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Selbst bei eisigen Temperaturen haben manche Menschen keine andere Möglichkeit, als unter freiem Himmel zu übernachten. Das kann tödlich enden. Die Caritas bittet deshalb darum, nicht wegzusehen. 

Obdachlosigkeit im Tölzer Land

Auf der Straße droht der Kältetod

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Bad Tölz - Wenn die Temperaturen draußen sinken, drehen die meisten drinnen einfach die Heizung nach oben. Diesen Luxus haben Menschen, die auf der Straße leben, nicht. Obdachlosigkeit ist längst kein alleiniges Problem der Ballungszentren mehr. Auch im Tölzer Land gibt es Menschen, die kein Zuhause haben. Und ihre Zahl steigt.

Gesicherte Zahlen, wie viele Menschen im Landkreis auf der Straße leben, gibt es nicht. Barbara Stärz, bei der Caritas zuständig für die Obdachlosenhilfe, hat aber Anhaltspunkte. 15 Menschen – in erster Linie alleinstehende Männer – nutzten beispielsweise im Dezember 2015 das Tölzer Haus Jakobus, um dort zu übernachten. Acht Plätze bietet die Caritas hier an. „Es ist eine Kurzzeitlösung. Maximal 14 Tage können die Leute bleiben.“ Meistens handle es sich dabei um Menschen, die schon lange ohne Heimat sind, sagt Stärz.

Sie trifft aber auch immer wieder Obdachlose, die selbst bei diesen eisigen Temperaturen draußen übernachten. Morgens kommen sie dann zur Beratungsstelle am Tölzer Klosterweg 2, weil sie dort heiß duschen und ihre Wäsche waschen können. Auch einen Mittagstisch bietet die Caritas an. „Die Leute kommen morgens ganz durchgefroren hier an. Manche haben blaue Hände und man sieht, dass es ihnen nicht gut geht“, sagt Stärz. Bei diesen Temperaturen draußen zu schlafen zehre psychisch und körperlich. „Sie schlafen da nicht tief und entspannt. Die Leute sind wirklich fertig.“

Die Gründe, warum jemand auf der Straße landet, sind vielfältig. „Kurzfristige Obdachlosigkeit entsteht oft im Rahmen einer Trennung, wenn einer der Partner aus der Wohnung fliegt.“ Hier greife allerdings oft noch das soziale Netz. Das heißt der Betroffene kommt bei einem Familienangehörigen oder einem Freund unter. „Verdeckte Obdachlosigkeit“, nennt Stärz das. Denn eine Dauerlösung sei das natürlich nicht. Die wäre eine neue Wohnung. Aber die zu finden, wird im Tölzer Land zunehmend schwieriger. „Bezahlbarer Wohnraum fehlt“, sagt Stärz.

Das merken auch Familien, die wegen Mietschulden oder Eigenbedarf des Vermieters, geräumt werden. Früher sei es oft gelungen, bis zum eigentlichen Räumungstermin eine neue Wohnung zu finden, sagt Stärz. Die Fälle, die tatsächlich obdachlos werden, „nehmen jetzt aber zu“. In den drei Städten sei man darauf vorbereitet. Bad Tölz unterhält beispielsweise eine Notunterkunft, in denen auch eine Familie unterkommen kann. In kleineren Gemeinden ist das schon schwieriger. „Aber auch dort nehmen die Fälle zu“, sagt Stärz. Viele würden mittlerweile zumindest ein Notzimmer vorhalten oder hätten Vereinbarungen mit einer Pension für solche Fälle. Die Gemeinden, die für Obdachlose eigentlich zuständig sind, „kommen hier ihrer Verantwortung schon nach“. Auch derartige Notunterkünfte sind nicht auf Dauer ausgelegt. „Aber für eine langfristige Lösung braucht es eine neue Wohnung.“

Was ist eigentlich mit der Geschichte, dass manche Obdachlose freiwillig auf der Straße leben, weil sie es nicht anders wollen? „Ja, manche sagen das“, sagt Stärz. Oft sei das aber eine Trotzreaktion oder die leichtere Möglichkeit, sich mit der Situation abzufinden. „Ich glaube nicht, dass Obdachlosigkeit eine Form der Selbstverwirklichung ist. Wer draußen ist, ist draußen – wortwörtlich. Auch gesellschaftlich.“

Wer in diesen Tagen auf der Straße übernachtet, dem droht der Erfrierungstod. Und deshalb bittet Stärz eindringlich darum, nicht wegzusehen. Beobachte man jemanden dabei, der sich draußen darauf einrichtet, dort die Nacht zu verbringen, „ist es sinnvoll die Polizei anzurufen“. Die Beamten sprechen den Betroffenen dann an und verweisen auf das Haus Jakobus. „Sie können auch feststellen, ob bereits eine Unterkühlung oder eine Krankheit besteht“, sagt Stärz. Stelle man selbst fest, dass ein Betroffener nicht mehr ansprechbar ist, „sollte man den Notruf 112 wählen. Lieber einmal zu oft als einmal zu wenig.“

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