer. Voraussichtlich bis Ende April habe die Behörde wohl Antworten auf sämtliche Eingaben im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens erarbeitet. Volkmer rechnet damit, dass die Regierung von Oberbayern dann im Sommer oder Herbst den Erörterungstermin anberaume. Dabei werden alle Einwände und Stellungnahmen dazu öffentlich abgewogen – es ist der nächste große Schritt in Richtung Baugenehmigung.

Breiten Raum werden dabei auch Fragen des Natur- und Artenschutzes einnehmen. Während mancherorts gespöttelt wird, wie die Haselmaus das Verfahren verzögerte, weist der Bund Naturschutz eindringlich auf die Auswirkungen auf Tiere und Pflanzen hin.

Maßgeblich an der offiziellen Stellungnahme des BN beteiligt war der Tölzer Ortsvorsitzende Achim Rücker. Grundsätzlich erkennt der Biologe zwar an, „dass die Verkehrssituation auf der Flinthöhe katastrophal ist und man da etwas machen muss“. Doch mit der konkreten Planung des Bauamts ist er nicht zufrieden.

Zu seinen Hauptkritikpunkten zählt der „wahnsinnige Flächenverbrauch“ und dass „viel Wald gerodet wird“. Zudem sieht er die Lebensräume mehrerer Tier- und Pflanzenarten beschnitten. An erster Stelle nennt er die Feldlerche. Die geplante Nordspangen-Trasse soll über den ehemaligen Greilinger Flugplatz führen. „Dort gibt es ein paar Brutpaare der Feldlerche – und sonst bei uns im Südlandkreis nirgendwo mehr“, so Rücker.

„Dafür ist eine der wichtigsten Ausgleichsmaßnahmen vorgesehen“, betont dazu Christine Volkmer. Das bedeutet: Man will an anderer Stelle Bedingungen schaffen, unter denen die Feldlerche brüten kann, und zwar durch die sogenannte Extensivierung von Grünland, also der Umstieg auf eine naturschonende Bewirtschaftung. Dieses Ersatzbiotop wird laut Volkmer noch vor Baubeginn geschaffen.

Das sieht Rücker mit gemischten Gefühlen. „Natürlich wäre es schön, wenn aus einigen Maisäckern an der B 472 eine Blütenwiese wird. Denn artenreiches Grünland ist bei uns Mangelware.“ Andererseits sei keineswegs garantiert, dass sich die Feldlerche später genau im vorgesehenen Gebiet zum Brüten niederlässt. Und generell sei auch darauf zu achten, „dass man den Bauern nicht zu viel Fläche wegnimmt“.

Die BN-Stellungnahme weist auf noch mehr Arten hin: Fledermäuse, Zauneidechsen, Gelbbauchunken. Volkmer zufolge ist an alle gedacht. So sei vorgesehen, für Fledermäuse „Flugkorridore“ zu schaffen. Die Tiere bewegen sich häufig entlang von Baumreihen – so könne man sie zum Beispiel zu Unterführungen leiten, so dass sie die Straße sicher passieren können. Für die Zauneidechse schaffe man Lebensräume an den Böschungen, lege Kieshaufen, Totholz- und Schnittguthaufen als Verstecke und Ruheplätze an.

Der BN mahnte auch an, dass im Bereich der Allgaustraße zwei 200 bis 300 Jahre alte Eichen überplant seien oder sich „in unmittelbarer Nähe des Baufelds“ befänden. Hierzu versichert Volkmer: „Die Eichen bleiben erhalten und werden während des Baus geschützt.“

Mit der „speziellen artenschutzrechtlichen Prüfung (SAP)“, der Umweltverträglichkeitsprüfung, dem landschaftspflegerischem Begleitplan und der FFH-Vorprüfung sieht Volkmer den Naturschutz bestmöglich gewährleistet. „Wenn wir etwas nicht ausgleichen könnten, dürften wir gar nicht bauen.“ Volkmer erinnert auch an die umfangreichen Nachforschungen, ob im Bereich Lettenholz die geschützte Haselmaus leben könnte. „Ein Anwohner glaubte, an seinem Gartenhäuschen eine gesehen zu haben. Vor Ort konnten Exkremente gefunden werden. Die stammten aber definitiv nicht von einer Hasel-, sondern von einer Rötelmaus.“

Die Nordspange soll wie berichtet die B 472 in einem großen Bogen vom Maxlweiher nördlich vorbei an Lettenholz und General-Patton-Siedlung bis zu einer Anschlussstelle westlich von Greiling führen. Stattdessen hätte sich Rücker eine Lösung gewünscht, bei der weniger Fläche versiegelt wird. „Besser wäre eine Boulevardlösung gewesen, also etwa eine Tieferlegung der B 472 ähnlich wie beim Münchner McGraw-Graben, oder ein Tunnel“, sagt er. „Aber das ist natürlich teurer – und damit offenbar nicht möglich.“ Die Stellungnahme des BN, so erwartet er, werde vom Staatlichen Bauamt wohl „abgewägt und weggewägt“ und werde wohl nichts mehr an den Planungen ändern.

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