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Gerhard Schmidt-Gaden singt täglich und sitzt am Klavier. Das Chorgeschäft überlässt er seiner Frau Helga und Tochter Barbara. Unser Bild entstand im ehemaligen Musikzimmer der Familie. Sie ist nun in Benediktbeuern umgezogen.

Nur die Flöte bleibt ein Flirt

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Für Gerhard Schmidt-Gaden dreht sich alles um die Musik. Der Gründer des Tölzer Knabenchors wird heute 80 Jahre alt.

Bad Tölz/Benediktbeuern – Ob es noch für ein Ständchen zum Geburtstag reicht? Denn auch heute, am 80. Geburtstag von Tölzer Knabenchor-Gründer Gerhard Schmidt-Gaden, dreht sich natürlich alles um die Musik. Es ist ein Zufall, fast wie ein Fingerzeig aus anderen Sphären, dass nun ausgerechnet zum runden Geburtstag erneut etwas Besonderes im Terminplan von Gerhard Schmidt-Gaden steht – kaum zu glauben, aber wahr. Es gibt nämlich doch noch ein paar Auftritte, die auch für den weltberühmten Chorgründer neu sind – etwa ein Konzert mit dem Päpstlichen Chor der Sixtinischen Kapelle in München und nächste Woche in Rom (wir berichteten). Die Italiener werden heute Abend in München landen – hoffentlich pünktlich.

Aus dem Tagesgeschäft des Chores hat sich Schmidt-Gaden vor gut einem Jahr zurückgezogen. Beim Festkonzert zum 60-jährigen Bestehen des Chores im Januar 2016 in der Tölzer Stadtpfarrkirche hat er sich offiziell von seinem Publikum verabschiedet. Aber trotzdem ist er noch sehr präsent und verfolgt lebhaft mit, was „seine“ Knaben so machen – zum Beispiel heuer beim Festival in der Kurstadt.

Dass Gerhard Schmidt-Gaden in Bad Tölz (beziehungsweise seit vielen Jahren in Benediktbeuern) heimisch wurde, ist dem Zufall zu verdanken. Geboren in Karlsbad im Egerland, kam er als Flüchtlingskind mit seinen Eltern an den Starnberger See. „Da habe ich das erste Mal Berge gesehen und den ganzen Tag nur geheult“, erzählt er. „Ich hatte Angst, die Berge fallen auf mich herunter.“ Weil der Vater zwei Jahre später in Bad Tölz Arbeit fand, zog die Familie um.

Das Singen habe ihm schon immer Spaß gemacht, erzählt der Jubilar. Aber in keinem der Tölzer Chöre sei er heimisch gebunden – „alle zu konfessionell“. Bei den Pfadfindern gefiel es ihm, und weil er seine Leidenschaft fürs Singen dort auch weiterleben wollte, gründete er kurzerhand den „Singkreis Bad Tölz im Kreisjugendring“. Zwei Jahre später wurde er in „Tölzer Knabenchor“ umbenannt. Der Rest ist Geschichte.

Schmidt-Gaden hat eine außergewöhnliche Karriere gemacht. Er arbeitete mit allen großen Dirigenten dieser Welt zusammen und hat über die Jahre hinweg die Sänger im Tölzer Knabenchor für historische Aufführungspraxis spezialisiert. Seine Pädagogik beruht auf dem Schulwerk von Carl Orff. Schmidt-Gaden war ein strenger Lehrmeister, der von seinen Schülern höchste Disziplin verlangte – nicht jeder ist damit zurecht gekommen. Doch wer es konnte, hatte einen väterlichen Freund an seiner Seite, zuverlässig und ehrlich. Und selbstbewusst.

Auch wenn er sich aus gesundheitlichen Gründen vom Termin-Betrieb des Chores zurückgezogen hat, verfolgt er doch aufmerksam den Weg in die Zukunft. „Er singt weiterhin täglich, spielt Klavier und hört Musik“, berichtet Tochter Barbara. Entspannung holt sich ihr Vater noch immer beim Gärtnern, seine Leidenschaft sind japanische Ziergärten und ihre Gestaltungsmöglichkeiten. Seit einem Umzug in Benediktbeuern hat sich zwar der Platz dafür verkleinert, „aber sollten wir den Apfelbaum umsäbeln müssen, hätte er viel Raum für seine kreativen Ideen“, sagt die Tochter lächelnd.

Gerhard Schmidt-Gadens Leidenschaft für Japan bezieht sich übrigens auch auf die Musik. Aber hier kommt selbst er, dem keine musikalische Herausforderung zu groß ist, tatsächlich an seine Grenzen. Beim Spielen der Meditationsflöte Shakuhachi braucht der Luftdruck eine ganz bestimmte Spannung. Und das klappt nicht immer. Auch ein berühmter Chorleiter muss da kräftig üben.

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