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Der Tölzer Hans Nissl fand sein Goggombil 250, Baujahr 1969, eher zufällig in Greiling.

Oldtimertreffen im Tölzer Moraltpark

Goggomobil & Co.: Alte Schätzchen und ihre Geschichten

Bad Tölz - Zum ersten Mal gab es am Wochenende ein Oldtimer-Treffen am Tölzer „Jailhouse“. Drei stolze Autobesitzer erzählen, wie sie ihr Schätzchen gefunden haben.

„Es freut mich jedes Mal wieder, wenn der Anblick meines Kadetts den Leuten ein Lächeln ins Gesicht zaubert“, sagt der Arzbacher Stefan Saalfrank. Er präsentierte stolz seinen Wagen, Baujahr 1963, im Moraltpark.

Generell waren es in erster Linie nicht die PS-Protze mit großvolumigen US-amerikanischen V8-Motoren, die das Besucher-Interesse auf sich zogen, sondern vielmehr die fast unscheinbaren, aber umso schnuckeligeren kleinen Autos, die vor 50, 60 Jahren die bundesdeutschen Straßen bevölkerten. Und immer wieder hörte man: „Mei, woaßt no. Da Opa hat genau so oan g’habt.“ Etwa so einen Fiat 500 Abarth, Baujahr 1969, der im Gegensatz zur Normalversion mit lediglich 19 PS unglaubliche, aufgemotzte 23 Pferdestärken auf die Straße bringt.

Rund 230 Oldies und um die 700 Besucher wurden allein am Samstag bei dem von Peter Frech, Stephanie Hörmann und dem „Jailhouse“-Team organisierten Treffen gezählt. „Fürs erste Mal war das schon ganz gut“, war Frech mit der Resonanz ganz zufrieden. Am Sonntag fiel das Treffen dann weitgehend dem Regen zum Opfer.

Tags zuvor gab es aber einiges zu sehen. Die stolzen Eigentümer alter motorisierter Schätzchen hatten nicht nur ihre „alte Autos“, sondern auch Motorräder- und Traktoren-Oldtimer vorgestellt. Und fast jeder erzählte bereitwillig die Geschichte hinter seinem Liebling. „Am liebsten fahre ich bei schönem Wetter ganz hinten in die Jachenau, packe meine Campingstühle aus, genieße eine Flasche Wein und lasse den Herrgott einen guten Mann sein“, sagt Kadett-A-Fahrer Saalfrank. „A wenig an Spleen musst da schon haben“, gibt er zu. Erst im vergangenen Jahr hatte er den Opel in Huglfing gekauft. Nicht zuletzt deswegen, weil dieses Auto vor Jahrzehnten erstmals in Hof zugelassen wurde, dort wo der Neu-Arzbacher Saalfrank aufgewachsen ist.

Eher zufällig kam der Tölzer Elektromeister Hans Nissl zu seinem Original-Goggombil 250, Baujahr 1969. Ursprünglich hatte ihn ein Landwirt aus der Nähe des schwäbischen Biberach gefahren. Irgendwie kam das Gefährt dann nach Greiling. Dort fand es Nissl. „Wir haben 1992 bei einem Neubau das Elektrische gemacht, und als aus dem alten Haus alles ausgeräumt war, stand da noch das Goggo herum. Das hab’ ich dann gekauft“, berichtet Nissl. Mit seinen 14 PS ist Winzling keine Rennmaschine. „Am besten fährt er sich so mit Tempo 50 bis 60. Schneller wird’s dann bei dem Fahrwerk und den Bremsen schon riskant.“

Freilich kann sich der Tölzer noch an Leute erinnern, die Ende der 50er-Jahre mit vier Personen und einem Zelt im Goggomobil bis nach Jesolo gefahren sind. „Das war für die Leute damals ein viersitziges Fahrzeug mit Dach, das sie bei 250 Kubik Hubraum mit dem alten Moped-Führerschein fahren durften.“ Und beim großen Korso zum 100-jährigen Jubiläum der Tölzer Stadterhebung war Nissl mit seinem Goggo auch dabei – und durfte die heutige Staatsministerin Ilse Aigner kutschieren.

Genauso wie sein Besitzer Lars Göhrke kommt auch der Trabbi, Baujahr 1974, aus der Ex-DDR. Dessen 595 ccm-Zweizylinder-Motor bringt 26 PS auf die Straße und schafft es „im Normalfall“ so auf knapp Tempo 100. „Ich komme aus Dresden, bin ein echter Trabi-Fan und auch Mitglied im bayerischen Trabant-Club“, sagt Göhrke, der mittlerweile in Reichersbeuern wohnt. Es war im Jahr 2000, als er sein Fahrzeug „bei eBay für 200 Euro gekauft hat. Aber so hat er damals auch ausgesehen“.

An den traurigen Zustand erinnert freilich heute nichts mehr. Komplett restauriert erstrahlt der Trabi wieder in altem Glanz. Und Göhrke, der zudem einen Klappfix (Wohnzelt-Anhänger) und einen QEK Junior (Wohnwagen) aus ostdeutscher Produktion sein Eigen nennt, zeigt sich durchaus unternehmungslustig. „Ich bin von hier aus mit meinem Trabbi und dem QEK schon bis an die Ostsee, also rund 1100 Kilometer gefahren“, erzählt er.

Mit dem Trabi zu fahren, mache einfach riesigen Spaß, „und an der roten Ampel finde ich mehr Beachtung als manch ein Porsche.“Ewald Scheitterer

Oldtimertreffen am Tölzer Jailhouse

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