ÖPNV im Tölzer Land

Barrierefrei zum und in den Bus

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Bad Tölz-Wolfratshausen – Auf die Gemeinden kommt eine große Aufgabe zu: Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) im Landkreis muss barrierefrei gestaltet werden. Und diese Barrierefreiheit gilt eben nicht nur für die Busse selbst, sondern auch für die Haltestellen. Am Montag  befasste sich der Kreis-Infrastrukturausschuss mit dem Thema.

Grundlage für die Forderung ist die UN-Behindertenrechtskonvention, die eine gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigung an allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens vorsieht. Sie führte zu einer Neuregelung des Personenbeförderungsgesetzes. Bis zum 1. Januar 2023 soll nun im ÖPNV eine vollständige Barrierefreiheit erreicht werden. „Ein hehres Ziel“, befand  Johann Kunz, ÖPNV-Experte am Landratsamt.

Dabei seien die Busse selbst das geringste Problem. „Eigentlich sind alle, die im Landkreis fahren, schon mit Niederflurtechnik ausgestattet.“ Anders sieht es bei den Bushaltestellen aus. „Hier ist nur ein äußerst geringer Anteil barrierefrei. Hier besteht Handlungsbedarf.“

Dabei geht es nicht nur um die Haltestellen an sich, „sondern auch um die entsprechende Zuwegung“, erklärte Kunz. Einfach ausgedrückt: Auch die Wege, die zum Bushäuschen führen, müssen so gestaltet sein, dass sie beispielsweise ein Rollstuhlfahrer, aber auch ein Senior mit Rollator oder eine Mama mit Kinderwagen problemlos meistern kann. 20 000 bis 30 000 Euro an Ausbaukosten pro Haltestelle können da leicht zusammenkommen, so Kunz. „Das ist schon ein Batzen Geld.“

Investieren muss ihn der jeweilige Straßenbaulastträger. An Bundesstraßen ist das der Bund, an Staatsstraßen der Freistaat, an Kreisstraßen der Landkreis. Innerorts liegen viele Stopps aber auch an Straßen, für die die jeweilige Gemeinde zuständig ist. „Auf sie dürften schon immense Kosten zukommen“, sagte Kunz. „Gilt diese Regelung denn auch für Stadtbus-Haltestellen?“, fragte Wolfratshausens Bürgermeister Klaus Heilinglechner (Freie Wähler). Kunz bejahte.

Um überhaupt einmal einen Überblick darüber zu bekommen, in welchem Zustand die Haltestellen im Landkreis sind, soll in einem ersten Schritt ein Kataster erstellt werden. „Wir wollen ja kein Stückwerk machen“, so der ÖPNV-Experte. Auf Grundlage dieses Katasters soll dann überlegt werden, an welcher Haltestelle welche Umbaumaßnahme notwendig ist. Auch Prioritäten könnten festgelegt werden, denn vielleicht müsse ja doch nicht jeder Stopp auf freier Strecke umgestaltet werden. Mit einbezogen in alle Entscheidungen werden Behinderten- und Fahrgastverbände, die Verkehrsunternehmer und die Straßenbaulastträger.

Die Erstellung des Katasters kostet rund 30 000 Euro. Beschließen muss das Ganze letztlich der Kreistag. Vom Ausschuss gab es aber eine einstimmige Beschlussempfehlung.

Rubriklistenbild: © dpa

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