Vielen ist bereits eine Birne durchgebrannt. Felicitas Bogner hat bei Edeka März noch welche ergattert.
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Vielen ist bereits eine Birne durchgebrannt. Felicitas Bogner hat bei Edeka März noch welche ergattert.

Shopping-Report

Ohne Online-Giganten durch den Lockdown in Bad Tölz

  • Felicitas Bogner
    vonFelicitas Bogner
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Drogerien und Supermärkte sind vom Lockdown zwar nicht betroffen, viele andere Geschäfte aber schon. Was also tun, wenn die Schnürsenkel reißen oder man fürs Home-Office neue Druckerpatronen braucht? Wir haben uns vergangene Woche mit einer Einkaufsliste auf den Weg gemacht. Mit im Gepäck die Devise: Amazon und andere Internetgiganten sind keine Option.

Bad Tölz – Der Lockdown wird verlängert. Alle nicht systemrelevanten Geschäfte sind geschlossen. Ab heute ist dem Einzelhandel immerhin wieder der Abholservice „click & collect“ erlaubt: Die Ware kann also online oder telefonisch bestellt und im Geschäft abgeholt werden. Vergangene Woche ging das noch nicht. Und ob alle Einzelhändler mitmachen, ist ohnehin fraglich. Also: Was tun, wenn etwas kaputt geht, das man nicht im Supermarkt bekommt? Bleibt in diesem Fall nur das Internet oder geht’s auch anders? Der Tölzer Kurier hat den Test gemacht. Auf der Liste: Unterwäsche, Glühbirnen, Feuerholz, Schnürsenkel, Handschuhe, Druckerpatrone, Streusalz, Dichtungsring für den Spülmaschinen-Schlauch und eine Pfanne.

Supermärkte und Drogeriemärkte gut gerüstet

Wenn der Schnürsenkel des Winterstiefels gerissen ist, ist das verblüffenderweise auch in Lockdown-Zeiten kein Problem. Im Drogeriemarkt Müller in der Tölzer Marktstraße lohnt sich eine Nachfrage beim Personal. Filialleiterin Andrea Marchiori geht zielstrebig auf ein kleines Regel zwischen Bürobedarf und Haushaltsartikeln zu. Siehe da: Schnürsenkel in allen Farben und in vielen Längen. Ab in den Einkaufswagen. Unterwäsche? Fehlanzeige. „Wir haben nur Einmalslips fürs Krankenhaus“, sagt Marchiori. Zur Not frisst der Teufel zwar Fliegen, aber nicht beim ersten Versuch. Auf dem Weg zur Kasse landet aber noch Streusalz im Einkaufskorb. So ein Glück!

Bunter Schnürsenkel aus dem Drogeriemarkt

Azubi Lena Pielmaier von Schreibwaren Zauner weiß: „Druckerpatronen sind gefragt.“ 

Wenige Meter neben der Drogerie scheint das Schreibwarengeschäft Zauner geöffnet zu haben. Sofort geht’s rein für die Druckerpatrone. Geschäftsführer Stefan Zauner erklärt: „Wir haben uns genau informiert und dürfen geöffnet haben, da ein Großteil unseres Sortiments wegen Home-Office und Home-Schooling systemrelevant ist.“ Und man merkt deutlich, dass der Bedarf an Büroartikeln derzeit hoch ist. Vor allem beim Objekt unserer Begierde. „Zum einen gibt es Lieferschwierigkeiten wegen der Corona-Lage, zum anderen ist die Nachfrage durch Home-Office hoch“, sagt Azubi Lena Pielmaier. Also schnell rein mit der ergatterten Patrone in den Einkaufskorb.

Am Fuß der Marktstraße hat der Lottoladen „Glücksmomente“ offen. Auf den ersten Blick gibt es nur Zigaretten, Zeitungen und Souvenirs. Aber halt: In der hinteren Ecke des Ladens lacht einem flauschiger Stoff entgegen. Es sind die gesuchten Handschuhe. Wer braucht da Amazon? Im Auto geht es weiter zum Supermarkt. Hoffentlich gibt es dort Glühbirnen. Am entsprechenden Regal angekommen, sieht man, dass schon viele dieselbe Idee hatten. Trotzdem finden sich die Klassiker noch zu Genüge. Zwei 40-Watt-LED-Lampen landen flugs im Wagen.

Auch lokale Händler haben Onlineangebote

Und was ist mit Unterwäsche? Edeka März an der Sachsenkamer Straße hat zumindest eine Tchibo-Ecke. Und dort gibt es auch Unterhosen. Leider nur für Männer. Mist! Aufgeben ist aber keine Option. Also weiter zum „Rossmann“ auf der Flinthöhe. Der Weg lohnt sich. Es gibt Männer- und Frauenunterwäsche – zwar nicht die größte Auswahl, aber mit Standardmodellen in diversen Größen sollte jeder im Lockdown über die Runden kommen.

Nun wird es kniffliger. Dichtungsringe, Feuerholz und eine Pfanne stehen noch auf der Liste. Jetzt muss das Handy herhalten. Pfannen gibt es beim Kaufhaus Rid. Das hat zwar geschlossen, verfügt aber über einen eigenen Online-Shop. Zwei, drei Klicks auf der Internetseite, und so wäre auch die Bratpfanne vom örtlichen Händler bequem auf dem Postweg zu uns gekommen. Unterwäsche hätte es dort übrigens auch gegeben.

Holz zum Heizen gibt es bei den Landwirten

Feuerholz steht noch auf der Liste. Kreisbäuerin Ursula Fiechtner erklärt auf Anfrage: „Die meisten Bauern, die Holz in kleinen Mengen verkaufen, haben ihre feste Stammkundschaft, die bereits im Herbst für den Winter bestellt.“ So läuft es auch auf dem Wackersberger Hof der Kreisbäuerin ab. „Da viele das Holz zum Heizen brauchen, ist es systemrelevant. Man bekommt sicher bei vielen Bauern noch kleinere Mengen, wenn man einen Engpass hat“, meint Fiechnter. Ihr Tipp: Landwirte mit eigener Forstwirtschaft kontaktieren. Denn: „Die haben oft auch größere Mengen vorrätig.“

Alle Informationen zur Corona-Lage im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen lesen Sie hier.

Die Liste ist fast abgearbeitet. Nur der verflixte Dichtungsring fehlt noch. Der Griff zum Hörer schafft Abhilfe. Elisabeth Trischberger von Elektro Benedikt Trischberger in Gaißach kann helfen: „Wenn jemand Ersatzteile braucht, haben wir sie hier oder können sie bestellen“, sagt Trischberger. „Dazu wäre es möglich, dass wir den Austausch oder die Reparatur erledigen.“ Wer selbst reparieren möchte, könne die Ersatzteile an der Tür abholen.

Click & collect

Einzelhändler aus dem Tölzer Land, die sich am Abholservice click & collect beteiligen, können sich bei der Redaktion (lokales@toelzer-kurier.de) melden. Entsprechende Hinweise erscheinen dann auf Seite 2.

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