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Die Nahversorgung im Landkreis: Die Zahlen nennen die Luftliniendistanz in Metern zur nächsten Nahversorgungseinrichtung. Für Bad Heilbrunn und Kochel sind die roten Daten allerdings nicht mehr aktuell, da es zum Zeitpunkt der Erhebung im Jahr 2013 in beiden Gemeinden noch Supermärkte gab: in Kochel den „Penny“, in Bad Heilbrunn den „Tengelmann“. ÖV steht zum Beispiel für Busse, MZ bedeutet Mittelzentrum.

Ohne Auto läuft auf dem Land gar nichts

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Landkreis - Was ältere  Menschen längst wissen, ist jetzt amtlich: Für gut ein Viertel der Landbevölkerung in Bayern gibt es keine Nahversorgung. Auch im Landkreis sind Apotheken, Ärzte, Supermärkte, Schulen und Haltestellen mit öffentlichen Verkehrsmitteln schlecht oder gar nicht zu Fuß erreichbar.

Wer im Landkreis etwas erledigen muss, sollte gut zu Fuß sein – oder ein Auto besitzen. Denn bis zum nächsten Supermarkt sind es im Schnitt 1,1 Kilometer. Wer etwas aus der Apotheke braucht, muss sogar rund 1,7 Kilometer zurücklegen. Für eine Fahrt zum Hausarzt sollte man rund 1,2 Kilometer einplanen. Das alles geht aus Daten des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung aus dem Jahr 2011 hervor, die das Wirtschaftsministerium auf Anfrage der Landtags-Grünen jetzt veröffentlicht hat. Für mehr als 2000 Gemeinden, Landkreise und kreisfreie Städte haben die Statistiker die durchschnittlichen Wegstrecken zu den wichtigsten Nahversorgungs-Einrichtungen ausgerechnet.

Demnach sind in der Region lediglich die Haltestellen für öffentliche Verkehrsmittel wie Bus und Bahn mit durchschnittlich 520 Metern ohne Probleme zu Fuß – also in einem Radius von weniger als einem Kilometer – zu erreichen. Dann allerdings müssen die Einwohner noch mit bis zu 30 Minuten Fahrzeit rechnen, um das nächste sogenannte Mittelzentrum (MZ) zu erreichen. Echte Nahversorgung sieht anders aus.

Schlusslicht Jachenau

Für die Jachenau gilt das im besonderen Maße. Das Tal selbst gehört zu den Schlusslichtern im bayernweiten Vergleich. Bürgermeister Georg Riesch überrascht dieses Ergebnis wenig: „Klar, wir liegen sehr abgelegen.“ In Zahlen ausgedrückt heißt das: Wer in der Jachenau lebt, muss 8,8 Kilometer fahren, um zum nächsten Hausarzt zu gelangen. Bis zu einer Apotheke sind es sogar rund neun Kilometer. Die 2,1 Kilometer bis zu einem Supermarkt erscheinen angesichts dieser Entfernungen fast schon gut.

Die Nahversorgung mit Lebensmitteln ist es auch nicht, was Riesch Sorgen macht. „Das passt“, sagt der Rathaus-Chef mit Blick auf den kleinen Dorfladen, der nicht nur einen Supermarkt, sondern auch einen Metzger und einen Bäcker ersetzt. Dass es in der Jachenau keinen Haus- und keinen Zahnarzt gibt, sei da schon eher ein Problem – an dem sich aber vermutlich auch nichts ändern wird: „Bei 840 Einwohnern ist es für keinen Arzt rentabel, sich hier niederzulassen“, vermutet der Bürgermeister. Abhilfe schafft zum Beispiel die First-Responder-Gruppe der Feuerwehr, deren Mitglieder im Notfall schnell als Ersthelfer vor Ort sind.

Paradiesische Zustände in Bad Tölz

Im Vergleich zur Jachenau herrschen in der Stadt Bad Tölz paradiesische Zustände, was die Nahversorgung angeht. So sind statistisch gesehen sowohl Ärzte (500 Meter) und Apotheken (610) als auch Grundschulen (860), Supermärkte (630) und Haltestellen (180) ohne Probleme fußläufig erreichbar. Bürgermeister Josef Janker freut’s, bedeutet es seiner Meinung nach doch, dass der Stadtrat, die Verwaltung und auch die Bürgermeister der vergangenen Jahrzehnte ihre Arbeit gut gemacht haben. „Die Nahversorgung ist die Grundlage jeglicher Entwicklung einer Stadt, die wir immer ganz bewusst berücksichtigen“, betont Janker. Dabei habe die Stadt nicht nur die älteren Bürger im Sinn, die oft nicht mehr mobil seien. Auch Faktoren wie Umwelt- und Lärmschutz seien wichtige Schlagwörter in diesem Zusammenhang.

Obwohl Bad Tölz im Südlandkreis in allen untersuchten Kategorien mit Abstand am besten abgeschnitten hat, gibt es auch in der Kurstadt ein kleines Sorgenkind: die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln im Zentrum. Die sei dank der Tengelmann-Filiale in der Marktstraße zwar noch sichergestellt. Doch der Supermarkt kämpft laut Janker mit verschiedenen Problemen wie der Größe der Verkaufsflächen und der schlechten Belieferbarkeit. Deshalb gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Spekulationen, wie lange sich das relativ kleine Geschäft noch wird halten können.

Wie berichtet, hat der Handelskonzern aber erst vor wenigen Monaten den Mietvertrag bis 2021 verlängert. Wie es danach weitergeht, steht in den Sternen. Würde es keinen Supermarkt mehr in der Marktstraße geben, sei das Janker zufolge nicht nur für ältere Bürger ohne Auto eine mittlere Katastrophe. „Das Zentrum würde auch an Attraktivität verlieren.“

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