+
Guten Appetit: In der Krippengruppe „Flohzirkus“ des Tölzer Kindergarten Arche Noah lassen sich (v.li.) Jonas, Jasmina, Fabian und Cäcilia, hier zusammen mit Betreuerin Cordula Nieberlein, Lasagne und Salat schmecken. Das Essen wird täglich frisch in der eigenen Küche zubereitet. 

Ernährung

Ob Allergiker-geeignet oder vegan: Kindertagesstätten betreiben beim Mittagessen einen hohen Aufwand

  • schließen

Die einen vertragen keine Milch, die anderen keine Nüsse und manche sollen keine tierischen Produkte essen. Allen Buben und Mädchen gerecht zu werden, ist für die Kindertagesstätten nicht leicht. Doch der Aufwand lohnt sich aus ihrer Sicht.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Vegan, laktosefrei, glutenfrei. Der Anspruch an das Essen in Kindertagesstätten ist groß. Egal, ob die Einrichtungen im Landkreis selbst kochen oder sich beliefern lassen, allen ist das Gleiche wichtig: das Essen muss frisch und abwechslungsreich sein.

Dass das Essen in Kindertagesstätten immer wieder ein Thema ist, weiß Maria Girmann, Kindergarten-Leiterin im evangelischen Kindergarten Arche Noah in Bad Tölz. Seit fast 30 Jahren arbeitet sie im Kindergarten und hat die Erfahrung gemacht, dass es immer mehr Mädchen und Buben gibt, die Unverträglichkeiten oder Allergien haben – etwa gegen Milch, Nüsse oder Weizen.

Dass im Arche-Noah-Kindergarten dennoch auf alle Sonderwünsche eingegangen werden kann, liegt daran, dass das Essen direkt im Haus von zwei Köchinnen zubereitet wird – und der Kindergarten Glück hat, eine große Küche zu haben. „Die meisten schätzen das sehr, dass wir selbst kochen“, sagt Girmann. Vor allem werde viel wert auf frische Zutaten gelegt. Sogar ein eigenes Gemüsebeet gibt es im Arche-Noah-Kindergarten. Salat können die Mädchen und Buben dort auch mal selbst ernten.

In Elterngesprächen werden alle Unverträglichkeiten in eine Liste eingetragen und mit der Küche abgestimmt. „Dann kriegt das betroffene Kind halt was anderes“, sagt die Leiterin, ergänzt jedoch: „Wenn das mehr Kinder werden, wird es schon irgendwann schwierig zu koordinieren.“ Und wenn es gar nicht anders geht, so Girmann, müssten die Kinder ihr Mittagessen selbst mitbringen.

Mit zehn Essenskindern hat die Einrichtung angefangen. „Mittlerweile sind es 70“, sagt Girmann. Ein Grund für die Steigerung ist wohl auch, dass es anfangs Gerichte vom Caterer gab. „Das war eine Katastrophe“, sagt die Leiterin. „Das Essen war sehr fleischlastig und wir mussten immer die Hälfte wegwerfen.“

Jeden Tag Hochbetrieb in der Küche

Jeden Tag Hochbetrieb herrscht auch in der Kinderland-Küche in Thalham bei Weyarn. Rund 900 Essen werden von dort in die verschiedenen Kinderland-Einrichtungen in den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach sowie an ihre Catering-Kunden – Kindergärten und Schulen – geliefert. Dass sich bei so vielen Abnehmern einige laktose-, gluten- oder weizenfrei ernähren müssen, weiß Geschäftsführerin Petra Götzenberger. „Wir wissen, welches Kind was essen darf“, sagt sie. „Man kann das schon gut handhaben, aber natürlich ist das ein Mehraufwand.“

Vier Köche und sechs Küchenhelfer kümmern sich täglich um die frische Zubereitung der Gerichte. Jeden Tag wird ein Drei-Gänge-Menü serviert: Suppe, Hauptspeise mit Salat und Nachspeise. „Wir haben ein gesundes, breites Angebot“, sagt Götzenberger. „Da kann jedes Kind selbst rausfinden, was ihm schmeckt.“

Eher ungewöhnlich ist die Situation momentan in den evangelischen Kindergärten in Wolfratshausen. Derzeit hat von den rund 35 Essenskindern keines eine Allergie, und auch keines der Kinder ernährt sich vegetarisch oder vegan, erzählt Gesamtleiterin Tanja Hüttinger. Ihre Erfahrungen mit besonderen Essensvorgaben hat sie freilich schon gemacht. „Die Kinder essen dann meist nicht bei uns“, sagt sie, „sondern haben was Passendes in ihrem Brotzeit-Döschen dabei.“

Vitamine dürfen nicht zu kurz kommen

Beliefert werden die beiden evangelischen Kindergärten von der Wolfratshauser „Flößerei“. Einmal pro Woche gibt es Fisch, einmal pro Woche Fleisch – aus Rücksicht auf muslimische Kinder kein Schwein, sondern Rind oder Geflügel. Außerdem stehen den Kindern jeden Tag Obst und Gemüse zur Verfügung.

Auf viele Vitamine achtet auch Girmann. Unter anderem gibt es im Arche-Noah-Kindergarten viele Suppen. „Da kann man gut Gemüse untermischen“, sagt die Leiterin lachend. Fertigprodukte oder Tiefkühlkost kämen Girmann dagegen nicht ins Haus. „Man weiß nie genau, was da drin ist.“ Aus Kostengründen auf solche Produkte zurückzugreifen sei ihrer Meinung nach der falsche Ansatz. „Ich bin froh, dass das wieder so ins Bewusstsein kommt“, sagt Girmann. „Klar muss man einen Aufwand betreiben, aber der lohnt sich.“

Lesen Sie auch:

Landschaftspflege: Umweltausschuss unterstützt erneuten Vorstoß, einen Verband zu gründen

Fünf Leichtverletzte nach Schwelbrand im Farchet

Wieder Wechsel an der BOB-Spitze

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Vorbestrafter rast Max (14) tot: Riesige Trauer - neue Details zum Todesfahrer
Unglaubliche Szenen spielten sich in der Nacht des 15. November in München ab. Ein Autofahrer raste in eine Gruppe Jugendlicher. Ein 14-Jähriger kam dabei ums Leben.
Vorbestrafter rast Max (14) tot: Riesige Trauer - neue Details zum Todesfahrer
Schutz vor Einbrechern: Mechanik wichtiger als Alarmanlage
Die Tage werden kürzer – gut für alle, die ihren Geschäften am liebsten im Dunklen nachgeben. „Einbrecher haben da leichteres Spiel“, sagt Kriminaloberkommissar Simon …
Schutz vor Einbrechern: Mechanik wichtiger als Alarmanlage
Helfen, wenn andere Hilfe brauchen: Dorfhelferinnen freuen sich über neue Azubis
Ausgebildete Dorfhelferinnen sind in Bayern eher dünn gesät. Umso erfreulicher ist die Situation im Landkreis.
Helfen, wenn andere Hilfe brauchen: Dorfhelferinnen freuen sich über neue Azubis
Sachbeschädigung in Lenggries: Unbekannter kratzt Beleidigung in die Motorhaube
Mit zerstochenen Reifen und einer Beleidigung auf der Motorhaube: So fand eine Lenggrieserin ihr Auto vor.
Sachbeschädigung in Lenggries: Unbekannter kratzt Beleidigung in die Motorhaube

Kommentare