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Von der Glasschütte ins mitgebrachte leere Saucen-Glas: Anna Meßmer zeigt, wie man verpackungsfrei einkauft. Sie ist eines der Gründungsmitglieder von „Ois ohne“, einem der ersten Unverpackt-Läden im Oberland.

Plastikfreie Zone

„Ois ohne“: Supermarkt der Zukunft

  • Silke Scheder
    vonSilke Scheder
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Es ist der erste verpackungsfreie Laden in Bad Tölz: Der „Ois ohne“ an der Hindenburgstraße. Plastik ist hier tabu, die Kunden füllen sich ihre Lebensmittel selbst ab. Ein Test.

Bad Tölz – So könnte er also aussehen, der Supermarkt der Zukunft: Das Shampoo erinnert an ein Stück Seife, Zahnpasta gibt es nur in Tablettenform und Deo als Creme im Glas. Willkommen im „Ois ohne“, einem der ersten Unverpackt-Läden im Oberland. Seit Mitte Mai bieten Anna Meßmer und ihr Team Lebensmittel, Kosmetika und viele andere Dinge des täglichen Bedarfs an der Hindenburgstraße 11 an. Nur eines sucht der Kunde vergeblich: Plastik.

Mit leeren Taschen geht hier niemand zum Einkaufen. Die Kunden sollten Tupperboxen, leere Marmeladengläser oder alte Nudelpackungen mitbringen, um darin die losen oder flüssigen Produkte abfüllen zu können. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. „Wir bieten aber auch Säckchen oder Gläser mit Deckel zum Kauf an“, erklärt Anna Meßmer, eines der Gründungsmitglieder. Manche Kunden haben das System regelrecht professionalisiert, erzählt Meßmer: Sie haben die Behältnisse bereits zuhause abgewogen und das Leergewicht darauf vermerkt. Weniger gut organisierte Plastik-Gegner können das aber auch im Laden tun, Waage und Stift sind bereit. Am Ende des Einkaufs wird erneut gewogen, damit nur die Füllmenge bezahlt wird.

„Ois ohne“: So regional wie möglich

Ist das Leergewicht ermittelt, können sich die Kunden bedienen: In großen Glasschütten gibt es Reis aus dem Chiemgau, Nudeln aus Wackersberg oder Quinoa aus Dachau und viele andere Getreidesorten, Hülsenfrüchte und Knabbereien zum Abfüllen. „Alles ist so regional wie möglich“, erklärt Meßmer. Aber auch Waschmittel und Honig gibt es zum Selbstzapfen.

Besonders beliebt sind Haferflocken und Nudeln. Aber auch Nüsse, Gewürze, Kakaopulver und Tortillas – aus Urgetreide aus Bernried – gehen gut, seit der Laden eröffnet hat. „Wir sind zufrieden“, sagt Meßmer. Zu den Kunden zählen ihr zufolge beileibe nicht nur Ökos in Jesuslatschen. „Es kommen komplett unterschiedliche Menschen jeden Alters.“ Etliche Kunden kaufen bereits regulär ihre Vorräte im „Ois ohne“ ein. 

„Ois ohne“: Sortiment soll schrittweise erweitert werden

„In den Supermarkt muss man aber trotzdem noch“, gibt Meßmer zu. Obst und Gemüse gibt es an der Hindenburgstraße 11 nämlich nicht – und wird es aufgrund der beengten Platzverhältnisse wohl auch nicht geben. „Wir haben uns bewusst auf Produkte konzentriert, die man normalerweise nicht unverpackt bekommt“, sagt Meßmer. Auch Naschkatzen und Liebhaber von Milchprodukten haben noch nicht viel Auswahl. Das soll sich in naher Zukunft aber ändern: „Wir wollen das Sortiment schrittweise erweitern.“

Das hören Ulrike Weberstetter-Müller und ihr Mann Andi gerne. Die Eltern zweier Studenten kaufen so viel wie möglich im Tölzer Unverpackt-Laden. „Es ist so unglaublich wichtig, das zu unterstützen“, sagt die Heilbrunnerin. Alles im Unverpackt-Laden zu kaufen kann sich die Familie zwar nicht leisten, sagt Andi Müller. Vieles sei aber gar nicht so teuer, wenn man es in Relation setze. Das Toilettenpapier zum Beispiel. Stattliche 1,80 Euro kostet eine der dicken Rollen im „Ois ohne“. Das Toilettenpapier sei aber unfassbar ergiebig, betont Müller. „Eine Rolle reicht für bis zu zwölf Tage.“

„Ois ohne“: Unverpackt ist nicht automatisch teurer

Laut Anna Meßmer heißt unverpackt ohnehin nicht automatisch teurer. „Wenn wir teurer sind, dann weil wir Produkte von regionalen Erzeugern oder in Bio-Qualität anbieten.“ Ulrike Weberstetter-Müller zumindest gibt gerne ein bisschen mehr aus, wenn sie kann. Für den Klimaschutz. Und für das eigene Gewissen: „Man freut sich unglaublich, wenn man etwas ohne Verpackung nach Hause trägt.“

„Ois ohne“: Ein Testeinkauf

„Unverpackt ist nicht gleich teurer – zumindest, wenn man vorher schon auf regionale Lebensmittel oder Bio-Qualität gesetzt hat“, sagt Anna Meßmer, Gründungsmitglied des Unverpackt-Ladens „Ois ohne“. Der Tölzer Kurier hat stichprobenartig einen kleinen Test gemacht und die Produkte aus dem Unverpackt-Laden mit regionalen beziehungsweise Bio-Produkten aus einem normalen Vollsortimenter verglichen.

Fazit: Haferflocken und Honig sind im „Ois ohne“ sogar günstiger. Die anderen Preisunterschiede fallen bis auf die Nudeln nicht eklatant aus. Beim Toilettenpapier ist die Vergleichbarkeit schwierig, weil die Rollen unterschiedlich kompakt sind. 

Die Preise:

Haferflocken fein: 1,75 Euro für 500 g (Ois ohne) – 1,85 Euro (normaler Vollsortimenter).

Dinkel Vollkorn Rigatoni: 3,25 Euro für 500 Gramm – 0,95 Euro (Bio, aber nicht regional). 

Honig: 7 Euro für 500 g – 7,99 Euro. 

Heumilch-Joghurt mit Frucht (400 ml): 2,49 Euro – 1,89 Euro (500 g ohne Frucht). 

Pfeffer schwarz gemahlen: 7,90 Euro für 100 Gramm – 5,70 Euro. 

Sechs Eier (Freilandhaltung vom Zwickerhof in Tölz): 3 Euro – 2,19 Euro (Bio). 

Acht Rollen Toilettenpapier: 14,40 Euro – 2,49 Euro.

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