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Präsentierten stolz ihre blitzenden Maschinen: Rudolf Haas (li.) aus Sauerlach, Alfons Geyer aus Oberhaching (Mi.) und Bertl Moser (re.) aus Lenggries. Auf Mosers DKW NZ aus dem Jahr 1938 war eine Gebirgsjägerausrüstung zu sehen.

Ausstellung 

Oldtimer-Träume auf zwei Rädern in Tölz

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Mit ihren Oldtimer-Fahrzeugen haben die „Oidn Hund“ aus Ellbach jedes Jahr am 3. Oktober das Gschau in der Tölzer Marktstraße. Auch heuer waren wieder viele Besucher gekommen.

Bad Tölz– Vor 21 Jahren beschlossen einige Oldtimer-begeisterte Mitglieder der Ellbacher Gebirgsschützen auf dem Münchner Oktoberfest, ihre bis dahin lockere Vereinigung einen festen Verbund werden zu lassen – die „Oidn Hund“ waren geboren. Die Mitglieder kommen nicht nur aus dem Tölzer Land, sondern auch aus der Umgebung. Die Fahrzeugpräsentation am 3. Oktober, vor allem von Zweirädern, ist fester Bestandteil im Vereinsleben. Heuer waren gut 30 Motorräder und einige sehr alte Fahrräder zwei Stunden lang in der Tölzer Marktstraße zu bewundern.

Die älteste Maschine, die präsentiert wurde, war eine DKW SB350 aus dem Jahr 1936. Gefahren wird sie von Barbara Wurzer, neben Julie Kranz eine der beiden Frauen im Verein. Wurzer hat die Maschine erst vor acht Jahren mit Hilfe von „Oide Hund“-Vorstand Michael Kranz hergerichtet. „Die Maschine fuhr der Bruder von meinem Opa vor dem Krieg“, erzählt Wurzer. Ihr Großonkel fiel jedoch in Russland. Seither stand die Maschine zu Hause im Schuppen und hatte noch dazu einen Wasserschaden – doch Wurzer wollte sie nicht hergeben. „Ich hab’ noch die originalen Papiere.“ Die DKW, sagt sie, sei schwierig zufahren, unter anderem weil sich die Schaltung rechts neben dem Lenker befinde. „Ich muss immer vorsichtig fahren und aufpassen.“

Schon wesentlich mehr Gas kann da Johannes Detter geben. Seine BMW R60/2 aus dem Jahr 1961 hat 30 PS und fährt zirka 140 Stundenkilometer schnell. Verbrauch: „Zirka fünf Liter“, sagt Detter, Zweiter Vorstand der „Oidn Hund“. Die Maschine kaufte er in einem ziemlich schlechten Zustand, zerlegte sie in alle Einzelteile und baute sie wieder auf. Zwei Jahre brauchte Detter dafür. Die alte BMW fährt er sehr gerne und bringt es auf rund 1000 Kilometer im Jahr. „Die Technik begeistert mich“, sagt Detter. Die alten Fahrzeuge seien qualitativ sehr hochwertig und „gut durchdacht gebaut“: „Bei modernen Maschinen kann man ja manches gar nicht mehr reparieren.“

Das gleiche Modell, also eine BMW R60/2, allerdings aus dem Jahr 1964, besitzt auch Alfons Geyer aus Oberhaching. Seine Maschine hat aber wesentlich mehr Kilometer auf dem Buckel, denn sie diente viele Jahre in Schweden als Polizei-Motorrad. „Ein Liebhaberobjekt“, schwärmt Geyer und strahlt. Das Fahrgefühl beschreibt er mit „locker, leger und bequem. Es ist, wie im Wohnzimmer zu sitzen.“

Die „Oidn Hund“ treffen sich einmal im Monat zum Stammtisch und tauschen sich aus, etwa über Restaurierungen. Die Mitglieder haben nicht nur alte Motorräder, sondern auch Autos und Traktoren. Sie machen gemeinsame Ausfahrten oder fahren zu Oldtimer-Treffen in der Region.

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An diesen beteiligt sich auch Rudolf Haas aus Sauerlach mit seiner rot glänzenden Honda CB250, Baujahr 1971. „Die Maschine war mein Jugendtraum“, sagt er mit glänzenden Augen. Allerdings konnte er sich damals keine leisten. Sein Traum wurde vor acht Jahren wahr. Haas kaufte sich endlich die Maschine mit 35 PS und restaurierte sie selbst. „Sie ist jetzt unverkäuflich“, sagt er.

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Vereinsvorstand Michael Kranz ist hingegen stolz auf seine NSU Konsul 2, gebaut 1954. Das 21 PS starke Motorrad kaufte er vor vielen Jahren für 5000 D-Mark und restaurierte es grundlegend: neuer Auspuff, neue Felgen, neuer Lack, um nur einige Dinge zu nennen. „Als die Maschine dann fahrtüchtig war, war sie 13 000 D-Mark wert“, sagt er schmunzelnd. Es ist nicht das einzige Liebhaber-Objekt von Kranz. Doch die NSU wird meistens nur für Oldtimer-Treffen aus der Garage geholt. „Sie braucht viel Pflege – wie eine Frau.“

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