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Achtung Zuschauer: Hirsche und Hirschkühe bei der Rotwildfütterung in Vorderriß.  

Obwohl kaum Schnee liegt

Wildfütterung notwendig: „Die Vegetation gibt nichts her“

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Dieser Winter steht im krassen Gegensatz zum vergangenen. Während 2019 viel Schnee lag, ist es bislang im Landkreis großteils aper. Das Wild kann derzeit Energiereserven sparen – gefüttert werden müssen die Tiere trotzdem.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Als „nicht schlecht für die Tiere“ bewertet Anton Krinner von der Hegegemeinschaft Isarwinkel den diesjährigen schneearmen Winter. „Aber es ändert nichts daran, dass das Rotwild gefüttert werden muss.“ Denn die Vegetation „gibt nichts her“. Wenn die Landwirte ihre Kühe von den Weiden treiben, sei alles abgegrast. Um Verbissschäden zu vermeiden, sei die Fütterung unumgänglich. Auch sei es gewollt, dass sich die Tiere um die Fütterungsstellen scharen, um dem Wald an anderen Stellen die Möglichkeit zu geben, sich zu erholen.

Kälte als Hauptfaktor 

In einem milden Winter wie er es bisher sei, würden nicht dieselben Mengen an Futtermitteln verbraucht, wie in einem starken Winter, so Krinner. „Der eigentliche Faktor ist die Kälte“, sagt Josef Hesslinger vom Kreis-Jagdverband. Wenn es kalt sei, sei der Energieverbrauch größer. Wie oft er die Fütterungsstellen befülle, hänge daher stark von der Witterung ab. „Das Futter darf ja auch nicht verderben“, so Hesslinger. Die Tiere bekommen Rohfaser-Futter, das sie lange verdauen können. Für das Rotwild gibt es Heu und Silage, Rehe seien die Feinschmecker und legen Wert auf festes Heu mit Blumen drin. „Wenn man auf gute Qualität der Futtermittel achtet, lassen die Tiere auch den Wald in Ruhe“, so Hesslinger. Vorgegeben sei, in „Notzeiten“ zu füttern. Im Flachland herrsche zwar keine Not, aber in den Bergen bräuchten die Tiere schon Futter.

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30 Fütterungsstellen im Landkreis 

Im Landkreis gebe es etwa 30 Fütterungsstellen, sagt Krinner. „Die Bayerischen Staatsforsten kümmern sich vorbildlich darum.“ Durch die Fütterungen habe es auch im vergangenen schneereichen Winter kaum Todesfälle bei Wildtieren gegeben.

Problematisch für die Tiere sei nasser Schnee gegen Ende des Winters, so Krinner. Auch Hesslinger betont, dass ein später Schneefall für die Tiere schwieriger sei, da dann viele Reserven bereits aufgebraucht seien.

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In diesem Zusammenhang weist Hesslinger noch einmal darauf hin, welche Schwierigkeiten es dem Wild bereite, wenn Menschen abseits der Wege in den Wäldern unterwegs seien. „Die Tiere sind im Winter in Ruhe, fahren ihre Energie runter.“ Bemerken sie nun aber eine Gefahr in Form von Menschen im Wald, würden sie ihre Plätze verlassen und von einem Waldstück in ein anderes fliehen. Dadurch wird mehr Energie verbraucht. „Wenn wir dann nicht füttern würden, würden die Tiere auf der Suche nach Futter im Wald Schäden anrichten.“

Schaufütterung:

Die Möglichkeit, eine Fütterung selbst mitzuerleben, haben Interessierte bei der Schaufütterung von Rotwild in Vorderriß. Diese findet bis 28. Februar jeden Mittwoch und Freitag von 15.30 bis 17 Uhr statt. Treffpunkt ist 700 Meter nach dem „Gasthof Post“ Vorderriß.

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