Regionaler Berufsbildungsbericht

Nur wenige Azubis werfen das Handtuch

Jede vierte Ausbildung in Deutschland wird abgebrochen. Diese Meldung sorgte für Schlagzeilen. Im Landkreis gestaltet sich die Situation anders – zumindest in den meisten Berufsgruppen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Reinhold Krämmel ist über die Meldungen „irritiert“: 25 Prozent aller Auszubildenden in Deutschland brechen ihre Lehre vorzeitig ab, heißt es im aktuellen Berufsbildungsbericht des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Der Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses möchte diese Zahl so nicht stehen lassen: „Das muss relativiert werden.“ Denn: „Der Großteil derer, die ihre Ausbildung nicht zu Ende führen, bleiben als Azubis erhalten“, erklärt Krämmel. Sie würden entweder den Ausbildungsbetrieb wechseln oder eine Lehre in einem anderen Berufsfeld beginnen. „Aus dem System scheiden – wenn überhaupt – zehn Prozent der Azubis aus.“ Bei Studierenden sei diese Zahl deutlich höher, sagt der Bauunternehmer.

Natürlich gebe es auch im Landkreis Abbrecher: „Wir leben hier nicht auf der Insel der Glückseligen.“ Grundsätzlich hält Krämmel die Region jedoch für gut aufgestellt. „Es gibt viele kleine und mittelständische Betriebe, die qualifiziert sind, eine gute Ausbildung anzubieten.“ Das sei für die die Schulabgänger genauso wichtig wie für die Unternehmen selbst: „Im Betrieb ausgebildete Mitarbeiter sind das Fundament für die Zukunft.“

Aus Sicht von Krämmel ein weitaus größeres Problem: Viele Betriebe hätten damit zu kämpfen, ihre Lehrstellen überhaupt zu besetzen. „Gerade in Handwerksberufen, zum Beispiel als Maurer oder Betonbauer, oder im Lebensmittelbereich ist das oft schwierig.“ In anderen Berufsfeldern hingegen – wie im kaufmännischen Bereich – seien viele Bewerber vorhanden.

Eine Lehre, die laut Bildungsministerium häufig abgebrochen wird, ist die Ausbildung zum Bäcker. „Von den acht bis zehn Lehrlingen, die wir in den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach jedes Jahr haben, brechen in der Regel zwei ihre Ausbildung ab“, sagt Innungsmeister Konrad Stelmaszek. Woran das liegt, kann der Bäckermeister nicht sagen. Aber er weiß: Manche der Auszubildenden hätten Probleme, „den Stoff aus der Berufsschule – zum Beispiel, um den Teig zu berechnen – umzusetzen“. Die Arbeit selbst, das betont der Innungs-Chef, würden die Lehrlinge gerne machen.

Obwohl ein Großteil der angebotenen Lehrstellen in den beiden Landkreisen die zur Innung gehören, frei bleiben, sieht Stelmaszek durchaus ein großes Interesse an dem Beruf. „Viele Jugendliche machen bei uns in der Bäckerei oder bei Kollegen ein Praktikum“, berichtet der Inhaber der Königsdorfer Backstube. Der Großteil sei „recht zufrieden“ mit der Probearbeit – „man sieht als Bäcker sofort, was man gemacht hat und hat dadurch ständig Erfolgserlebnisse.“

Grundsätzlich würden fast alle Lehrlinge, die nach ihrer Ausbildung weiter als Bäcker arbeiten wollen, vom Betrieb übernommen. „Viele Unternehmen suchen nach Mitarbeitern. Die sind froh, wenn jemand im Betrieb bleibt, der vor Ort ausgebildet wurde.“

Weniger Nachwuchssorgen haben die Zimmerer. Georg Melf berichtet: „Wir haben heuer 56 Auszubildende.“ In seiner zehnjährigen Amtszeit als Lehrlingswart der Zimmerer-Innung sei das die höchste Zahl an Neulingen. Ebenfalls aus Sicht von Melf erfreulich: „Die Quote der Abbrecher ist sehr gering.“ Im vergangenen Jahr hätten lediglich zwei Azubis vorzeitig die Segel gestrichen – „das ist eine wirkliche Seltenheit“, betont der Tölzer.

Zwei Gründe hat Melf für das frühzeitige Ausscheiden ausgemacht: Manche kämen mit der körperlich schweren Arbeit nicht zurecht. Bei anderen spiele Höhenangst eine Rolle. Insgesamt würden den Auszubildenden von den hiesigen Unternehmen viel Wissen und verschiedene Fertigkeiten vermittelt.

(Dominik Stallein)

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