Stellten das Projekt im April vor (v. li.): Christel Hansing vom Montagsclub für seelische Gesundheit Bad Tölz, Bezirkstagspräsident Josef Mederer, der Tölzer Landrat Josef Niedermaier und sein Miesbacher Kollege Wolfgang Rzehak sowie der ärztliche Leiter Dr. Michael Welschehold und Caritas-Kreisgeschäftsführer Wolfgang Schweiger. Im Hintergrund ein Plakat von Alexander Huber. Der Extrem-Sportler wirbt für das Not-Telefon, nachdem er selbst schon einmal in eine psychische Notsituatio n geraten ist. Foto: Pröhl/Archiv

Bilanz

Not-Telefon soll noch bekannter werden

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Zwischenbilanz des Not-Telefons: Der Krisendienst Psychiatrie zählt 130 Anrufe aus dem Landkreis in den ersten sechs Monaten

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Landkreis-Bürger haben das Not-Telefon des Krisendienstes Psychiatrie in den ersten Monaten ganz gut angenommen, das Angebot könnte aber noch bekannter sein. Zu diesem Ergebnis kommt Constanze Mauermayer, Sprecherin des Bezirks Oberbayern.

Wie berichtet, bietet der Bezirk das Not-Telefon seit Anfang April auch im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen an. Unter der Rufnummer 01 80/6 55 30 00 erreichen Menschen in einer akuten seelischen Krise von 9 bis 24 Uhr Fachleute, die ihnen zuhören. Allein das entlastet die Betroffenen sehr, sagte Dr. Michael Welschehold bei der Vorstellung des Projekts am Tölzer Landratsamt. Welschehold ist der ärztliche Leiter der Krisendienst-Leitstelle in München, wo alle Anrufe eingehen. In der Landeshauptstadt gibt es das Not-Telefon bereits seit 2007. Pro Jahr kommen dort rund 13 000 Telefonkontakte zustanden.

Die Zahlen für den Landkreis fallen noch deutlich bescheidener aus: 130 Anrufe zählte der Krisendienst Psychiatrie in den ersten sechs Monaten. Allerdings fehlen in der Statistik die sogenannten Kurzkontakte, die rund 30 Prozent der Anrufe ausmachen. In diesen Fällen bekommen die Hilfesuchenden zum Beispiel lediglich einen Kontakt genannt, wo sie sich hinwenden können. Denn oft wissen die Betroffenen schlicht nicht, wo sie vor Ort Hilfe bekommen. Andere Gespräche dauern im Schnitt 30 bis 60 Minuten. „Dabei filtern die Fachleute heraus, was der Mensch am anderen Ende der Leitung braucht“, erklärt Mauermayer.

Auslöser für eine seelische Krise gibt es genug: Eine Trennung oder ein schwerer Verlust sind nur zwei Beispiele von vielen. Statistisch gesehen gerät jeder Dritte mindestens einmal in seinem Leben in eine psychische Notlage, sagen die Experten des Krisendienstes Psychiatrie. Anders als bei einer körperlichen Erkrankung scheuten sich Menschen mit seelischen Problemen aber noch immer, sich Hilfe zu holen. Das Not-Telefon soll es den Betroffenen erleichtern, diese Hemmschwelle zu überwinden. Das gilt auch für die Angehörigen: Laut Mauermayer kommen rund 30 Prozent der Anrufe aus dem sozialen Umfeld von Menschen mit seelischen Problemen. „Oft rufen Freunde an, manchmal auch der Arbeitgeber.“

Reicht ein Telefongespräch nicht aus, um die Situation zu deeskalieren, gibt es noch eine Möglichkeit, um den Anrufern zu helfen: „Mobile Teams“ vom Sozialpsychiatrischen Dienst der Caritas kommen innerhalb von einer Stunde zu den Betroffenen nach Hause – ohne Blaulicht und Martinshorn. 20 Mal rückten die Teams im Landkreis in den vergangenen Monaten aus, um bei schweren Psychosen zu helfen oder Suizidgedanken zu vertreiben. Um die Hausbesuche anbieten zu können, wurden laut Caritas-Kreisgeschäftsführer Wolfgang Schweiger 25 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. Sie arbeiten auch am Abend, am Wochenende sowie an den Feiertagen.

Insgesamt investiert der Bezirk jährlich 7,4 Millionen Euro in den Aufbau und den Betrieb des Krisendienstes. Das Ziel ist Mauermayer zufolge klar: Bei psychischen Problemen sollen die Menschen genauso selbstverständlich zum Telefon greifen wie sie bei körperlichen Problemen den Notarzt anrufen.

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